Welt-Pankreaskrebstag 2021 Bauchspeicheldrüsenkrebs – Forscher in Halle suchen nach frühen Therapien

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten Krebserkrankungen. Und zu denen mit der schlechtesten Prognose. Das liegt auch daran, dass diese Tumore oft erst sehr spät entdeckt werden und auch für die Medizin spät erkennbar sind. Forscher am Universitätsklinikum Halle wollen das nun ändern. Mit einem neuen Graduiertenkolleg soll der Fokus auf die Entstehungsursache der Karzinome gelegt werden. Das Ziel: Früher erkennen, besser behandeln.

Grafik, Menschliche Bauchspeicheldrüse mit Tumor
Pankreas - die Bauchspeicheldrüse. In dieser Grafik ist der Krebs gut zu erkennen. Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Der Krebs ist heimtückisch. Vielleicht spürt man nur ein wenig Appetitlosigkeit, leichte Übelkeit, verliert Gewicht. Beschwerden, die sich im Alltag fast übersehen lassen. Beschwerden, die einen nicht unbedingt sofort zum Arzt gehen lassen. Doch eben so können die ersten Symptome bei einem Pankreaskarzinom aussehen – beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das ist das eine Problem bei dieser aggressiven Krebsart. Das andere: Auch für Ärzte ist er in den frühen Stadien nur schwer zu entdecken, erklärt Professor Patrick Michl, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin der Universitätsmedizin Halle:

Also ist im Gegensatz zu Darmkrebs wo man eine Vorsorge-Darm-Spiegelung machen kann, einen Hautkrebs den man sehen kann - ist er sehr schwer zu erkennen.

Prof. Dr. Patrick Michl, Universitätsmedizin Halle

Und im Gegensatz zu anderen Vorsorgeuntersuchungen, so Michl, "gibt es keine richtigen Vorläuferläsionen, wo man eindeutig weiß, wenn die Bauchspeicheldrüse die und die Veränderung hat, dann wird sich da mit großer Wahrscheinlichkeit ein bösartiger Krebs daraus entwickeln".

Pankreaskrebs – in Deutschland Krebstodesursache Nummer 2

Wird der Krebs dann diagnostiziert, ist er häufig schon sehr weit fortgeschritten, hat Blutgefäße und andere Organe befallen, metastasiert. Mediziner gehen davon aus, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs bis 2030 weltweit die zweithäufigste Todesursache bei den Krebserkrankungen sein wird. In Deutschland ist das heute schon der Fall. Im Jahr 2020 starben laut dem Statistischen Bundesamt 18.922 Menschen an Pankreaskrebs, dahinter folgt Brustkrebs (18.591 Tote, fast 99 Prozent Frauen), und davor 44.786 Tote durch Lungen- und Bronchialkrebs. Zurzeit leben nur noch neun Prozent aller an Pankreaskrebs Erkrankten fünf Jahre nach der Diagnose. Aber die Medizin hat nicht nur Probleme bei der Früherkennung, sondern auch bei der Prävention.

Übergewicht und Rauchen sind auch Faktoren, die das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrankheiten erhöhen. Diabetes wahrscheinlich auch, das ist möglicherweise auch ein Frühsymptom.

Prof. Dr. Patrick Michl

Aber grundsätzlich sind all diese genannten Risikofaktoren eher niedrige Risikofaktoren, so der Facharzt für Innere Medizin. "Das heißt, das Risiko steigt etwas. Es ist aber nicht so, dass man, wenn man jetzt übergewichtig ist, ein 10- oder 20-fach erhöhtes Risiko mit sich trägt. Und in vielen Fällen fehlen diese Risikofaktoren völlig."

Wie kann der Krebs früher erkannt werden?

