Covid-19 Überlebende Corona-Intensivpatienten: Bleibende Langzeitschäden und Sterberisiko

Wer eine Covid-19 im Krankenhaus auf der Intensivstation überlebt, ist noch lang nicht geheilt, wenn er entlassen wird. Zwei Studien aus den Niederlanden und Großbritannien zeigen bleibende Schäden und Risiken.

Eine Pflegerin versorgt eine im Koma liegende Frau im Patientenzimmer einer Coronastation.
Wer eine Covid-19 auf einer Intensivstation überlebt, hat auch danach oft noch große gesundheitliche Probleme. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Reichwein

Das Bild, das eine kleine Studie aus den Niederlanden im Fachjournal JAMA zeichnet, ist düster. Intensivmediziner Hidde Heesakkers und seine Kollegen hatten 302 Covid-19-Patienten befragt, die während der ersten Coronawelle im Frühjahr 2020 in einer von elf Kliniken in den Niederlanden auf einer Intensivstation behandelt wurden. 246 davon (72 Prozent Männer, Durchschnittsalter 61 Jahre) hatten bis zu einem Jahr danach an allen Folgebefragungen teilgenommen.

Nahezu drei Viertel (74,3 Prozent) erlebten auch ein Jahr nach ihrer Entlassung noch physische Einschränkungen, darunter vor allem eine generell geschwächte Ausdauer (39 Prozent), steife Gelenke (26 Prozent), Gelenkschmerzen (25 Prozent), schwache Muskeln (25 Prozent) und Muskelschmerzen (21 Prozent).

Folgen eines Corona-Krankenhausaufenthalts: Psychische und kognitive Probleme

26,2 Prozent der befragten klagten über psychische Probleme wie Angstzustände, Depressionen, oder eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSB). 16,2 Prozent erlebten ernsthafte kognitive Einschränkungen, wie Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme. Zumindest in Bezug auf die psychischen Probleme hätten sich die Werte nach einem Jahr gegenüber den Befragungen vier Monate nach der Entlassung verbessert, schreiben die Autoren. Im Gegensatz dazu seien die körperlichen Probleme im Vergleich mit dem Zustand sechs Monate nach der Entlassung nahezu gleichgeblieben.

Auch eine zweite Studie aus dem Vereinigten Königreich (UK) zeigt, wie groß die gesundheitlichen Risiken sind, selbst wenn jemand eine Covid-19 mit einer Behandlung im Krankenhaus übersteht. Krishnan Bhaskaran und Team von der London School of Hygiene an Tropical Medicine haben Datenbanken ausgewertet. So verglichen sie die gesundheitlichen Risiken von rund 25.000 Patienten (24.673), die 2020 mit Covid-19 in britischen Kliniken behandelt wurden mit denen von über 120.000 (123.362) demografisch repräsentativ ausgewählten Vergleichspersonen von 2019, also vor der Pandemie.

Covid-19-Überlebende erkranken häufiger an Demenz

Im Journal PLOS Medicine berichten die Autoren, die aus dem Krankenhaus entlassenen Covid-19-Patienten hätten gegenüber der Vergleichsgruppe ein doppelt so hohes Risiko gehabt, in den Folgemonaten erneut in einem Krankenhaus behandelt werden zu müssen oder zu sterben. In einem zweiten Schritt verglichen die Forschenden diese Werte mit denen von rund 16.000 Patienten, die in den Jahren vor der Pandemie mit Influenza (Grippe) in einer Klinik behandelt wurden. Hier schnitten die Covid-19-Patienten leicht besser ab, sie hatten eine etwas geringeres kombiniertes Risiko von Krankenhauseinlieferung und Tod.

Doch das Risiko, wegen der schon durchgemachten Infektion erneut eingeliefert zu werden und zu sterben, war bei den Covid-19-Patienten größer. Ebenso das Risiko, an Demenz zu erkranken. Krishnan Bhaskaran zieht aus der Analyse seines Teams einen klaren Schluss: "Unsere Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, sich impfen zu lassen. Das ist das beste Mittel, das wir haben, um schwere Verläufe von vornherein zu verhindern."

(ens)

9 Kommentare

MDR-Team vor 16 Wochen

Hallo Herr Meier,
zum einen ist die aktuelle Situation in Sachsen nicht sinnbildlich für ganz Deutschland, zum anderen ist dies die persönliche Meinung von Herrn Albrecht, die keinen wissenschaftlichen Konsens darstellt, sondern Teil eines breiten Meinungsspektrums ist. Des Weiteren trifft er keine Aussagen zu einer möglichen Impfpflicht, sondern spricht über die aktuelle Situation und gibt einen Ausblick auf den Frühling und Sommer. Unter den Experten herrscht allerdings weitgehend Einigkeit darüber, dass eine mögliche Impfpflicht für die aktuelle Welle zu spät kommt und es eher darum geht, gravierende negative Folgen möglicher künftiger Pandemiewellen abzuschwächen oder zu verhindern. Dazu sagte Herr Albrecht: "Was danach passiert, kann keiner vorhersehen. Ich denke, wir sollten uns langsam Gedanken machen, wie wir mit dieser Dauersituation mal nicht katastrophenmäßig umgehen, sondern unser System darauf einstellen."
Und dazu gehört eine sachliche Diskussion über eine Impfpflicht.

ralf meier vor 16 Wochen

Da lese ich im MDR Artikel: 'OMIKRON
Uniklinik-Chef sieht Sachsen bei Corona so gut wie über den Berg:

'Die Situation in den Krankenhäusern habe sich entspannt, "ich sehe auch keine Welle auf uns zurollen", Omikron sei auf der Intensivstation die
"absolute Rarität". '
oder auch Artikel 'Inzidenz in Sachsen steigt weiter - Krankenhausbetten leeren sich.

und trotzdem gibt es immer noch Menschen, die eine Impfpflicht fordern ?

wer auch immer vor 16 Wochen

Es ist schon tragisch wenn Langzeitschäden entstanden sind, der Mensch nicht wieder seine alte Lebensqualität zurück erlangt.
Nur belasten die Folgekosten die Solidargemeinschaft, das heißt, ohne Erhöhung der Kassenbeiträge wird das bestimmt nicht möglich sein.
Und der "Faden" zieht sich durch das ganze Leben, bis zum Ende.

Dann lieber geimpft !!!