Artensterben Nur noch in Gefangenschaft: Diese 70 Tiere und Pflanzen sind in der Wildnis ausgestorben

Eine neue Studie zeigt, dass einige Arten auf unserem Planeten zwar nicht ausgestorben sind – aber nur unter Obhut des Menschen überlebt haben. Das ist problematisch, weil Auswildern oft schwierig ist. Hier sind alle.

Papageienartiger Vogel mit hellem buschigen Kopf blauem Federkleid sitzt auf Ast vor blauem Himmel
Einer der seltensten Vögel überhaupt: Spix-Ara. Er wurde zuletzt 1976 in freier Wildbahn gesehen. Gezählt werden nur noch 202 Exemplare unter menschlicher Obhut. Bildrechte: imago/ZUMA Wire

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TierePflanzenden restlichen 14

Bin ich jetzt ausgestorben oder nicht, fragt sich womöglich die hübsche Säbelantilope. Sie ist ein regelrechtes Absurdum auf der roten Liste: In freier Wildbahn wurde das Wüstentier seit Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger nicht mehr gesehen. Und in den Zoologischen Gärten dieser Welt ist sie die zweithäufigste Antilopenart überhaupt.

Zwei grafische Kategorie-Siegel in Kreisform mit Spitze nach oben rechts. Rotes Siegel für "Extinct in the wirld" mit Erklärung "Ausgestorben in freier Wildbahn" und Schwarzes Siegel mit "Extinct" und Erklärung "Ausgestorben".
Auf der roten Liste gibt's "ausgestorben" gleich zweimal. Bildrechte: IUCN/MDR WISSEN

Denn was nicht mehr in der Wildnis lebt, seinen Beitrag zum Ökosystem leistet und Teil einer mannigfaltigen Biodiversität ist, ist so von der natürlichen Sache her ausgestorben. Häufig ist der Weg in die Gefangenschaft eine Einbahnstraße: Expertinnen und Experten zufolge ist die Auswilderung von Dutzenden bedrohten Arten, die nur noch in Zoos und ähnlichen Einrichtungen vorkommen, eine enorme Herausforderung. "Trotz heldenhafter Anstrengungen kommt Scheitern genauso häufig vor wie Erfolg", sagte Donal Smith vom Londoner Institute of Zoology (ZSL). Smith ist Erstautor einer im Fachmagazin "Science" veröffentlichten Bestandsaufnahme der 84 Tier- und Pflanzenarten, die 2022 auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als in der freien Wildbahn ausgestorben galten und nur noch in Zoos, Aquarien, botanischen Gärten oder Saatgutbanken vorkommen.

Mehr Augenmerkt auf die freie Wildbahn

"Ohne die Artenschutzbemühungen dieser engagierten Organisationen hätten wir bereits Arten wie die Säbelantilope, mehrere polynesische Baumschnecken und den gelb blühenden Toromiro verloren", so Smith mit Blick auf Arten, die es in der Wildnis nicht mehr gibt. Fälle wie jener des Europäischen Bisons zeigten sogar, dass Arten, die einst auf eine kleine Population unter menschlicher Obhut beschränkt gewesen seien, sich dank entsprechender Projekte auch wieder in freier Wildbahn ausbreiten könnten. Während es von einigen der nur in menschlicher Obhut lebenden registrierten Arten noch einige tausend Tiere oder Pflanzen gibt, sind es bei anderen nur noch eine Handvoll.

Säbelantilopen: Antilopen mit einem weißen Kopf und Körper , braunem Hals und langen, säbelartig rund gebogenen Hörnern. Laufen unter Baum in Steppengebiet.
Säbelantilope: Hübsches Tier, finden auch die Zoologischen Gärten. In der Wildnis ist sie ausgestorben. Bildrechte: Marie Petretto, Marwell Wildlife

Den Forschenden zufolge werden die Arten weniger überwacht und häufig übersehen, da sich der Fokus oft eher auf bedrohte Arten richtet, die noch in der Wildnis vorkommen. Das zeige sich auch daran, dass seit 1950 elf Arten unter menschlicher Obhut ausgestorben seien. Nur zwölf hätten den Status als Wildtiere oder -pflanzen wiedererlangt. Smith und das Forschungsteam fordern, den Artenschutz in diesem Bereich deutlich zu stärken.

Tiere

Pflanzen

Und was ist mit den restlichen 14?

Für drei Pflanzen- und eine Fischart gibt es in der Studie keine Daten zu den Beständen in menschlicher Obhut. Für zehn weitere Tiere und Pflanzen haben die Forschenden festgestellt, dass der Status "ausgestorben in freier Wildbahn" falsch ist. Das liegt daran, dass diese als Synonym gelistet (3), gänzlich ausgestorben (2) oder in freier Wildbahn (3) vorhanden sind. Bei einer Grillenart und einem Gesneriengewächs ist der Status gänzlich unbekannt.

flo, cdi, dpa

Link zur Studie

Die Studie Extinct in the wild: The precarious state of Earth’s most threatened group of species erschien am 23. Februar 2023 im Fachblatt Science.

DOI: 10.1126/science.add2889

Ein Igel in einem Laubhaufen. 3 min
Bildrechte: IMAGO / agefotostock

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Im Dezember findet der Artenschutzgipfel COP 15 in Montréal/ Kanada statt. Die internationale Politik möchte sich dort auf einen neuen Gesetzerahmen zum weltweiten Artenschutz verständigen. MDR WISSEN begleitet die Konferenz mit aktuellen Informationen zum Artenschutz. Bildrechte: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 07. Dezember 2023 | 08:18 Uhr