Ein Roboter steht vor tanzenden und sitzenden Senioren
Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Weimar Roboter gegen Fachkräftemangel

Etwa einen Meter 20 hoch, weißglänzend, große dunkle Augen ein Roboter mit Humor - Emma ist "Eine" zum Gernhaben. Zukünftig soll sie Altenpfleger entlasten. Kann das funktionieren?

Ein Roboter steht vor tanzenden und sitzenden Senioren
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Der Fachkräftemangel in der Altenpflege - er wird immer akuter. Mehr pflegebedürftige Menschen stehen immer weniger Pflegekräften gegenüber. Es braucht Alternativen, sagt auch Kerstin Bloch, Leiterin des Caritas Altenpflegezentrums St. Raphael in Weimar. Im Anschluss an den 10. Kongress der Alzheimer Gesellschaft vom 18. bis 20. Oktober in Weimar, hat sie Ingenieur Hannes Eilers eingeladen. Der Informatiker arbeitet an der Fachhochschule Kiel. Sein Forschungsprojekt heißt ARiA - Anwendungsnahe Robotik in der Altenpflege. Entwickelt werden Softwarelösungen, die Altenpfleger in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Die Technik steckt im Körper eines vorgefertigten Roboters. Eilers nennt ihn "Emma". Es war u.a. Blochs Wunsch diesen Roboter nicht nur Experten vorzustellen, sondern auch Bewohnern eines Pflegezentrums, insbesondere Dementen.  

Emma erobert die Herzen

Etwas kleinwüchsig, weißglänzend und mit großen dunklen Augen erinnert der Roboter optisch an ein Kind. Er hört auf Kommandos, ähnlich wie ein Hund. "Emma" sorgt bei ihrem Auftritt in Weimar für Erheiterung. Die Bewohner sind  angetan von der Technik und nutzen den Roboter intuitiv. Emma spielt Musik, fordert zum Tanz auf und spielt Memory. Sie stellt Quizfragen und freundet sich mit einigen Bewohnern an. Eilers hat dem Roboter beigebracht, sich Namen und Gesichter zu merken. Emma fixiert mit ihren Augen und kann Personen erkennen. Pflegearbeiten erledigt sie nicht, aber sie kann dennoch enorm unterstützen, meint Einrichtungsleiterin Kerstin Bloch.

Allein die Tatsache, dass die Bewohner unterhalten werden, sei Gold wert. In dieser Zeit hätten die Mitarbeiter etwas Luft, sich intensiv um Einzelne zu kümmern. Emma kann zuhören und vorlesen und künftig wohl auch für mehr Sicherheit sorgen. Eilers arbeitet bereits an einer neuen Idee. Emma soll Nachtwache schieben. Sie soll auf dem Flur von Demenzstationen aufpassen, dass nachts keiner das Haus verlässt. Und noch eine neue Aufgabe wartet auf den Roboter. Emma darf bald Physiotherapeuten unterstützen - sie soll bei Gymnastikstunden aushelfen. Menschen ersetzen kann der Roboter nicht. Da sind sich Pflegekräfte und Entwickler einig. Künstliche Intelligenz sei sehr wichtig, die menschliche Seite dürfe aber keinesfalls zu kurz kommen, sagt Informatiker Hannes Eilers.

Emma noch nicht reif für die Praxis

Emma ist das Produkt eines Forschungsprojektes. Einmal wöchentlich verbringt sie Zeit in einer Demenzeinrichtung in Kiel. Dort arbeitet sie mit Bewohnern. Pfleger und Angestellte haben engen Kontakt zu Eilers und seinem Team. Die Informatiker programmieren auf Wunsch. Es sind die Musiktherapeuten, die Physiotherapeuten und Altenpfleger selbst, die Emma Aufgaben übertragen. Eilers setzt sie technisch um. Diese enge Zusammenarbeit gibt es nun schon seit rund zwei Jahren. Ein wenig Forschungszeit braucht es noch. Kerstin Boch aus Weimar wünscht sich derartige Projekte auch in Thüringen. Auch Thüringer Forschungseinrichtungen sollten sich dem Thema Robotik in der Pflege noch intensiver widmen, sagt sie. Eine enge Zusammenarbeit mit praktisch arbeitenden Einrichtungen, das wäre toll. Ein wenig neidisch schaut Bloch auf die Kollegen nach Kiel.

Quelle: MDR THÜRINGEN

--- AKTUELLES AUS THÜRINGEN ---

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR Thüringen Journal | 21. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2018, 19:48 Uhr

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8 Kommentare

23.10.2018 11:20 martin 8

@7 petra: Ich sehe den möglichen Einsatz von Robotern (auch) nicht als Ersatz für zwischenmenschliche Kommunikation, sondern eher im Bereich "lieber Interaktion mit Maschine" statt - überspitzt formuliert - "vor dem Fernseher geparkt zu werden". Wenn Technik helfen kann, eine körperliche und geistige Mobilität zu erhalten, dann würde ich das als sehr nützlich einstufen.

23.10.2018 01:47 Petra Stein 7

Hallo @martin ! Mag sein, dass es alte Menschen gibt, die _auf Dauer_ mit so einem Gerät zufrieden sind - ich denke da an gewisse Computerfreaks aus meiner Bekanntschaft, die im Alter so was bestimmt toll finden werden.
Im Grunde spricht nichts dagegen, Roboter in der Pflege einzusetzen, um die Arbeit der Fachkräfte zu erleichtern und attraktiver zu machen -- das sollte dann aber eher dort geschehen, wo es um schwere körperliche Arbeit geht, wie das Heben oder Wenden von Kranken, oder um eklige Dinge.
Dadurch würde die Arbeit tatsächlich attraktiver werden und mehr Zeit für das Zwischenmenschliche bleiben - die Betonung liegt auf zwischen-MENSCHLICH und nicht Mensch-Maschine-Kommunikation.
So ein Unterhaltungsroboter ist aber auf Dauer ebenso armselig wie Kinder ständig vor den Fernseher zu parken. Wir sollten uns mehr wert sein, nämlich den Kontakt m echten Menschen. Geld für die Unterstützung der Pflegetechnik darf schon eingesetzt werden, am Menschen aber nicht gespart werden.

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