Insekt frontal von vorn, Kopf einer Hornisse, rötlich, schwarz-gelbe Beine, Fühler, Flügel unscharf im Hintergrund 2 min
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Die Asiatische Hornisse wurde vom Menschen nach Europa eingeschleppt, fühlt sich durch den Klimawandel pudelwohl und geht Honigbienen an den Kragen – wahrscheinlich auch bald in Sachsen. Hintergründe von Florian Zinner.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 14.02.2024 14:45Uhr 02:22 min

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Invasive Art Geht die Asiatische Hornisse sächsischen Honigbienen bald an den Kragen?

14. Februar 2024, 10:31 Uhr

Frankreich hat sie längst, der deutsche Südwesten auch: Die Asiatische Hornisse – nicht zu verwechseln mit der Asiatischen Riesenhornisse – könnte auch bald in Sachsen heimisch werden, bedingt durch Globalisierung und Klimawandel. Willkommen ist sie nicht, vor allem nicht bei Imkerinnen und Imkern.

Junger Mann mit Bart, runder schwarzer Brille, schwarzem Basecap vor Roll-Up-Plane mit Logo von MDR WISSEN
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Also irgendwie sieht das Tierchen ja so aus, als sei ihm das typische Gelb am Stachel auf wundersame Weise abhandengekommen. Oder als wäre die Asiatischen Hornisse kopfüber in einen schwarzen Farbtopf gefallen und hätte es gerade noch geschafft, schnell wieder rauszukrabbeln. Joah – irgendwie Hornisse, aber irgendwie auch nicht. Auf jeden Fall erkennt man sie sofort, wenn sie an einem vorbeifliegt, sagt Marion Loeper. Vielleicht sogar, wenn man vorher noch nie eine gesehen hat: "Ich vergleiche sie immer ganz gerne mit einer Drohne, sie kann auf der Stelle stehen bleiben, sie kann rückwärts fliegen."

Damit unterscheidet sich das Insekt klar von der einheimischen Variante. Marion Loeper ist ehrenamtliche Naturschutzhelferin in Dresden — und Imkerin. Zwar ist es noch nicht soweit, aber wenn die Asiatische Hornisse erstmal in Sachsen angekommen ist, könnte es Marion Loepers Volk durchaus an den Kragen gehen. Dabei helfen die außergewöhnlichen Flugkünste. Das Bienenvolk erstmal entdeckt, patrouilliert sie vorm Eingang. "Mit dem Rücken zum Bienenstock und fängt die zurückkommenden Bienen ab. Die sind einfacher zu fangen und haben außerdem ein bisschen Honig am Kopf, das ist ein Extra-Snack." Verständlich, dass die Bienen im Stock in eine Starre verfallen und nicht im Traum daran denken, das Heim zu verlassen.

Zwei Hornissen im Vergleich: Die Asiatische Hornisse ist deutlich dunkler, die Europäische hat einen markanten gelben Stachel und einen rötlichen Körper.
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Asiatische Hornisse entdeckt? Wenn Sie eine Asiatische Hornisse in Sachsen identifizieren und fotografieren konnten, schicken Sie bitte Bild und Standort an: artenerfassung.LfULG@smekul.sachsen.de

Die Belagerung kann durchaus länger als drei, vier Wochen so gehen. Problematisch wird es vor allem, wenn das Abfangmanöver zu einer Zeit geschieht, in der die Winterbienen geboren werden. Marion Loeper: "Wenn die Bienen dann im Stock bleiben, verbrauchen die natürlich ihr Futter, was sie eigentlich für den Winter gedacht haben. Die gehen viel zu zeitig aus der Brut raus und das Wintervolk bleibt dann sehr klein, was natürlich wieder hohe Winterverluste als Folge hätte."

Asiatische Hornisse: Vom Menschen verschleppt, vom Klimawandel gehalten

Den Eindringling als solchen zu bezeichnen und einen boshaften Heißhunger auf mitteleuropäische Bienenvölkern zu unterstellen, ist freilich der falsche Schluss. Dass sich das Insekt in unseren Gefilden fehlplatziert, ist einzig und allein auf menschliches Handeln zurückzuführen. Die Asiatische Hornisse kommt aus dem feuchtwarmen Südosten Asiens. Globalisierungsbedingt hat sie es nach Europa geschafft – oder sagen wir: Sie wurde verschleppt, durch Warentransporte zum Beispiel. In Frankreich kennt man sie seit 2004, in Deutschland folgte die Besiedlung zehn Jahre später – zuerst im Südwesten der Republik, wo es tendenziell immer etwas wärmer ist.

Also wir sprechen da von einer Dimension pro Nest von 500 Jungköniginnen.

Marion Loeper Naturschutzhelferin und Imkerin

Etwas wärmer macht der Klimawandel aber auch Regionen mit traditionell kontinentalem Einfluss: Im September wurde ein Exemplar in Berlin-Schöneberg gefunden und auch aus dem tschechischen Pilsen gibt es einen Nachweis. Und dazwischen liegt? Richtig, Sachsen. Herkunftsbedingt fühlt sich die Hornisse in milden Regionen mit Flussläufen besonders wohl. Sagen wir es so: Das Elbtal um Dresden wäre Klimawandel-bedingt als neuer Lebensraum prädestiniert. Und eine Besiedlung – früher oder später – kann durchaus schnell gehen, sagt Marion Loeper: "Also wir sprechen da von einer Dimension pro Nest von 500 Jungköniginnen. Im Vergleich dazu: Die einheimische Hornisse produziert so um die fünfzig Jungköniginnen."

