Joggerinnen im Sonnenuntergang
Bildrechte: imago/Westend61

Medizin Diabetes: Warum Sport für manche Patienten sogar schädlich ist

Sport ist gesund, klar. Er hilft auch gegen Krankheiten, zum Beispiel gegen Diabetes. In manchen Fällen aber ist Sport sogar schädlich. In seltenen Fällen fördert er dann die Entwicklung der Zuckerkrankheit, in weniger schlimmen Fällen zeigt der Sport einfach gar keine Wirkung. Warum das so ist, haben Hongkonger Wissenschaftler herausgefunden - mit Unterstützung aus Jena.

von Karolin Dörner

Joggerinnen im Sonnenuntergang
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Moment Moment. Bevor Sie jetzt die Jogging-Schuhe an den Nagel hängen: Es ist natürlich ziemlich selten, dass Sport Schaden anrichtet. Deutlich häufiger passiert es, dass Sport einfach keine Wirkung zeigt.

Porträt eines Mannes
Gianni Panagiotou vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena. Bildrechte: Leibniz-HKI

Bei Prädiabetikern ist das der Fall. Das sind Menschen, die kurz vor der Diabetes stehen. Ihnen empfiehlt der Arzt in der Regel mehr Sport zu treiben. Bei ca. 50 bis 70 Prozent der Menschen hilft das auch.

Bei den anderen aber passiert nichts. Der Grund dafür: Die Mikroorganismen im Darm, auch Darmmikrobiom genannt. Das hat unter anderem Gianni Panagiotou herausgefunden. Der Systembiologe vom Leibniz-Institut in Jena beschreibt, was bei denjenigen passiert, die auf Sport nicht anspringen:

Bei diesen Menschen setzt sich das Mikrobiom anders zusammen und funktioniert daher auch anders. Bei manchen bringt dann der Sport das Mikrobiom in eine völlig falsche Richtung und das wirkt dem positiven Nutzen von Sport entgegen.

Gianni Panagiotou, HKI Jena

Überprüfung des eigenen Mikrobioms wichtig

In diesen Fällen produzieren die Darmbakterien metabolisch schädliche Verbindungen und nicht wie bei den anderen nützliche Fettsäuren. Die pauschale Ansage also 'Mache Sport, das wird schon helfen', ist nicht richtig. Die Studie zeigt einmal mehr: Jeder Mensch muss individuell betrachtet werden. Dafür plädiert auch Gianni Panagiotou:

Man sollte erstmal das eigene Mikrobiom überprüfen lassen, bevor man irgendeine Therapie startet. Das geht in Richtung personifizierte Medizin.

Gianni Panagiotou

Sport hilft trotzdem gegen Fettleibigkeit

Beim Arzt kann man sich sein Mikrobiom schon heute analysieren lassen. Gianni Panagiotou empfiehlt es sogar als Weihnachtsgeschenk. Das Schöne: Auch den Prädiabetikern, bei denen Sport bisher nichts gebracht hat, kann dann geholfen werden.

Im Display einer Körperwaage steht "Bitte abnehmen"
Sport hilft gegen Fettleibigkeit. Bildrechte: IMAGO

Es ist nämlich möglich, die Darmbakterien in die richtige Richtung zu lenken, durch Zugabe von Bakterien, Stoffwechselprodukten oder indem man seine Ernährung umstellt. Auf diese Therapie müssen wir noch ein paar Jahre warten.

Wenn es dann soweit ist, müssen Sie wieder ihre Joggingschuhe hervorkramen, denn wenn das Mikrobiom wieder richtig eingestellt ist, muss natürlich trotzdem gesportelt werden.

PS: Positiv auf Fettleibigkeit wirkt sich der Sport trotzdem noch aus.

Link zur Studie

Die Studie unter dem Titel "Gut Microbiome Fermentation Determines the Efficacy of Exercise for Diabetes Prevention" ist im Fachblatt Cell Metabolism erschienen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 02. Dezember 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2019, 09:23 Uhr

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