Detail einer monumentalen Felszeichnung auf der Insel Picure, Venezuela
Die in Südamerika entdeckten Felsgravuren sind wohl die größten prähistorischen ihrer Art. Bildrechte: Phil Riris/Jose Oliver

Wissen-News Riesige Felsgravuren in Schlangenform in Südamerika entdeckt

10. Juni 2024, 14:15 Uhr

Einige der in der Region des Orinoco-Flusses entdeckten und kartierten Felsgravuren sind mindestens 2.000 Jahre alt und mehrere Dutzend Meter lang. Die Größte unter ihnen ist größer als ein Blauwal.

In Südamerika sind die vermutlich größten prähistorischen Felsbilder der Welt entdeckt worden. Die Gravuren, die entlang des Oberen und Mittleren Orinoco-Flusses in Venezuela und Kolumbien in die Felswände gemeißelt wurden, seien mehrere Dutzend Meter lang, wobei die größte unter ihnen mehr als 40 Meter messe, berichtet ein Forschungsteam der Universität Bournemouth, des University College London (beide England) und der Universidad de los Andes (Kolumbien) im Journal "Antiquity". Nach Ansicht der Forschenden handelt es sich bei der Darstellung einer Riesenschlange um die weltweit größte einzelne Felsgravur, die bislang erfasst wurde. Weitere der sogenannten Petroglyphen – also in Stein gearbeitete Felsbilder aus prähistorischer Zeit – zeigen menschliche Figuren und riesige Amazonas-Tausendfüßler.

Warnung in Schlangen-Form

"Diese monumentalen Stätten sind wirklich groß und beeindruckend, und wir glauben, dass sie dazu gedacht waren, aus einiger Entfernung gesehen zu werden", wird Philip Riris, Hauptautor und Dozent für archäologische Umweltmodellierung an der Universität Bournemouth, in einer Mitteilung zitiert. Prähistorische Gruppen könnten die Gravuren verwendet haben, «um ihr Territorium zu markieren und die Menschen wissen zu lassen, dass sie hier leben und dass ein angemessenes Verhalten erwartet wird», so Riris. Die Felsbilder, von denen einige bereits bekannt waren, könnten vor bis zu 2.000 Jahren entstanden sein. Ähnliche Motive auf Töpferwaren aus der Region deuteten darauf hin, dass sie möglicherweise noch älter seien.

Viele der größten Gravuren zeigen Schlangen, bei denen es sich den Forschenden zufolge vermutlich um Königsboas oder Anakondas handelt, die in den Mythen und im Glauben der lokalen indigenen Bevölkerung eine wichtige Rolle spielten. "Schlangen werden im Allgemeinen als sehr bedrohlich empfunden, daher könnte der Standort der Felsbilder ein Signal sein, dass man sich an diesen Orten benehmen muss", vermutete Riris.

Auf dieser undatierten, vom Forscher Dr. Philipp Riris zur Verfügung gestellten Darstellung sind an einem Felsen Petroglyphen und ihre entsprechende Größe im Verhältnis zum Maßstab zu erkennen.
Entlang des Orinoco an der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien haben Forscher riesige Felsgravuren entdeckt. Bildrechte: picture alliance/dpa/Dr Philip Riris

Die Gravuren befänden sich hauptsächlich entlang eines Abschnitts des Orinoco-Flusses, der eine wichtige prähistorische Handels- und Reiseroute gewesen sein dürfte, sagte José Oliver vom UCL-Institut für Archäologie laut der Mitteilung. "Das bedeutet, dass es sich um eine wichtige Anlaufstelle handelte und es deshalb umso wichtiger gewesen sein könnte, ein Zeichen zu setzen - seine lokale Identität zu markieren und Besucher wissen zu lassen, dass man hier ist."


dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Nachrichten | 10. Juni 2024 | 10:00 Uhr

1 Kommentar

Hebamme vor 1 Wochen

Ist das nicht toll dass sogar heute noch solche Kulturschätze gefunden werden!
Großartig, macht immer ein bisschen demütig so was zu sehen...