Covid-19 Studie: Für wen ist Corona tödlich?

Wer ist besonders gefährdet, dass Corona einen schweren Krankheitsverlauf nimmt und sie oder ihn am Ende womöglich sogar das Leben kostet? Chinesische Forscher haben 191 Covid-19-Fälle analysiert und Risikofaktoren gefunden.

Am 10. März 2020 führten indonesische Ärzte am Ankunftsterminal des Hafens Makassar in Makassar City eine Simulation, des Umgangs mit durch den Coronavirus infizierten Patienten, durch.
Indonesische Ärzte üben in einer Simulation den Transport eines schwer mit Corona infizierten Patienten. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Die ersten vier Deutschen sind nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 gestorben. Dringende Frage für Mediziner und Behörden daher: Welche Gruppen tragen ein besonders hohes Risiko, schwer an der Covid-19 Infektion zu erkranken und womöglich sogar daran zu sterben?

Wie verlief Corona bei 191 Patienten aus China?

Chinesische Mediziner um Zhou Fei haben jetzt für die medizinische Fachzeitschrift "The Lancet" die Krankheitsverläufe von 191 Patienten aus zwei Kliniken in Wuhan analysiert, bei denen das Virus im Labor nachgewiesen wurde und die am 31. Januar entweder als geheilt entlassen oder verstorben waren.

Dabei stellten sie unter anderem fest, dass vor allem alte Menschen mit einem erhöhten SOFA-Wert gefährdet sind. SOFA steht für "Sepsis related organ failure assessment score". Der Wert drückt aus, wie hoch das Risiko für einen Patienten ist, bei einer krankheitsbedingten Blutvergiftung an einem Organversagen zu sterben. Mit dem SOFA-Score werden unter anderem der Zustand von Atemfunktion, Herz-Kreislauf-System, Blutgerinnung, Nierenfunktion, und Funktion von Nervenbahnen und Gehirn abgebildet.

Corona oder Vorerkrankungen: Woran starben die Patienten?

Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektologie an der Kölner Uniklinik hält die von seinen chinesischen Kollegen identifizierten Risikofaktoren allerdings noch für wenig aussagekräftig. "Übersetzt besagen sie, dass ältere und schwerer kranke Menschen ein erhöhtes Sterberisiko haben – eine Botschaft, die kaum überraschend ist", so der Mediziner.

Bei vielen tödlich verlaufenden Infektionen ist für die Mediziner außerdem schwer zu bestimmen: War das Corona-Virus schuld am Tod oder doch eine der Vor- oder Begleiterkrankungen? Der erste deutsche Tote, ein 78-jähriger aus Heinsberg, hatte beispielsweise Herzprobleme und Diabetes. In der chinesischen Studie seien die Todesursachen allerdings meist klar auf die Covid-19 rückführbar, meint Fätkenheuer.

In der Studie waren die häufigsten Begleiterkrankungen eine arterielle Hypertonie und ein Diabetes mellitus, die in den meisten Fällen nicht unmittelbar tödlich sind. Insofern ist es hoch wahrscheinlich, dass die Lungenentzündung verursacht durch das Sars-CoV-2-Virus tatsächlich die Todesursache in den meisten Fällen war.

Gerd Fätkenheuer, Uniklinik Köln

Wieviele Patienten tötet Corona zusätzlich?

Perspektivisch können Forscher zur Schätzung der Tödlichkeit von Corona auch auf statistische Verfahren aus der Grippeforschung zurückgreifen. Denn auch bei der Influenza werden auf den meisten Totenscheinen andere Begleiterkrankungen als Todesursache vermerkt. Forscher schätzen daher die sogenannte Exzess-Mortalität: Sie vergleichen, wieviele Menschen gewöhnlicherweise an den Begleiterkrankungen sterben und wieviele zusätzlich sterben, wenn sie sich auch noch mit der Grippe infiziert haben.

Ein anderes Problem an der Covid-19 betrifft die Zeit, in der Patienten für andere Menschen ansteckend sind. Bei den 191 analysierten chinesischen Patienten waren die Viren im Median etwa 20 Tage lang im Körper nachweisbar, deutlich länger also, als die empfohlene Zeit, die leicht infizierte Patienten in häuslicher Quarantäne verbringen sollen. Mediziner Fätkenheuer beruhigt allerdings: "Dass es bei den schwer Erkrankten länger dauert, bis das Virus eliminiert ist, verwundert nicht sonderlich."

ens