Tiefgefrorene Urinproben
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Wissen-News Weichmacher in Urin-Proben könnte von Sonnencremes stammen

08. Februar 2024, 19:38 Uhr

Der in zahlreichen Urinproben entdeckte gefährliche Weichmacher Di-n-hexyl-Phthalat könnte von Sonnencremes stammen. Das hat das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau auf der Grundlage erster Analysen mitgeteilt. Eine "Maßnahmenempfehlung" konnte die Behörde anhand der bisherigen Erkenntnisse noch nicht abgeben.

Der kürzlich in Urinproben entdeckte gefährliche Weichmacher Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP) könnte nach Angaben des Umweltbundesamts (Uba) möglicherweise aus Sonnenschutzmitteln stammen. Wie die zuständige Fachgebietsleiterin Marike Kolossa mitteilte, ist in ersten, sondierenden Analysen ein "Zusammenhang zwischen der Belastung mit MnHexP und Kosmetika, darunter insbesondere Sonnenschutzmitteln" zu sehen. Auch viele Cremes, darunter Nachtcremes, enthalten der Toxikologin zufolge Sonnenschutzmittel.

Nach Angaben von Kolossa reichen die derzeitigen Erkenntnisse jedoch nicht für eine "Maßnahmenempfehlung". Zugleich warnte sie: "Man sollte auf gar keinen Fall auf Sonnenschutzmittel verzichten." Die Krebsgefahr durch Sonnenstrahlen sei zu hoch. Die Suche nach der Herkunft des Schadstoffs DnHexP bezeichnete die Uba-Toxokologin als "Detektivarbeit". Aufgrund von Erkenntnissen zu anderen Phthalaten sei im Fragebogen der derzeit noch laufenden 6. Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit unter anderem gefragt worden: "Wie häufig benutzen Sie Sonnenschutzmittel?"

Nach Angaben Kolossas entdeckte das Umweltbundesamt in der laufenden Umweltstudie neuesten Daten zufolge in etwa 37 Prozent der Proben den Metabolit MnHexP. Er ist ein Abbauprodukt des nicht zugelassenen Weichmachers DnHexP. Der fortpflanzungsschädigende Stoff wurde der Behörde zufolge erstmals 2023 nachgewiesen. DnHexP darf laut Umweltbundesamt in der EU seit 2023 ohne Zulassung nicht mehr verwendet werden. Zulassungsanträge seien aber nicht gestellt worden. Nicht auszuschließen sei daher, dass der Stoff in Altlasten oder DnHexP-haltigen Importerzeugnissen stecke.

dpa (dn)

18 Kommentare

Denkschnecke vor 2 Wochen

Offensichtlich wissen Sie nicht, wie Wissenschaft funktioniert. Ein Forschungsergebnis in den Naturwissenschaften ist, immer nur gültig, bis es durch ein anderes widerlegt oder relativiert wird. Und natürlich spekulieren wir Forschenden in JEDEM unserer Fachartikel, was unsere Ergebnisse bedeuten und als Konsequenzen haben könnten. Allerdings - und das versuche ich allen Studierenden beizubringen - ist es unsere Pflicht, stets sauber zu unterscheiden zwischen unseren eigenen gesicherten Daten, von anderen erhobenen Befunden, und Diskussion der Ergebnisse.

MDR-Team vor 3 Wochen

@W. Merseburger
Sie hatten darin den direkten Link zur Studie verwendet, was laut Netiquette nicht zulässig ist (https://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html). Der Link zum Umweltbundesamt als öffentlicher Institution schon.
LG, das MDR-WISSEN-Team

W.Merseburger vor 3 Wochen

Wertes MDR Team,
langsam verstehe ich die Welt nicht mehr! Sie haben meinen gestrigen Beitrag zum Thema nicht zugelassen. Offensichtlich ist Ihnen nicht klar, dass sie mir an anderer Stellen folgenden Link: "www.umweltbundesamt.de/themen/fund-eines-weichmachers-in-urinproben-fragen" übermittelt haben. In dem dort zugrunde liegenden Beitrag werden die analytisch bestimmtem Werte für das Metabolit Monohexylphthalat aus Dihexylptthalat mit 0,2 bis ca. 2,1 Millionenstel Gramm pro Liter der untersuchten Urinproben in 37 Fällen angegeben. Nuin frage ich ernsthaft, was muss daran verschwiegen werden? Allgemein wird hier berichtet, aber vor den tatsächlichen Befunden scheut man sich mit der Veröffentlichung.