Corona-Forschung Marburg: Krebsmedikament gegen Covid-19 wirksam

Ruxolitinib - so heißt das Medikament, mit dem ein Marburger Krebsforschungsteam eine Covid-19-Patientin mit akutem Lungenversagen geheilt hat. Das Mittel wird ursprünglich in der Krebsbehandung eingesetzt.

Ruxolitinib
Ruxolitinib - chemische Darstellung des Mittels Bildrechte: imago/Science Photo Library

In Marburg ist eine schwer an Covid-19 erkrankte Frau geheilt worden und zwar mit einem Mittel aus der Krebsbehandlung. Die 59-jährige Patientin war mit hohem Fieber und fortschreitender Atemnot eingeliefert worden. Drei Stunden später hatte sich ihr Gesundheitszustand so extrem verschlechtert, dass sie intubiert werden musste. Ein molekularbiologischer Test bestätigte den Verdacht auf Covid-19, die Gesamtprognose für die Patientin sah dem Medizinteam zufolge extrem schlecht aus. Krebsspezialist Dr. Andreas Gebauer brachte das Medikament aus seinem Fachgebiet in Spiel:

Dr. Andreas Neubauer
Dr. Andreas Neubauer Bildrechte: Torsten Fricke, Carrerasstiftung

Aus chinesischen Publikationen wussten wir, dass die Patienten mit einem schweren und sogar tödlichen Verlauf durch einen sogenannten Zytokinsturm charakterisiert sind. Dabei handelt es sich um eine Überschwemmung des Körpers mit Substanzen, die das Immunsystem stimulieren.

Dr. Andreas Neubauer

Wie greift das Medikament in den Krankheitszustand ein?

Diese Überreaktion, die Gewebe schädigt, macht es Viren leicht, sich zu verbreiten. Das Krebsbehandungsmittel Ruxolitinib ist seit 2012 auf dem Markt, es wird eigentlich bei Myelofibriose eingesetzt, einer chronischen Erkrankung des Knochenmarks. Es hemmt im Körper Enzyme, die an überschießenden Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Tatsächlich verbesserte sich der Zustand dieser Patientin, und auch der von anderen Betroffenen, teilte die Klinik mit. Ab dem zehnten Tag in der Klinik wurde die Patientin schrittweise vom Beatmungsgerät entwöhnt, die Virusvermehrung war während der Verabreichung des Krebsmedikaments herabgesetzt.

Riskanter Einsatz, der sich gelohnt hat

Rückblickend sagt Professor Dr. Hinnerk Wulf, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie: "Wir standen vor einer schweren Entscheidung, denn ob die Theorie auch in der Praxis funktioniert, war ungewiss; mit der versuchsweisen Behandlung war eben auch ein Risiko verbunden."

Es ist das zweite entzündungshemmende Medikament, mit dem Erfolge zur Heilung von Covid-19 erzielt wurden. Erst Tags zuvor hatte ein britisches Forschungsteam öffentlich gemacht, dass die Sterberate bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten um Drittel sank, wenn sie mit Dexamethason behandelt wurden.

Der medizinische Hintergrund über die Nutzung von Ruxolitinib wurde im Fachmagazin "nature" veröffentlicht. Sie können ihn hier nachlesen.

(lfw)

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