Covid-19 Neue Corona-Studien aus Großbritannien: Mildere Verläufe bei Omikron

Aktuelle Studien von Forschenden aus Großbritannien legen nahe, dass Omikron-Corona-Verläufe milder ausfallen könnten. Die Laborergebnisse sind aber mit Vorsicht zu genießen. Doch es gibt auch Daten aus der Praxis.

London Bridge mit nur einer Peson im Vordergrund. Große Häuser mit alter, heller, gepflegter Fassade hinter Brücke. Im Anschnitt modernes Hochhaus.
Nichts los auf der London Bridge: In Großbritannien ist Omikron bereits die vorherrschende Variante. London hatte am Wochenende den Katastrophenfall ausgerufen. Bildrechte: imago images/VXPictures.com

Dass die Omikron-Variante des Coronavirus ein gewisses Talent in Sachen Immunflucht hat, sehr ansteckend ist und deshalb auch bald hierzulande die noch dominierende Delta-Variante ablösen kann, daran bestehen keine Zweifel. Unklar allerdings ist, wie gefährlich Omikron nicht nur in der breiten Masse, sondern für jede*n Einzelne*n ist. Sprich, wie schwer die Krankheitsverläufe so im Schnitt sind. Forschende aus Großbritannien legen in einer Vorabveröffentlichung jetzt Laborergebnisse vor, die zunächst einmal ganz gut klingen.

Grundlage sind Experimente mit Pseudoviren: Ungefährliche Laborviren, die ein Omikron-Spike-Protein auf der Oberfläche tragen, um als Omikron-Coronavirus identifiziert zu werden. Die Forschenden konnten so Vergleiche anstellen, wie einfach Omikron im Vergleich zu Delta oder der Ur-Variante (Wildtyp) Zellen infizieren kann. Im Ergebniss konnten die Omikron-Pseudoviren Lungenzellen schlechter infizieren und auch Zell-Zell-Fusionen schlechter anregen. Die werden mit schweren Krankheitsverläufen in Verbindung gebracht.

Keine Antwort auf die Frage, was das Virus in der Zelle anstellt

Klingt erstmal gut, ist aber mit Vorsicht zu genießen: Die Virologin Sandra Ciesek weist etwa darauf hin, dass man mit so einem Experiment zwar sehen könne, wie gut Omikron in die Zellen gelangt, nicht aber, was es dort anrichtet. Diesbezüglich gilt abzuwarten, was Patient*innendaten zeigen. Zu dieser Einschätzung kommt auch die Schweizer Virologin Isabella Eckerle. Sie erklärt mit Blick auf die Veröffentlichung, dass die Infektionen im Menschen wesentlich komplexer seien. "Ebenso ist bislang noch nicht verstanden, welchen Einfluss auf die Virus-Wirts-Interaktion die vielen neu beobachteten Mutationen bei Omikron spielen", so Eckerle gegenüber dem Science Media Center.

Mit Blick auf niedrige Hospitalisierungsraten in Südafrika würden milde Omikronverläufe gut ins Bild passen. Aber: "Man muss auch bedenken, dass Südafrika eine junge Population hat, in den vorherigen Wellen bereits eine starke Übersterblichkeit entstand und die berichteten Fälle vor allem junge Menschen mit Impfdurchbrüchen waren", erklärt Eckerle weiter. "Auch zirkulierte in Südafrika vermehrt die Beta-Variante, so dass wahrscheinlich ein anderer immunologischer Hintergrund herrscht als bei uns."

Boosterimpfungen jetzt sehr wichtig

Der Magdeburger Virologe Björn Meyer verweist in der ersten Analyse der Preprint- Studie, die noch nicht von anderen Forschern begutachtetet wurde, auf die Notwendigkeit von Boosterimpfungen. Das würden die vorliegenden Daten zur Neutralisierung der Viren zeigen. Die sei zwar nach zwei Impfdosen verringert, was aber teilweise durch eine dritte Impfung wettgemacht werden könne: "Das zeigt, dass die Boosterimpfung momentan sehr wichtig sein wird. Dies passt auch zu anderen Studien, die sich neutralisierende Antikörper angesehen haben."

Schottische Zahlen: Zwei Drittel weniger Krankenhauseinweisungen

Eine weitere, ebenfalls bisher nur als Preprint erschienene Untersuchung aus Schottland deutet auch auf mildere Verläufe bei einer Infektion mit der Omikron-Variante von Sars-CoV-2 hin. Die Forschenden u.a. der Universität von Edinburgh werteten dafür Daten der schottischen Pandemie-Überwachungsplattform EAVE II aus (das steht für Early Pandemic Evaluation and Enhanced Surveillance of COVID19). Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, "dass Omikron im Vergleich zu Delta mit einer um zwei Drittel geringeren Gefahr einer Covid-19-Krankenhauseinweisung verbunden ist". Weiter heißt es in der Veröffentlichung: "Wir zeigen auch, dass die dritte Dosis/Auffrischungsdosis innerhalb von zwei Wochen nach dieser zusätzlichen Dosis mit einem erheblichen zusätzlichen Schutz verbunden ist, verglichen mit zwei Impfstoffdosen, die vor 25 oder mehr Wochen erhalten wurden. Dieser Schutz ist für Delta am größten, für Omikron jedoch immer noch erheblich."

Allerdings kann auch diese Studie viele Fragen noch nicht beantworten, wie die Forschenden selbst feststellen. Das Hauptproblem: Die untersuchte Gruppe war sehr klein und vor allem gab es keine Fälle von Krankenhauseinweisungen mit Omikron bei Menschen über 65 Jahre.

flo/gp

Link zu den Preprints

Die Vorab-Veröffentlichung SARS-CoV-2 Omicron spike mediated immune escape, infectivity and cell-cell fusion erschien am 21. Dezember auf bioRxiv.

Die Veröffentlichung hat noch kein Peer-Review-Verfahren abgeschlossen.

DOI: 10.1101/2021.12.17.473248

Das Preprint der University of Edinburgh Severity of Omicron variant of concern and vaccine effectiveness against symptomatic disease: national cohort with nested test negative design study in Scotland ist am 22. Dezember auf der Seite der Universität veröffentlicht worden.

14 Kommentare

AlexLeipzig vor 21 Wochen

Na O.B., wieder am Zweifel säen? Ein Unfallchirurg hat genau was mit Hirn- und Herzerkrankungen zu tun? Haben Sie zuviel Sachsenklinik gesehen? Eine zeitliche Übereinstimmung gibt es auch, wenn ich mich abends halb neun übergebe und Florian Silbereisen im TV lief, obwohl mein TV ausgeschaltet war...

DermbacherIn vor 21 Wochen

Wir hatten jetzt schon mehrfach einen "derzeitigen Anstieg der Coronazahlen". So sehen auch die Lösungsansätze aus, kurzfristig bis zum nächsten Frühjahr gedacht. Und niemand macht sich ehrlich, wir werden das Coronavirus nicht mehr verschwinden lassen können. Wir werden lernen müssen, mit ihm zu leben. Das erfordert eine langfristige Strategie, wozu auch gehört, dass sämtliche Infrastrukturen der grundlegenden Daseinsvorsorge den Profitinteressen weniger entzogen werden müssen.

MDR-Team vor 21 Wochen

@O.B.
Es geht wie oben erwähnt weniger um das "Spaß machen" als um eine diskriminierungsfreie Sprache. Diese wird dadurch auch nicht "versaut", sondern weiterentwickelt.
LG, das MDR-Wissen-Team