Neue Details dank Hubble Klein und extrem schnell: interstellarer Komet Borisov

Neue Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops zeigen: Der interstellare Komet 2I/Borisov ist viel kleiner, als bislang angenommen. Das könnte ein wichtiger Hinweis für die Entdeckung weiterer Felsen aus dem Tiefraum sein.

Eine Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops, die den Kometen 2i/Borisov vor dem Hintergrund einer weit entfernten Spiralgalaxie zeigt.
Eine Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops, die den Kometen 2i/Borisov vor dem Hintergrund einer weit entfernten Spiralgalaxie zeigt. Bildrechte: NASA, ESA, and D. Jewitt (UCLA)

Das Sonnensystem hat gerade Besuch von einem Außerirdischen: Der Komet 2I/Borisov reist mit extremer Geschwindigkeit durch unseren kosmischen Vorgarten. Bis zu 175.000 Kilometer pro Stunde legt der Himmelskörper zurück. Das Hubble-Weltraumteleskop hat jetzt neue Details über den Gesteinsbrocken aus dem Tiefraum geliefert. Wichtigste Erkenntnis: Der Komet ist viel kleiner als bislang angenommen.

Geringe Größe von 2I/Borisov liefert entscheidende Hinweise für die Suche nach weiteren interstellaren Objekten

Einen Hinweis lieferte ein Foto von 2I/Borisvo, das Hubble vor dem Hintergrund einer entfernten Spiralgalaxie (2MASX J10500165-0152029) aufnahm. Anhand dieses Bildes schätzen die Wissenschaftler den Radius des Kometen auf etwa 500 Meter. Das entspreche nur einem Fünfzehntel bisheriger Schätzungen, sagte David Jewitt von der Universität Los Angeles. Er hat zusammen mit Universität Hawaii, dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen und der John Hopkins Universität Baltimore die neuen Daten veröffentlicht.

Laut Jewitt gebe diese Größenordnung entscheidende Hinweise für die Suche nach weiteren interstellaren Besuchern unseres Sonnensystems. "Es hilft uns, die mögliche Anzahl und Masse ähnlicher Objekte in der Milchstraße zu bestimmen", so der Wissenschaftler.

Illustration der Flugbahn von 2I/Borisow
Bildrechte: NASA, ESA, and J. Olmsted and F. Summers (STScI)

2I/Borisov hat seinen sonnennächsten Punkt ohne Verluste passiert

Die aktuellen Aufnahmen von 2I/Borisov haben die Astronomen mit dem Weltraumteleskops einerseits am 16. November gemacht. Das war kurz bevor der Komet seinen nächsten Punkt zur Sonne erreichte. Damals nahmen einige Wissenschaftler an, dass er dabei durch die Wärme des Sterns auseinander brechen könnte. Wie neue Aufnahmen vom 9. Dezember aber zeigen, hat der Komet die Begegnung offenbar unbeschadet überstanden.

Auf den Fotos erscheint 2I/Borisov blau, da die Wissenschaftler die Aufnahmen entsprechend eingefärbt haben. So wollen sie Kern und Staubschweif besser sichtbar machen. In Wirklichkeit erscheint der Komet wahrscheinlich in rötlichen Farben.

Astronomen erwarten bald die Entdeckung weiterer interstellarer Besucher

Erst vor zwei Jahren war mit Oumuamua zum ersten Mal ein Asteroid entdeckt worden, der aus dem Tiefraum kam. Er flog in einem weiten Bogen um die Sonne und verließ uns dann wieder Richtung Weltall. Damals bemerkten Astronomen den Besucher erst, als der schon bei der Abreise war. Diesmal hatten die Wissenschaftler mehr Glück: Der ukrainische Hobbyastronom beobachtete 2I/Borisov bereits bei seiner Ankunft.

Erkannt wurde die Besonderheit der Kometen an seinem Tempo und an seiner Flugbahn. Chemische Analysen zeigen allerdings, dass er nicht anders zusammengesetzt ist als heimische Kometen. Unter anderem besteht er aus Staub und Wassereis, die unter Einwirkung der Hitze eines nahen Sterns verdampfen und dadurch den für Kometen charakteristischen Schweif ausbilden. Ende Dezember erreicht 2I/Borisov seinen engsten Punkt zur Erde. Er ist dann etwa 290 Millionen Kilometer von uns entfernt.

Beobachten kann man ihn aber nur von der Südhalbkugel und auch nur mit Profiteleskopen. Forscher gehen davon aus, dass es noch viel mehr solcher Objekte gibt, die aber nur wenig Licht reflektieren und daher bislang übersehen wurden.

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