Mobile Energiewende So überlastet die Elektromobilität die Stromnetze nicht

E-Autos sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer CO2-neutralen Welt. Doch ihr Ladebedarf könnte die bestehenden Stromnetze überlasten. Neue Forschungsprojekte zeigen mögliche Lösungen für das Problem auf.

Ein Elektroauto wird mit einem E-Zapfhahn.
In Zukunft werden deutlich mehr E-Autos an solchen Stationen aufgeladen. Bildrechte: IMAGO/Hanno Bode

An der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) wird beispielsweise im Projekt "NiEMob" unter anderem untersucht, ab welchem Ladeverbrauch die Stromnetze überlastet werden könnten. Laut ersten Ergebnissen würden erste kritische Netzzustände auftreten, sobald 30 Prozent der Haushalte eine sogenannte Wallbox (Wandladestation für E-Autos) mit elf Kilowatt haben.

Kritische Stunden vor allem am frühen Abend

Das Projekt, mit vollem Namen "Netzdienliches integrales Elektromobilitäts – Energiemanagementsystem für dezentrale Energieversorgungssysteme" wurde zusammen mit dem Energie-Dienstleister Consolinno realisiert. Dafür wurden in 150 Gebäuden mit 400 Wohnungen die Verbrauchsdaten erfasst und digitalisiert

"Kritische Stunden treten am frühen Abend auf, wenn viele Fahrzeuge nach Benutzung am heimischen Ladepunkt angesteckt werden", sagte Markus Henneke von der OTH dem Portal heise.de. Als Lösung solle nun die Digitalisierung des Stromnetzes mit einer intelligenten Steuerung von Verbrauchern vor Ort kombiniert werden.

Jens Otto in seiner KfZ-Werkstatt in Arnstadt, Mediathek Reportage 60 min
Jens Otto in seiner KfZ-Werkstatt in Arnstadt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

130 Millionen E-Autos im Jahr 2035

Eine weitere Untersuchung zum Thema "Belastung der Stromnetze durch die wachsende Elektromobilität" hatte der Verband der europäischen Elektrizitätswirtschaft zusammen mit dem Beratungsunternehmen EY durchgeführt. Demnach werden im Jahr 2035 rund 130 Millionen E-Autos auf den europäischen Straßen unterwegs sein – gegenüber ca. 3,3 Millionen derzeit. Dafür müssten 65 Millionen Ladepunkte installiert werden, 85 Prozent davon in Wohngebäuden und vier Prozent entlang der Autobahnen.

Laut der Studie dürfte das aktuelle Stromnetz aber in der Lage sein, diesen Bedarf zu bedienen und zu verteilen. Allerdings müsste dafür der Aufbau der Ladeinfrastruktur verbessert werden – etwa, indem Genehmigungsverfahren beschleunigt und Finanzierungsmöglichkeiten verbessert werden.

cdi

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