Covid-19 Coronavirus im Abwasser: Hohe Viruslast trotz wenig Infektionen

Virusmessungen im Abwasser der Metropole Mailand zeigen: Je höher die Impfquote, desto niedriger positive Testergebnisse und Klinikeinweisungen auch dann, wenn die Virusmenge in der Kläranlage stark steigt.

Ein Mitarbeiter eines Entsorgungsverbandes entnimmt 2009 aus dem Klärbecken einer Kläranlage Proben.
Probenentnahme in einer Kläranlage (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Becker&Bredel

Weltweit haben Forschende während der Pandemie das Virus auch im Abwasser verschiedener Großstädte und Regionen untersucht. Der Vergleich mit den Daten von Testergebnissen und Klinikeinweisungen gibt dann interessante Rückschlüsse darüber, wie gut die Corona-Impfungen gewirkt haben. Im Fachblatt JAMA zeigt ein Team italienischer Wissenschaftler nun, dass im Herbst 2021 zwar die Viruslast im Abwasser stark zunahm, die Zahl der Infektionen und Coronapatienten in den Krankenhäusern aber niedrig blieb, weil die Menschen durch die Impfung geschützt waren.

Hohe Viruslast im Abwasser trotz niedrigen Coronazahlen

Das Team um Giovanni Nattino hatte für die vorliegende Studie zwischen März 2020 und Oktober 2021 einmal pro Woche Proben aus der Kläranlage Nodseod entnommen, wo das Abwasser von etwa der Hälfte aller 1,3 Millionen Einwohner Mailands ankommt. Die Wissenschaftler durchsuchten die Proben auf die Gene der Viren für das Nukleokapsid-Eiweiß.

Der Vergleich der positiven Proben mit den Daten zu Neuinfektionen und Krankenhausaufenthalten zeigte: Bis Juli 2021 entwickelten sich die Virusmengen im Abwasser und die positiven Testergebnisse etwa parallel. Dann aber stieg die Viruslast in den Toilettenabwässern bis zum Herbst wieder stark an und erreichte Ende November sogar den Höhepunkt der zweiten Infektionswelle im Winter und Frühjahr 2021. Zugleich blieben die Zahlen positiver Coronatests und Klinikeinweisungen vergleichsweise gering.

Evolutionsdruck auf das Virus

Die Daten zeigen laut den Forschenden, dass die Impfungen im Sommer 2021 effektiv vor symptomatischer Erkrankung und vor schweren Verläufen geschützt haben, dass das Virus aber dennoch in der Bevölkerung zirkulierte. Dies könne einen moderaten Druck zur Entwicklung neuer Virusvarianten dargestellt haben, glauben die Autoren der Studie.

(ens)

Klärwerksbecken 5 min
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