Sars-CoV-2: Überlebenschancen des Virus Trockenes und heißes Klima könnte Covid-19 bremsen

Ob Coronaviren auf Handys oder Kleidung ansteckend bleiben, hängt davon ab, wie lange die Tröpfchen feucht bleiben, in denen die Viren unterwegs sind. Forscher haben jetzt die Geschwindigkeit der Verdunstung berechnet.

Auf einer Leine hängen sieben verschiedene Mundschutze.
Auf Baumwolle können sich Tröpfchen und damit auch Coronaviren lange halten. Deshalb sollte man Textilien häufiger waschen, empfehlen Forscher. Bildrechte: imago images / Steinach

Kann man sich über eine sogenannte Schmierinfektion mit Corona anstecken? Können die Viren also über Oberflächen wie Türgriffe oder Sitzpolster im Bus übertragen werden? Bislang gibt es nur wenige Hinweise, dass dieser Übertragungsweg wirklich eine Rolle spielt. Aber es gibt auch keine genauen Daten dazu. Deshalb haben Forscher um Rajneesh Bhardwaj vom Indian Institute of Technology Bombay nun genau untersucht, wie lange Viren auf bestimmten Materialien, etwa Handydisplays, ansteckend bleiben. Zentraler Faktor dabei ist, wie lange die kleinen Tröpfchen erhalten bleiben, mit denen Coronaviren ausgehustet oder geniest werden.

Hohe Luftfeuchtigkeit steigert Überlebenschance der Viren

Im Fachjournal Physics of Fluids, berichten die Forscher darüber, wie sich diese Tröpfchen unter den Umgebungsbedingungen von sechs Städten verhalten haben. Untersucht wurden dabei New York, Chicago, Los Angeles, Miami, Sydney und Singapur. Die Wissenschaftler betrachteten dabei Tröpfchengrößen von der Breite eines menschlichen Haares und untersuchten, wie sie sich auf Oberflächen wie Glas, Holz, Baumwollstoffe, Stahl und Handydisplays verhalten.

Wie schnell ein Tröpfchen verdunstet, hängt demnach ab von Durchschnittstemperatur, Art der Oberfläche und relativer Luftfeuchte. Höhere Durchschnittstemperaturen trocknen die Tröpfchen deutlich schneller aus. An Orten mit höherer Luftfeuchtigkeit hingegen konnten die Tröpfchen länger erhalten bleiben, die Infektionschancen der Viren steigen also. Generell waren die Trocknungszeiten unter den Bedingungen des Laborexperiments aber relativ kurz und variierten zwischen wenigen Sekunden und zwei bis drei Minuten.

Tröpfchen blieben länger auf Handydisplays erhalten

Die Forscher untersuchten auch, wie sich die Trocknungszeit unter verschiedenen äußeren Wetterbedingungen veränderte und ob es einen statistischen Zusammenhang zur tatsächlich beobachteten Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 gibt. Diese Vermutung stellte sich als belastbar heraus. Je wärmer und trockener eine Stadt ist, desto langsamer breitet sich das Virus aus. "Es mag nicht der einzige Faktor für die Ausbreitung sein, aber das Wetter hat einen Einfluss auf die Wachstumsrate der Infektion", sagt Rajneesh Bhardwaj.

Auch die Art der Oberfläche machte einen Unterschied: Auf Telefonbildschirmen, Baumwolle und Holz konnten sich die Tröpfchen deutlich länger halten, als auf einfachem Glas und Stahl. Die Forscher empfehlen daher, etwa Handys häufiger zu reinigen und Stoffe regelmäßig zu waschen.

(ens)