Patrick Michl ist Sprecher eines neugegründeten Graduiertenkollegs in Halle. Dieser Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus ganz verschiedenen Bereichen will herausfinden, wie und warum Bauchspeicheldrüsenkrebs entsteht. Sie wollen also die ganz frühen Prinzipien und Mechanismen verstehen, die am Anfang des Bauchspeicheldrüsenkrebses stehen:

Und wenn wir das kennen, dann hoffen wir natürlich, dass wir neue Marker identifizieren, die wir in der Bauchspeicheldrüse selber, aber natürlich auch in Körperflüssigkeiten wie dem Blut oder Bauchspeicheldrüsensaft analysieren können.

Prof. Dr. Patrick Michl

Es geht also um die Stadien der Erkrankung, "wo man eben noch nichts sieht oder eben nicht sicher ist, ist das schon etwas ganz Kleines oder nicht", so Michl. Wenn man dafür Marker hätte, die zeigen, dass sich etwas anbahnt und man früher behandeln kann, wäre das ein enormer Fortschritt. Gefördert werden die Wissenschaftler in Halle durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Zunächst für vorerst vier Jahre. Sollten sie erste Ansätze für die Früherkennung entdecken, kann die Forschung auf bis zu neun Jahre ausgedehnt werden.

Welt-Pankreaskrebstag

Seit 2014 wird jedes Jahr im November zum Welt-Pankreaskrebstag die Erkrankung in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. "Wir wissen, dass es eines breiten Bewusstseins in unserer Gesellschaft über diese Krankheit und ihren Verlauf bedarf, um Fortschritte in der Wissenschaft und im klinischen Alltag zu bewirken", schreiben die Organisatoren auf ihrer Seite. In diesem Jahr gibt es dazu die Mittmach-Aktion "Impressionen in Lila". Damit wollen die Veranstalter an die Kreativität der Menschen appellieren. In Dresden zum Beispiel hat das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen aus diesem Anlass geplant, von 16:30 bis 22 Uhr das Blaue Wunder in kräftigem Lila erstrahlen zu lassen.

Das Blaue Wunder in Dresden leuchtet in Lila
Zum Welt-Pankreaskrebstag wird das Blaue Wunder in Dresden am 18. November 2021 lila erstrahlen. Bildrechte: Ronald Bonss

kk/lw

3 Kommentare

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 26 Wochen

Ok, passt. Meist werden beim Darmkrebs Kolon und Rektum zusammengefasst. Wenn man aber wirklich nur den Dickdarmkrebs nimmt dann stimmt Ihre Statistik.

MDR-Team vor 26 Wochen

Hallo @Wachtmeister,
da hat sich tatsächlich der Fehlerteufel eingeschlichen. Vielen Dank für den Hinweis. Natürlich sollte es "Pankreaskrebs" oder "Krebs des Pankreas" heißen. Das haben wir selbstverständlich umgehend korrigiert.

Dass die restlichen Angaben stimmen, können Sie den offiziellen Daten entnehmen: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/sterbefaelle-krebs-insgesamt.html

Liebe Grüße

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 26 Wochen

"Im Jahr 2020 starben 18.922 Menschen an Pankreas, dahinter folgt (18.591 Tote, fast 99 Prozent Frauen), und davor 44.786 Tote durch Lungen- und Bronchialkrebs. Zurzeit leben nur noch neun Prozent aller an Pankreas Erkrankten fünf Jahre nach der Diagnose."
Auch populärwissenschaftliche Beiträge sollten ein gewisses journalistisches Mindestniveau aufweisen. Also:
1. Die Menschen starben nicht an Pankreas, sondern an Pankreaskrebs. Und sie sind auch nicht an Pankreas erkrankt wie in Satz 2, sondern ebenso an Pankreaskrebs.
2. "dahinter folgt": Hier fehlt der Brustkrebs, der ja ganz gewiss gemeint ist.
3. Bitte prüfen Sie die Aussage, dass die Mortalität beim Pankreaskrebs wirklich die zweithöchste ist. Die Darmkrebsmortalität liegt definitiv höher, bei über 20.000 pro Jahr, erreicht aber nicht die des Bronchialkarzinoms.