Neue Studie Weniger Wirbelstürme durch den Klimawandel?

Der Klimawandel verstärkt Extremwetterereignisse auf der ganzen Welt – und zwar sowohl in ihrer Intensität, als auch in ihrer Häufigkeit. Eine neue Studie kommt nun aber zu dem überraschenden Ergebnis, dass die globalen Klimaveränderungen auch dazu führen könnten, dass es weniger Wirbelstürme gibt.

Ein Mann läuft durch kniehohes Wasser auf einer überfluteten Straße.
Überflutete Straße in La Lima, Honduras. Hier traf Hurricane Lota im November 2020 auf die Küste. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Tropische Wirbelstürme – darunter auch Hurricanes und Taifune – gehören zu den Naturereignissen, die weltweit die höchsten Kosten verursachen. Bislang hatten Forschende vermutet, dass solche extremen Stürme wegen des Klimawandels immer häufiger vorkommen. Das liegt nahe, weil die klimatischen Veränderungen die thermodynamischen Bedingungen auf der Erde beeinflussen. Eine aktuelle Studie im Journal Nature Climate Change hat nun untersucht, wie sich die Häufigkeit tropischer Wirbelstürme seit 1850 verändert hat. Die erstaunliche Erkenntnis: Es gibt einen signifikanten Abwärtstrend hinsichtlich der Anzahl von Wirbelstürmen im zwanzigsten Jahrhundert.

Klimawandel verändert die termodynamischen Bedingungen

Das könnte – so die These des Forscherteams – auch daran liegen, dass der Klimawandel die thermodynamischen Bedingungen so verändert, dass ein für Wirbelstürme feindliches Klima entsteht und deshalb sogar der Auslöser für den Rückgang der Stürme ist. In den vergangenen Jahren ist klar feststellbar, dass die Anzahl solcher gefährlichen Wirbelstürme zunimmt und dass sie mittlerweile auch Gebiete treffen, die bislang nicht als Risikogebiete galten. Nimmt man allerdings darüber hinaus einen sehr viel größeren Zeitraum über die vergangenen Jahrhunderte in den Blick, zeigt sich – zumindest in der aktuellen Studie – ein gegenteiliger Effekt. Im Vergleich zum Zeitraum von 1850 bis 1900 zeigt sich im zwanzigsten Jahrhundert, dass tropische Wirbelstürme um 13 Prozent seltener geworden sind.

Analyse mittels Datenrekonstruktion

Weil es für diesen, weit zurückliegenden Zeitraum wenig Wetterdaten gibt, war es bislang sehr schwierig, Aussagen über die Wirbelstürme im präindustriellen Zeitalter zu treffen. In der aktuellen Studie wurden Wetterdaten der Vergangenheit mithilfe des 20th Century Reanalysis Datensatzes nachmodelliert und erlauben so Rückschlüsse über die Vergangenheit, bevor wir Wetterdaten mittels Satelliten erhoben werden konnten.

Tropische Wirbelstürme entstehen nur unter sehr konkreten Bedingungen

Tropische Wirbelstürme entstehen über tropischen Meeresgebieten bei Wassertemperaturen über 27 Grad. Sie entwickeln sich mindestens 1.000 Kilometer vom Äquator entfernt, weil hier die planetare Rotation dazu beiträgt, dass aus den Luftbewegungen der charakteristische, zusammenhängende Wirbel entsteht. Einmal entstanden, ziehen tropische Wirbelstürme typischerweise westwärts und polwärts, bevor sie die mittleren Breiten erreichen. Dort schwächen die kühleren Wassertemperaturen sie ab oder sie verwandeln sich in außertropische Stürme, die aber immer noch sehr gefährlich sein können. Bislang geht man davon aus, dass solche außertropischen Stürme durch den Klimawandel stärker werden und häufiger auftreten.

Wellen brechen sich an einem Leuchtturm am Erie-See in der Nähe von Cleveland.
Hurricane Sandy bildete sich 2012 im Karibischen Meer und zog dann in Richtung des amerikanischen Festlandes. Bildrechte: Dapd/Tony Dejak

Links/Studien

Die Studie zum Nachlesen gibt es hier.

iz

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Blick auf den Wassertank, in dem die Folgen eines Hurrikans simuliert werden. 5 min
Bildrechte: MDR/Guido Meyer
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