Sonne, Mond und Sommer Warum die Sommersonnenwende jedes Jahr besonders ist

Die Sommersonnenwende fällt in diesem Jahr auf den 21. Juni um 05:32 mitteleuropäischer Sommerzeit. Das ist nicht immer so und auch sonst birgt das Ereignis Geheimnisse, die sich erst auf den zweiten Blick offenbaren.

Sonne im Sonnenobservatorium Goseck, künstlerische Darstellung 1 min
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Beim längsten Tag des Jahres denken wir an den 21. Juni. Es kann jedoch auch der 20. oder 22. Juni sein. Im Jahr 2020 zum Beispiel fand die Sommersonnenwende bei uns am 20. Juni um 23.43 Uhr MESZ statt. Zuletzt war das 1796 so, das nächste Mal fällt der längste Tag des Jahres schon 2024 wieder auf den 20. Juni. Das besondere Ereignis kann aber auch auf einen 22. Juni fallen, so zum Beispiel 1986.

Datumsschwankungen und genauer Zeitpunkt bestimmten den Tag der Sommersonnenwende

Der Zeitpunkt der Sommersonnenwende ist der Moment, in dem die Sonne den nördlichsten Punkt am Himmel ihrer scheinbaren Bahn erreicht. Das geschieht nicht nur an einem bestimmten Tag, sondern zu einer Uhrzeit, die variieren kann. Ist das zum Beispiel kurz vor Mitternacht, ist der 20. Juni der längste Tag des Jahres. In diesem Jahr aber hat der 21. Juni die längste Sonnenscheindauer. Beispiel Gera: Hier vergehen laut timeanddate am 20. Juni 2021 von Aufgang bis Untergang 16 Stunden 31 Minuten und 26 Sekunden. Das ist immerhin eine ganze Sekunde mehr als am 20. Juni.

Touristen bei der Skulptur Sólfar vom Künstler Jón Gunnar Árnason  in der Mitternachtssonne an der Küstenstrasse Sæbraut in Reykjavik
Die Mitternachtssonne zur Sommersonnenwende an der Küstenstraße Sæbraut in Reykjavik. Bildrechte: IMAGO / Seeliger

Der Sonne zugewandt, aber weiter weg als im Winter

Obwohl wir zur Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel der Sonne zugewandt sind, sind wir doch weiter von ihr entfernt als im Winter. Denn unser Planet bewegt sich nicht kreisrund durch das Sonnensystem, sondern auf einer elliptischen Bahn. Deshalb schwankt der Abstand zwischen Sonne und Erde im Jahresverlauf: Anfang Juli sind es 152,1 Millionen Kilometer, Anfang Januar 147,1 Millionen Kilometer. Auch hier kann das genaue Datum variieren.

Am Polarkreis bleibt es hell

Am Tag der Sonnenwende bleibt es innerhalb des gesamten nördlichen Polarkreises auch in der Nacht hell, weil die Sonne nicht untergeht. Auch etwas weiter südlich kann man die Mitternachtssonne erleben, denn die Erdatmosphäre lenkt die Sonnenstrahlen so, dass man sie noch sehen kann, auch wenn die Sonne bereits hinter dem Horizont verschwunden ist. Je nach Luftdruck und Temperatur kann dieser Effekt so stark sein, dass das Phänomen sogar bis zu 100 Kilometer jenseits des Polarkreises sichtbar ist.

Werden die Tage ab Mittsommer gleichmäßig kürzer?

Nein: Die Tage werden am Anfang langsam kürzer, dann schneller, dann wieder langsamer. Am längsten hell ist es zur Sommersonnenwende – also am 21. Juni. Da vergehen von Sonnenaufgang bis Untergang im Schnitt in Deutschland 16 Stunden und 12 Minuten – im Norden mehr, im Süden weniger. Das andere Extrem ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember,  da dauert der druchschnittliche deutsche Tag 8 Stunden und 13 Minuten. Die Tageslängen ändern sich um die Sonnenwenden herum nur langsam, nämlich pro Tag jeweils um etwa eine Minute. Dagegen kommt in der Zeit um den Herbstanfang herum, also Ende September, die Dunkelheit in schnellen Schritten. Dann werden die Nächte – Nacht für Nacht – knapp 4 Minuten länger. Das Tempo verändert sich also in Phasen.

Sommersonennwende am Nordkapp
Beliebtes Touristenziel: Sommersonennwende am Nordkapp Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

Kreisbewegung der Erde um die Sonne als Ursache

Durch die elliptische Bewegung der Erde um die Sonne und die Rotation um die geneigte Erdachse werden je nach Position entweder die Nord oder die Südhalbkugel stärker angestrahlt. Das ist das, was wir als Bewegung der Sonne über den Himmel wahrnehmen. Weil sich die Erde nicht kreisrund um die Sonne bewegt, sondern elliptisch, geschieht dies nicht mit gleichmäßiger Geschwindigkeit. Die geneigte Erdachse verstärkt diesen Effekt.

UN erklärt 21. Juni zum Internationalen Feiertag der Sonnenwende

Nicht nur die Sonnenwenden, sondern auch die Tag- und Nachtgleichen im Frühjahr und im Herbst verbinden die Menschen auf der ganzen Welt. Diese Tage im Jahreskreis sind einerseits wichtige Eckpunkte für die Landwirtschaft und damit für die Lebensgrundlage. Sie sind aber auch Teil des kulturellen Erbes geworden und mit tausendjährigen Traditionen verbunden. All das stärkt nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Bindungen zwischen den Völkern "auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und der Ideale des Friedens und der guten Nachbarschaft". Deshalb hat die UN den 21. Juni zum Internationalen Feiertag der Sonnenwende erklärt.

6 Kommentare

MDR-Team vor 13 Wochen

@roca remeed,
die Veröffentlichung von Kommentaren hat nichts mit Mut zu tun, sondern ausschließlich mit unserer Netiquette. Wenn Sie diese nicht verstehen, scheuen Sie sich nicht zu fragen.

roca remeed vor 13 Wochen

Dem verehrten MDR-Team zur gefl. Beachtung: es liegt in der Natur eines Dialogs, also der Methode von Rede und Gegenrede, dass sich eine Antwort eben auf die Vorrede bezieht. Ihr Einwand würde sich ggf. also an die Adresse des Vorredners richten müssen. Ansonsten habe ich immer wieder Mühe, Ihre Positionierungen im Rahmen redaktioneller Bearbeitung oder Kommentar-Richtlinien zu verstehen. Ihre Aufzählung von "Zeichen" weist übrigens auf moralische Qualitäten hin, also durchweg politische Angelegenheiten. In diesem Fall fehlen dann allerdings die Kategorien Abgrenzung und Ausgrenzung. Apropos: Über die Sonnenwende und die damit verbundenen alten Rituale spreche ich natürlich viel lieber, als über Instrumentalisierungen des Sports und selektive Ausdeutungen des Politischen. Danke im Voraus für Ihren Mut, meine Antwort zu respektieren und zu veröffentlichen.

MDR-Team vor 13 Wochen

@roca remeed,
eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde könnte durchaus auch mehr sein als ein politisches Bekenntnis. Zum Beispiel ein Zeichen für Liebe, Menschlichkeit, Freiheit, Gleichberechtigung und Solidarität.

Davon ganz abgesehen, hat das nichts mit dem Thema des Artikels zu tun. Und wir würden uns freuen, wenn wir dahin zurückkehren.