Künstlerische Darstellung des Asteroid 87-Sylvia und seiner Monde Romulus und Remus
Künstlerische Darstellung von (87) Sylvia. Bildrechte: ESO

Drillings-Asteroid (87) Sylvia über Deutschland

(87) Sylvia ist ein besonderer Asteroid: Er ist der erste so kleine Himmelskörper, bei dem Astronomen zwei Monde entdeckt haben. Am 30. Oktober ist er am Himmel über Deutschland zu sehen, denn er verdeckt einen Stern.

von Patrick Klapetz

Künstlerische Darstellung des Asteroid 87-Sylvia und seiner Monde Romulus und Remus
Künstlerische Darstellung von (87) Sylvia. Bildrechte: ESO

In der Nacht zum 30. Oktober zieht ein besonderes Dreigestirn über den Nachthimmel von Deutschland und Europa: Der Asteroid (87) Sylvia mit seinen zwei Trabanten, Romulus und Remus. Obwohl der Astronom Norman Robert Pogson bereits am 16. Mai 1866 (87) Sylvia im indischen Observatorium von Chennai entdeckte, ist erst seit relativ kurzer Zeit bekannt, dass es sich tatsächlich um das erste bekannte Asteroiden-Trio handelt.

Der Orbit von (87) Sylvia liegt im Asteroiden-Gürtel

(87) Sylvia hat in etwa die Form einer länglichen Kartoffel. Die genaue Größe konnte erst 2016 bestimmt werden. Der Asteroid misst 385 mal 262 mal 232 Kilometer. Würde man seine Oberfläche flach ausbreiten, würde sie in etwa die Landfläche Weißrusslands abdecken. Das Klima auf dem Felsen ist allerdings deutlich unwirklicher als in Osteuropa, die Temperaturen liegen zwischen -122 und -50 Grad Celsius.

Die Flugbahn von (87) Sylvia liegt im äußeren Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Sein durchschnittlicher Abstand zur Sonne ist etwa 3,5 Mal so groß wie der zwischen Erde und Sonne. Für eine Umrundung des Sterns benötigt er etwa 6,5 Jahre. Trotz dieser weiten Entfernung können auch geübte Hobbyastronomen (87) Sylvia in den Blick nehmen, dazu aber gleich mehr.

Die beiden Monde von (87) Sylvia

Obwohl der Himmelskörper schon früh beobachtet wurde, sind seine zwei kleinen Monde erst mit modernen astronomischen Instrumenten nachweisbar geworden. Erst am 18. Februar 2001 beobachteten Astronomen Romulus, der (87) Sylvia in einem mittleren Abstand von 1.351 Kilometern umkreist. Für eine Umrundung benötigt er etwa 3,6 Tage. Weitere dreieinhalb Jahre später, am 9. August 2004, konnten die Sternforscher dann auch Remus nachweisen. Er umrundet (87) Sylvia in einem noch deutlich engeren Abstand, im Durchschnitt nur 702 Kilometer. Für eine Umrundung benötigt er etwa 1,4 Erdentage.

Die Umlaufbahn der 87 Sylvia-Monde Romulus und Remus
(87) Sylvia in der Mitte, sowie die beiden Monde Romulus und Remus auf ihren Umlaufbahnen. Bildrechte: ESO

Wie sie den Drillingsasteroid (87) Sylvia beobachten können

Und jetzt zur Frage, wie Sie (87) Sylvia und seine beiden Begleiter selbst beobachten können: Voraussetzung ist ein mittelgroßes Teleskop, das richtig ausgerichtet werden muss. Der Drillings-Asteroid wird in der Nacht zum 30. Oktober für etwa 23 Sekunden lang einen Stern an unserem Nachthimmel verdecken. Dieser Stern hat zwar keinen richtigen Namen, nur die Registriernummer TYC 1932-00469-1. Aber er befindet sich in der Nähe des bekannten Sternzeichens Krebs, genauer östlich von dessen oberen Fuß. In der Schweiz und im westlichen Österreich beginnt diese Verdunklung gegen 0.38 Uhr mitteleuropäischer Zeit, kurze Zeit später ist das Phänomen auch in der Mitte und im Osten Deutschlands sichtbar.

Das Sternbild Krebs
Künstlerische Darstellung des Sternbild Krebs. An dessen oberen Fuß verdeckt (87) Sylvia für einen kurzen Augenblick einen Stern. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Helfen Sie bei der Erforschung von (87) Sylvia

Der projizierte Schatten von Sylvia wird dabei vermutlich 440 Kilometer betragen, die Flugbahn hat der Astronom Frédéric Vachier berechnet. Da über das Dreigestirn wenig bekannt ist, ruft die europäische Sektion der IOTA (International Occulation Timing Association) zur Beobachtung auf. Die IOTA hat hier alle vorab relevanten Informationen bereitgestellt und informiert auch über twitter.

Der Mythos von Sylvia, Romulus und Remus

Laut einer römischen Sage sind Romulus und Remus die Stadtgründer Roms. Mutter der Zwillinge ist die Priesterin Rhea Silvia – Namensgeberin des Hauptasteroiden – , die von Mars vergewaltigt wurde. Die Säuglinge wurden in einem Weidenkorb auf dem Fluss Tiber ausgesetzt und von einer Wölfin und einem Specht großgezogen. Später wurden sie von Schweinehirten entdeckt und mitgenommen. Die Jungs wurden ebenfalls Hirten. Im Alter von 18 Jahren führten sie mit Numitor eine Streitmacht gegen dessen jüngeren Bruder König Amulius an und töteten diesen. Zur Belohnung gestattete Numitor den Zwillingen eine Stadt an dem Ort zu errichten, an dem sie als Kinder ausgesetzt wurden. Die Grundsteinlegung der Stadt Rom fand gemäß dem Geschichteschreiber Titus Livius am 21. April 753 vor unserer Zeitrechnung statt. Als es zur Namensgebung kam, entbrach ein Streit zwischen den Brüdern. Romulus erschlug seinen Bruder Remus, damit fiel die Entscheidung für den Namen "Rom".

0 Kommentare