Interaktive Karte Thüringens Norden ist gut für Windkraftanlagen geeignet

Ein wissenschaftlicher Atlas zeigt, welche Flächen in Deutschland für konfliktfreie Windenergie in Frage kommen. Der Norden Thüringens ist demnach sehr gut für Windkraftanlagen geeignet.

Vorschaubild Flächenpotenziale für Windkraft in Thüringen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Forschungsgruppe des Instituts für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover (LUH) hat sich fünf Jahre lang mit der Frage beschäftigt, auf welchen Flächen in ganz Deutschland es mit möglichst wenig Konflikten verbunden wäre, wenn man dort große Windkraftanlagen aufbaut.

Die Wissenschaftlerinnen nennen diese Gebiete "Flächen mit geringem Raumwiderstand" und "Flächen mit mittlerem Raumwiderstand".

Stärke der Störungen von Natur und Mensch ergibt Raumwiderstand

Die drei wichtigsten Punkte dabei: Möglichst keine Störung für Natur und Biodiversität (Naturschutzgebiete, Nationalparks etc. scheiden als Standort aus) , möglichst keine akustische Störung für Menschen (gesetzlich vorgeschriebene Abstände von Siedlungen) und möglichst keine optische Störung für Menschen (z.B. in wichtigen Naherholungsgebieten). All diese Störungsarten fassen die Erstellerinnen der Daten unter dem Begriff "Raumwiderstand" zusammen.

Außerdem ist wichtig zu erwähnen, dass die Berechnungen anhand eines bestimmten Windkraftanlagentyps gemacht wurden.

Da es sich um eine hohe und vergleichsweise laute Anlage handelt, sind die Puffer/Abstandsflächen entsprechend groß.
Mit anderen Anlagen würden also andere Datensätze entstehen.

Dr. Julia Wiehe, Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover (LUH)

Weniger als vier Prozent taugliche Fläche für Windräder

Deutschlandweit eignen sich laut der Forschungsarbeit etwa 1,5 Prozent der Gesamtfläche besonders gut. Die Forscherinnen nennen das "Flächen mit geringem Raumwiderstand". Auf ihnen sei die Installation von großen Windanlagen weitgehend konfliktfrei möglich.

Hinzu kommen Flächen mit "mittlerem Raumwiderstand", weitere 2,3 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, wo eine Windenergienutzung nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen unter Anpassung an spezifische Standortgegebenheiten voraussichtlich naturschonend möglich ist.

Die Daten könnten in Zukunft zur Standortsuche für Windenergieanlagen genutzt sowie zur Bestimmung eines bundesweit abgeleiteten Ausbauziels verwendet werden. So könnte besser abgestimmt werden, wo Windkraft überhaupt sinnvoll ist und wo lieber auf Photovoltaik als erneuerbare Energiequelle gesetzt werden sollte. In Kombination mit Wasserkraft, Offshore-Windenergie und Geothermie sei das ein ausreichendes Potenzial für eine hundertprozentige regenerative Energieversorgung.

Landkarte: Diese Flächen in Thüringen eignen sich für neue Windkraftanlagen

Die Wissenschaftlerinnen haben ihre Flächendaten als sogenannte Shapefiles zur Verfügung gestellt. Wir haben daraus eine Karte für Thüringen gebaut, in die Sie beliebig weit hineinzoomen können. So können Sie sehen, ob auch Flächen in Ihrer Region Potenzial für möglichst konfliktfreie Windräder haben.

Violett gefärbte Flächen stehen für "geringen Raumwiderstand", also besonders gut geeignete Gebiete. Gelbe Flächen stehen für "mittleren Raumwiderstand".

Während also im Thüringer Wald und anderen Teilen im Süden des Bundeslandes Windkraftanlagen für Konflikte mit Natur und/oder Mensch sorgen würden, gibt es im Norden Thüringens großes Flächenpotenzial für diese Art der Energiegewinnung. Besonders in einem breiten Gürtel nördlich von Erfurt, der sich von der Landesgrenze Hessens bis zur Landesgrenze Sachsen-Anhalts zieht, bieten sich viele große zusammenhängende Flächen an.

Mitteldeutschland- und Deutschlandkarte ebenfalls verfügbar

Je umfangreicher die Flächendaten sind, umso mehr verlängert sich die Ladezeit der Karten. Deshalb haben wir uns entschieden, Karten, die mehr als ein Bundesland abbilden, nicht in diesen Artikel einzubetten, sondern für Interessierte gesondert anzubieten.

Hier finden Sie eine gleichartige Karte für ganz Mitteldeutschland, also Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammen.

Und hier gibt es eine Deutschlandkarte, auf der allerdings nur die violetten Flächen mit "geringem Raumwiderstand" zu sehen sind. (Die vielen Flächen mit "mittlerem Raumwiderstand" zwingen den Karten-Server in die Knie.)

Außerdem - wenn Sie wissen, wie mit Shapefiles umzugehen ist - können Sie sich hier die Original-Daten der Forschungsgruppe für ganz Deutschland herunterladen.

(rr/idw)

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