Vorsorge, bevor sich die Asiatische Hornisse ausbreitet

Hinzu kommt eine vergleichsweise sehr hohe Nestdichte: Acht bis zehn Stück pro Quadratkilometer sei bisherige Spitze in Deutschland, im gänzlich besiedelten Frankreich komme man schon auf 13 bis 14 Stück, so Loeper. Auch ein Problem: Die Asiatische Hornisse steht auf kulinarische Abwechslung und hat einen vielfältigen Appetit — in Deutschland wurden fast 150 verschiedene Insekten in der Nahrung gefunden. Die Gefräßigkeit kommt auch daher, dass der Eindringling durch das hohe Brutaufkommen viele Mäuler zu stopfen hat. Lokale Ökosysteme können da durchaus mal ins Straucheln geraten. Als Naturschützerin und Imkerin appelliert Marion Loeper zur Vorsorge und wünscht sich hier etwas mehr Geschwindigkeit. Ein Vorbild könnte die Slowakei sein, wo das Tier ebenfalls demnächst erwartet wird: "Man hat eine Kommission gebildet, hat eine Handreichung erstellt, hat Spezialisten zur Fortbildung geschickt, hat Schädlingsbekämpfer und die Feuerwehr bereits geschult, das wünsche ich mir hier auch."

Anders als Bienen und andere Insekten braucht sich eine Spezies im Übrigen keine Sorgen zu machen: Der Mensch, der die falsche Verortung überhaupt erst verzapft hat. Die Asiatische Hornisse ist uns gegenüber von Natur aus friedlich und nicht anders zu handhaben als das heimische Exemplar. Also am besten mit respektvoller Distanz. Aber wie sollte man auch anders, wenn man plötzlich eine Mini-Drohe zu Gesicht bekommt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Tag | 14. Februar 2024 | 14:45 Uhr

4 Kommentare

Bestaeuber vor 17 Wochen

Hier ein Auszug aus d. Artikel von Fritsch, J. (2022): Werden Wildbienen missbraucht?
D. Verdacht, d. d. Diskussion um d. vermeintliche Konkurrenz d. Bienenarten nur davon ablenken will, d. d. Mensch beim Verkauf von Pestiziden o. rücksichtsloser Landnutzung d. tatsächliche Konkurrent auf dieser Bühne ist, drängt sich mittlerweile massiv auf! Denn, dieselbe Argumentationswelle mit d. Wildbienen als Opfer sehen wir Regelmäßigkeit seit den 80er Jahren. Es scheint, d. Imker und Naturschützer in ihren Interessen bewusst gespalten und gegeneinander aufgewiegelt werden sollen. Für d. Imker als Praktiker, der täglich die Natur beobachtet, sieht d. gelebte Realität völlig anders aus. Wir beobachten wilde u.domestizierte Bienen in schöner Eintracht auf den Blüten, niemand wird hier verdrängt, wir pflanzen insektenfreundliche Blühmischungen und setzen uns in großem Stil für die Artenvielfalt und gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein. Alle unsere Maßnahmen dienen immer allen Insekten.

goffman vor 17 Wochen

Selbstverständlich ist die Zerstörung von Lebensraum und auch das Einbringen von Giftstoffen eine der Hauptursachen für das Artensterben und auch das Insektensterben.

Und, auch wenn Sie keine Quelle angegeben haben, so glaube ich Ihnen erst einmal, dass es um das Jahr 1900 fast dreimal mehr Völker gab.

Das heißt aber nicht, dass es keinen Konkurrenzkampf zwischen der Honigbiene und den Wildbienen gibt:
1. Damals waren die Lebensräume noch nicht so zerstört wie heute. Es gab damals ein deutlich größeres Angebot sowohl für die Wildbienen, als auch für die Honigbienen.
2. Wenn wir einen kürzeren Zeitraum anschauen, dann ist die Anzahl der Völker ausreichend. Wenn wir Jahrhunderte vergleichen, dann müssen wir genauer hinschauen. Sind die Völker immer noch genauso groß, oder sind z.B. durch Zucht oder andere Maßnahmen die Völker heute deutlich größer? Wie viel Honig wurde produziert? Das dürfte ein deutlich besserer Indikator für die Konkurrenz um Futter und Lebensraum sein.

Bestaeuber vor 17 Wochen

Um das Jahr 1900 herum gab es auf der Fläche des heutigen Deutschlands etwa 2,6 Millionen Bienenvölker, heute sind es nur noch etwa 950.000. Obwohl es damals also fast dreimal mehr Honigbienenvölker gab, waren Solitärbienen noch nicht bedroht.
Ist also die Honigbiene das Problem oder vielleicht doch die intensive Landwirtschaft, die Flächenversieglung und der Einsatz von Pestiziden der sowohl Honigbienen, als auch allen anderen wichtigen Bestäubern zusetzt?

Wenn ich mich ungesund ernähre und daher Übergewicht habe, sollte ich dann lieber das Nutellabrot oder den Apfel weglassen?