Covid-19 Stiko zur Kinderimpfung: Bis Herbst noch genug Zeit

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Impfung vorerst nur für Jugendliche mit Risikofaktoren. Die Ärzte hoffen, bald mehr Daten zur Sicherheit der Impfung bei dieser Gruppe zu bekommen.

Ein Jugendlicher wird geimpft
Jugendlicher in Israel bei der Corona-Impfung: In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission die Covid-Impfung bislang nur für Risikogruppen. Bildrechte: imago images/Xinhua

Was in den vergangenen Tagen bereits heftig debattiert wurde, ist nun offiziell: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung von 12- bis 17-Jährigen vorerst nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko haben, schwer an einer Covid-19 zu erkranken. Das 18-köpfige unabhängige Gremium von Hochschulmedizinern erstellt auf Basis wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse Empfehlungen, für wen welche Impfung sinnvoll ist und wer sich vorerst eher nicht impfen lassen sollte.

Nach Ansicht der Forscher liegen noch nicht genügend Daten zur Verträglichkeit des mRNA-Covid-Impfstoffs von Biontech/Pfizer vor, um die Impfung uneingeschränkt jedem Jugendlichen über 12 Jahren empfehlen zu können. Bei einer Pressekonferenz des Science-Media-Center erläuterten der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens und Kommissionsmitglied Fred Zepp die Gründe für diese Entscheidung und warum sich diese Empfehlung im Lauf des Sommers wieder ändern könnte.

Risiko durch Covid gering bei Jugendlichen

Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Mainzer Universitätsmedizin, kann aktuell die möglichen Risiken einer Impfung noch nicht richtig einschätzen. Die jugendlichen Probanden der Zulassungsstudie für die 12- bis 16-Jährigen seien derzeit nur etwa fünf Monate lang beobachtet worden. Ein kurzer Zeitraum auch angesichts potenzieller Nebenwirkungen wie die Entzündung von Herzmuskeln (Myokarditis) die aktuell bei einigen jungen Männern beobachtet wird.

Dass es keine Empfehlung für alle Jugendlichen gibt, hält Reinhard Berner, Leiter Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden nicht für ein Problem. "Es ist großartig, dass es jetzt dank der Zulassung einen Impfstoff für die Gruppe der 12- bis 16-Jährigen Risikopatienten gibt", sagt er. Seine Kollegen und er seien absolut einverstanden mit der Einschätzung der Stiko, auch, da die Risiken für junge Patienten bei einer Infektion relativ gering seien. Long Covid sei sehr selten bei Jugendlichen und beim schweren Entzündungsysndrom PIMS habe es in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jähirgen erst etwa 350 Fälle gegeben seit Beginn der Pandemie. Außerdem sei PIMS behandelbar.

"Man muss bedenken, im Alter von 12 bis 17 Jahren sind Kinder mitten in der Pubertät, da werden sehr viele hormonelle Prozesse im Körper umgestellt. Das ist eine sehr sensible Gruppe", sagt Berner. "Die Stiko war gut beraten, hier besonders sorgfältig zu sein." Wenn ein Kind einen angeborenen Herzfehler habe, könne eine Impfung sinnvoll sein. Aber wenn jugendliche komplett gesund seien, sei das anders.

Zepp verglich den aktuellen Stand mit der Grippeimpfung. "Auch dort gibt es für Kleinkinder zugelassene Impfstoffe, die wir aber nicht empfehlen, weil die positiven Effekte nicht groß genug sind", sagt Zepp.

Genug Zeit bis zum Schulbeginn im Herbst

Dass andere Länder bereits entschieden haben, ihre Jugendlichen durchzuimpfen, wollen die Forscher allerdings nicht kritisieren. "Das Infektionsgeschehen ist in anderen Ländern anders. Auch die Hygienemaßnahmen werden nicht überall gleich umgesetzt", sagt Zepp. In den Schulen in Deutschland etwa seien die Maßnahmen vorbildlich umgesetzt worden, "Deshalb sehen wir dort bis jetzt wenig Ausbrüche."

Dass sich im Augenblick immer weniger Menschen neu mit Corona anstecken, gebe Deutschland Zeit, die am stärksten gefährdeten Gruppen vollständig zu impfen. Und die jetzige Empfehlung der Stiko sei auch nicht in Stein gemeißelt. Zepp: "In ein bis zwei Monaten haben wir mehr Daten aus den USA und können sicherer sagen, wie gut die Impfung von Jugendlichen vertragen wird." Sollte die Impfung gut verträglich sein, bleibe noch genügend Zeit für die Impfungen bis zum Schulbeginn im Herbst.

(ens/smc)

3 Kommentare

MDR-Team vor 24 Wochen

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Natürlich kann man diese Erkenntnisse nicht eins zu eins auf Kinder und Jugendliche übertragen. Auch darum gibt es keine generelle Empfehlung für alle Jugendlichen. Eine Risiko-Nutzen-Abwegung wird empfohlen. Von "unkalkulierbaren Impfrisiken" spricht allerdings keiner der Experten.
https://www.swr.de/wissen/corona-impfung-langzeitfolgen-100.html

MDR-Team vor 24 Wochen

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Hallo Mark_Anton,
bei den Narkolepsie-Erkrankungen handeltes sich um eine sehr seltene Nebenwirkung unter allen Schweinegrippe-Geimpften. Wenn Sie von "zahlreichen Jugendlichen" sprechen, suggerieren sie etwas anderes. Mehr als 1.300 Narkolepsie-Erkrankungen sind bei gut 60 Millionen Impfungen laut der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) weltweit entdeckt worden. Mittlerweile ist klar: Nach der Pandemrix-Impfung zeigte etwa jeder 20.000ste Symptome einer Narkolepsie. in der Studie wurden damals aber nur 1.600 Probanden geimpft. Die Nebenwirkung so erst spät entdeckt.
Bei den Corona-Impfstoffen sieht das freilich anders aus. In den jeweiligen Studien, der in der EU bisher zugelassenen Covid-19 Impfstoffe, erhielten mehr als 20.000 Probanden den Impfstoff. Mittlerweile sind Millionen geimpft, sodass noch seltenere Nebenwirkungen wahrscheinlich längst aufgefallen wären – also auch Nebenwirkungen die nur bei einem von 100.000 auftreten oder noch seltener.

Mark_Anton vor 24 Wochen

Hätte ich noch "minderjährige Kinder", würde ich sie auch NICHT impfen lassen. Es gibt kaum "Langzeit-Studien", was "Verträglichkeit" und "etwaige Impf-Risiken oder -Schäden" anbelangt, ob es u.U.auch "krebserregend" sein kann, was sich bei Kindern, die sich noch "im Wachstum befinden", fatale Folgen nach sich ziehen könnte... Hatte bei der PANDEMRIX-"Schweinegrippen-Impfung" seinerzeit auch keiner gedacht, daß zahlreiche Jugendliche als "Impf-Folgeschaden" danach unheilbar an "Narkolepsie" erkranken würden. Was DAS für die Arbeitsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit für den "noch langen Rest des Lebens" bedeutet, kann sich ja "jeder selbst ausmalen". Hier muss man als Eltern, zusammen mit dem Kinderarzt, wirklich "sehr genau abwägen", ob man seinen Kids diese unkalkulierbaren "Impf-Risiken" wirklich "zumuten will"... Man sollte vielmehr auf das "Immun-System" der Kinder vertrauen, welches mit dem Corona-Virus i.d.R. wohl auch "gut allein fertig wird"...