TU Ilmenau Mit Augmented Reality gegen Einsamkeit im Alter

Mit zunehmendem Alter und in Zeiten von "Social Distancing" wird es immer schwerer, menschliche Kontakte zu pflegen. Das CO-HUMANICS Projekt der TU Ilmenau nimmt sich des Problems durch Robotik und Augmented Reality an.

Seniorin sitz mit einem Roboter am Tisch und liest in einem Buch. Auf das Display des Roboters ist ihre Enkelin zu sehen.
Wenn die Enkelin virtuell zu Besuch ist. Bildrechte: TU Ilmenau

Ältere Menschen haben zunehmend mit Einsamkeit zu kämpfen. Sind sie in Rente, bricht der Kontakt zu den Arbeitskollegen allmählich ab, die Familie lebt meist weit entfernt und auch gesundheitliche Beschwerden führen oft dazu, dass soziale Kontakte weniger werden. Und in Zeiten von Corona-Pandemie und "Social Distancing" wird es noch schwerer für ältere Menschen, überhaupt mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen. Das kann sich enorm auf die psychische Gesundheit auswirken.

Zu Oma ins Wohnzimmer projiziert

Die TU-Ilmenau will diesem Problem mittels Augmented-Reality und Robotern zu Leibe rücken. Die Forscher des CO-HUMANICS-Projekts werden in den nächsten fünf Jahren moderne Verfahren entwickeln, die ortsfremde Personen, also Pflegepersonal, Ärzte oder Familienangehörige in die Umgebung der älteren Menschen projizieren. CO-HUMANICS ist die Kurzform von "Co-Presence of Humans and Interactive Companions for Seniors", also die CO-Präsenz von Menschen und interaktiven Begleitern für Senioren.

Augmented-Reality bedeutet erweiterte Realität. Die findet man schon in einigen Bereichen unseres Lebens. So werden zum Beispiel beim Fußball Entfernungen von Freistößen mit Hilfe von Linien eingeblendet. Auch bieten einige Möbelhäuser Apps an, mit denen man sich Möbel über sein Handy-Display ins eigene Wohnzimmer stellen kann, um zu schauen, ob das neue Sofa dort auch gut aussieht.

Als wäre wirklich jemand da

Durch diese Augmented-Reality-Technologie sollen die zugeschalteten Personen wesentlich präsenter wirken, als es zum Beispiel bei Videotelefonie der Fall wäre. Es soll sich im besten Fall fast so anfühlen, als wäre die Person wirklich da.

Die Inspiration war schon die Jedi-Runde von Star Wars, wie sie da alle beisammensitzen und sich unterhalten.

Prof. Alexander Raake, Leiter Fachgebiet Audiovisuelle Technik, TU Ilmenau

Filmszene aus Star Wars, ein Jedi bei einer Versammlung erscheint als Hologramm
Der Hohe Rat der Jedi. Wer nicht persönlich dabei sein konnte, kam als Hologramm. Wie hier Ki-Adi-Mundi zwischen Obi-Wan Kenobi und Yoda. Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Umsetzen wollen die Forschenden ihre Vision anfangs mittels Augmented-Reality-Brillen. Durch sie könnten die Senioren ihre eigene Umgebung wahrnehmen, aber gleichzeitig die projizierte Person sehen. Wir könnten also tatsächlich als Projektion mit Oma gemeinsam am Tisch sitzen und uns unterhalten. Ein bisschen wie bei Star Wars wäre es also wirklich.

Laut Alexander Raake ist da aber natürlich noch Luft nach oben. Die Brille wäre der erste Ansatz. Wie praktikabel alles ist, soll auch direkt am lebenden Objekt getestet werden. Mehrere Seniorengruppen sind in den Entwicklungsprozess mit eingebunden.

Kontakt nicht ersetzen, sondern verbessern

Diese Co-Präsenz soll nicht als Ersatz für echten menschlichen Kontakt dienen. Das interdisziplinäre Forschungsteam der TU Ilmenau und des Thüringer Zentrums für Lernende Systeme und Robotik möchten den älteren Menschen dadurch ermöglichen, dass bestehende Kontakte zu vertrauten Menschen über Entfernungen hinweg verbessert werden.

Seniorin sitz am Tisch und liest. Sie trägt eine Brille, die ihre Enkelin als Hologramm neben sie projiziert.
Die Technik trägt ein vertrautes Gesicht. Bildrechte: TU Ilmenau

Doch Gespräche allein reichen nicht immer aus. Manchmal braucht man auch eine helfende Hand. Dafür soll den älteren Menschen ein technisches Assistenzsystem zur Seite gestellt werden. Der Roboter soll zum Beispiel in der Lage sein, bei der Bedienung technischer Geräte zu helfen. Auch auf diesem Roboter soll das Gesicht der Gesprächspartner zu sehen sein.

Das ist eine weitere Art es umzusetzen, als würden sich die Senioren vor Ort mit ihrem Gesprächspartner unterhalten. Sie könnten sich dem Roboter wirklich zuwenden und dieser sorgt dafür, dass auch der Gesprächspartner optimal zugewandt ist.

Prof. Alexander Raake

Die Vision der Forschenden ist es, dass ältere Menschen durch das Zusammenspiel von Augmented-Reality und Robotik besser mit ihnen nahestehenden Personen kommunizieren können und sie Hilfe bei alltäglichen Handlungen bekommen.

(JeS)

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2 Kommentare

MDR-Team vor 4 Wochen

Hallo, durch diese Augmented-Reality-Technologie sollen die zugeschalteten Personen wesentlich präsenter wirken, als es zum Beispiel bei Videotelefonie der Fall wäre. Es soll sich im besten Fall fast so anfühlen, als wäre die Person wirklich da. Dies ist hauptsächlich für den Fall gedacht, indem die Familienangehörigen tausende Kilometer weit weg wohnen und Kontakt nur über Videotelefonie besteht. Viele Ältere würde es die Lieben näher bringen als eben nur auf einem Bild am Telefon. Um Kontakteinschränkungen geht es hier überhaupt nicht. Liebe Grüße

eine Thueringerin vor 4 Wochen

Zur Oma ins Wohnzimmer projiziert...Mir fehlen nur noch die Worte. Was für eine armselige Gesellschaft sind wir geworden. Wir sperren unsere "Alten" weg unter dem Vorwand sie zu schützen? Wenn ich 80 oder älter wäre möchte ich genauso wie heute sllein und selbst entscheiden wen ich wann und wie sehen möchte. Das ist Privatsache. Jeder braucht den persönlichen Kontakt zu seinen Lieben und nicht ins Wohnzimmer projizierte Bilder. Mich würde mal die Zahl derer interessieren die an Vereinsamung sterben. Unglaublich ... mir fehlen nur noch die Worte.