Möglicher Lebensraum Eisplanet Pluto: Gashydrate schützen unterirdischen Ozean

Mit Computersimulationen können japanische Wissenschaftler erklären, warum der unterirdische Ozean auf Pluto flüssig bleibt. Ihr Modell deutet an: Es könnte mehr solche potenziellen Orte für Leben im Universum geben.

Der Zwergplanet Pluto in Falschfarben dargestellt zur Illustration.
Die helle Fläche in der Mitte dieser Grafik zeigt die sogenannte Sputnik Planitia. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Die NASA-Sonde New Horizons machte 2015 erstmals so präzise Messungen von Pluto, dass Forscher sich nun ein genaueres Bild machen können von der Oberfläche des fernen Zwergplaneten. Unter anderem entdeckten die Astronomen eine helle Fläche, die sie "Sputnik Planitia" nannten.

Aufgrund von Form und Oberfläche von "Sputnik Planitia" schließen Wissenschaftler, dass es unter Plutos Oberfläche einen unterirdischen Ozean gibt, und dass das Eisschild an der "Sputnik Planitia" dünner ist.

Aber wie ist das möglich? Nach bisherigen Modellen müsste die Temperatur des Planetenkerns von Pluto höher sein, um den flüssigen Zustand des Wassers und die unterschiedliche Stärke des Eisschilds erklären zu können. Ein internationales Team unter der Leitung von Shunishi Kamata von der Hokaido-Universität im japanischen Sapporo hat nun eine andere mögliche Erklärung gefunden.

Die Wissenschaftler errechneten mit Computermodellen, dass wahrscheinlich sogenannte Gashydrate eine Art Isolierschicht bilden zwischen dem Ozean und dem Eisschild. Gashydrate sind im Grunde eisförmiges Wasser, das Gase einschließt. Solche Gashydrate sind in der Regel sehr zähflüssig und schlechte Wärmeleiter.

Die Forscher berechneten in ihrer Simulationen einen Zeitraum von insgesamt 4,6 Milliarden Jahren. Sparten sie in ihren die Gashydratschicht aus, fror der Ozean vollständig ein und es bildete sich eine einheitlich dicke Eisschicht. Mit Gashydratschicht jedoch konnte der Ozean praktisch nicht mehr einfrieren und das Eisschild bildete sich deutlich langsamer und uneinheitlicher aus.

Am wahrscheinlichsten sei, dass es sich bei dem Gas in dem Gashydrat um Methan handele, so die Wissenschaftler. Das würde die ungewöhnliche Atmosphäre des Planeten erklären, die viel Stickstoff aber wenig Methan enthält.

Das von den Forschern entwickelte Modell legt nahe, dass es auch auf vielen anderen Monden oder Planeten flüssige Ozeane geben könnte, auch wenn diese Himmelskörper nur wenig Wärme nahen Stern empfangen. "Es könnte bedeuten, dass es mehr Ozeane im Universum gibt", glaubt Shunishi Kamata. "Das würde die Existenz von außerirdischem Leben wahrscheinlicher machen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juli 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 13:52 Uhr

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