Holocaust-Gedenken Gedenkstätte Buchenwald erteilt AfD erneut Hausverbot

Die Gedenkstätte Buchenwald und die AfD-Fraktion streiten erneut über die Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung. So wurde den AfD-Mitgliedern abermals Hausverbot erteilt. Die Fraktion kündigt juristische Schritte an.

Das Lagertor des ehemaligen KZ Buchenwald, in Weimar (Thüringen).
Das Lagertor des ehemaligen KZ Buchenwald Bildrechte: dpa

Zum Holocaust-Gedenken am 27. Januar hat die Gedenkstätte Buchenwald die Mitglieder der AfD-Fraktion erneut zu unerwünschten Personen erklärt. Das sei der AfD-Fraktion schriftlich mitgeteilt worden, sagte ein Sprecher der Gedenkstätte. An der Bewertung der AfD habe sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert. Schon damals waren die AfD-Mitglieder zur Gedenkveranstaltung nicht willkommen.

Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Stefan Möller, sagte, das Hausverbot für die AfD sei absolut inakzeptabel. Die Gedenkstätte Buchenwald werde durch staatliche Gelder finanziert und dürfe nicht politisch instrumentalisiert werden. Die AfD prüfe juristische Schritte gegen das Hausverbot.

Geschichtsbild und Äußerungen Höckes ausschlaggebend

Zur Gedenkveranstaltung für die Holocaust-Opfer sind auch die Landtagsfraktionen eingeladen. 2019 hatte die Gedenkstätte das Hausverbot mit dem Geschichtsbild der AfD und Äußerungen von Fraktionschef Björn Höcke begründet. Höcke hatte unter anderem die Aufarbeitung der NS-Zeit als "dämliche Bewältigungspolitik" bezeichnet.

Der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, begrüßte die Entscheidung der Gedenkstätte Buchenwald. Schramm sagte, es sei Menschen, die den Holocaust überlebt hätten, nicht zuzumuten, Leuten gegenüber zu stehen, die die NS-Verbrechen relativierten. Höckes Ansichten hätten sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Und die anderen Vertreter der AfD wüssten, wer Höcke sei, so Schramm.

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit. Der Tag ist seit 2005 ein internationaler Gedenktag für die Opfer des Holocaust - so auch in Thüringen. Am Montagnachmittag werden bei der Veranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald Kränze niedergelegt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 24. Januar 2020 | 18:00 Uhr

130 Kommentare

Wahlthueringer vor 28 Wochen

@Wikreuz: Sie schreiben: "Von mir kam ein Verwandter 1946, als das Lager unter sowjetischer Regie weiter betrieben wurde, ums Leben. Wird diesen Toten überhaupt gedacht?" Damit steht die Frage im Raum, ob Sie hier einen Verwandten herbeiflunkern oder mit Scheuklappen in der Welt unterwegs sind. Es genügt eine Internetsuche von 2sec nach "Speziallager" und "Buchenwald", um herauszufinden, WIE der Opfer dieses Internierungslagers auf dem Ettersberg gedacht wird (mit einer separaten Ausstellung und hunderten Stelen auf den Gräbern) und WIE die Gedänkstättenstiftung nach 1990 dafür gesorgt hat, dass auch an die Opfer der Kommunisten erinnert wird. Ein Überblick bietet dieser Artikel auf mdr.de: https://www.mdr.de/zeitreise/sowjetische-speziallager-104.html

Der Matthias vor 28 Wochen

@ Torsten

"Um es klar zu formulieren wären es Neonazis würden sie so eine Gedenkveranstaltung gar nicht besuchen wollen."

Stimmt, anstatt derartige Holocaust-Gedenkveranstaltungen zu besuchen, finanzieren Abgeordnete der AFD (Stephan Protschka) in Schlesien ja lieber die Errichtung eines Gedenksteins für rechte Freicorps-Kämpfer, die an der Niederschlagung der Spartakisten in Berlin und der Räterepublik in München 1919 beteiligt waren und deren Verbände später in der SS aufgegangen sind. So unlängst im schlesischen Bytom geschehen!

martin vor 28 Wochen

Werter Udo, Sie dürfen diese Meinung selbstverständlich gern vertreten. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass alle Handlungen, die Sie für sich nicht nachvollziehen können / wollen, deshalb gleich Heucheleien sein müssen.

Wenn es für Sie irrelevant ist, dass der Vorstand bei einer Gedenkveranstaltung den eingeladenen Opfern keine Zeitgenossen zumuten will, die dem damaligen Gedankengut (vorsichtig formuliert) nahe stehen, dann ist auch das Ihr gutes Recht. Ich persönlich sehe das sehr anders und halte das Vorgehen für sehr angemessen.

Den generellen Zutritt würde Menschen mit faschistioden Gedanken nicht verwehren. Ich bin Optimist und hoffe, dass der Besuch einer solchen Gedenkstätte ein Anstoss zur Reflektion eigener Positionen wird.

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