Sputnik V Was über den russischen Impfstoff bekannt ist

Russland hat einen Impfstoff gegen Corona zugelassen. Kritiker bemängeln, dass Sputnik V nicht in einer klinischen Phase-III-Studie getestet wurde und insgesamt zu wenig bekannt ist über den Stoff. Die wichtigsten Fakten.

ein Impfstoff
Ruassland hat einen Corona-Impfstoff zugelassen, der aber nicht vollumfänglich getetstet wurde (Symbolfoto). Bildrechte: imago images/Panthermedia

Es sei ein Sputnik-Moment, sagte Russlands Staatschef Vladimir Putin, als er die Zulassung eines Impfstoffs gegen Corona bekanntgab. Damit spielte er auf den Start des ersten Weltraumsatelliten der Menschheit an, den die Sowjetunion 1957 ins All geschossen hatte. Dadurch hatte sie zu dieser Zeit ihren technologischen Vorsprung gegenüber dem Westen demonstriert. Kritiker bezweifeln allerdings, dass die Zulassung eines Corona-Impfstoffs jetzt ein gleichwertiger Erfolg ist.

Was ist das für ein Impfstoff, was ist sein Wirkprinzip?

Das staatliche Gamaleya-Institut hat bei seinem Impfstoff "Gam-COVID-Vac Lyo" ein seit langem bekanntes Prinzip verwendet. Es nutzt abgeschwächte Adenoviren (vom Typ 5 und von Typ 26) als sogenannte Vektoren. Den Viren wurden ihre krankmachenden Eigenschaften im Labor genommen. Stattdessen werden sie mit der Erbinformation für das Spikeprotein des Coronavirus ausgestattet. Werden sie nun in Menschen injiziert, bringen sie ihre Zielzellen dazu, das Spikeprotein zu bilden, worauf dann die körpereigene Immunabwehr reagiert, indem sie Antikörper dagegen bildet. Diese schützen dann vor einer Infektion mit dem echten Coronavirus. Soweit die Theorie. Wie gut der Stoff funktioniert, ist bisher unklar, denn laut Angaben von Gamaleya wurde er bislang nur in einer Phase-I und einer Phase-II getestet. Die Daten aus diesen Studien wurden bislang aber nicht veröffentlicht. Und die entscheidende Phase-III-Studie hingegen steht noch aus.

Warum ist eine Phase-III-Studie so wichtig?

Impfstoffe sollen die breite Bevölkerung, also sehr viele unterschiedliche Menschen vor einer Infektion schützen. Deshalb werden sie an sehr viele, in der Regel gesunde Menschen ausgegeben. Eine solche hohe Zahl von Empfängern bedeutet aber, dass auch seltene Nebenwirkungen auftreten werden. Oft kommt es zu Schmerzen an der Einstichstelle, manchmal auch zu einem leichten Impffieber. Im schlimmsten Fall kann die Nebenwirkung aber auch darin bestehen, dass ein Impfstoff nicht schützt, sondern eine Infektion verschlimmert. Um solche Folgen zu bemerken und systematisch zu erfassen, werden Impfstoffkandidaten in der Phase-III an sehr vielen, sehr unterschiedlichen Probanden getestet.

Woran sind andere Impfstoffe in der Phase-III gescheitert?

Erst im Februar gab das South African Medical Research Council (SAMRC) bekannt, dass ein Impfstoffkandidat gegen HIV in einer Phase-III-Studie gescheitert ist. Der Stoff war einer Testgruppe sexuell aktiver Personen verabreicht worden, während eine Kontrollgruppe ein Placebo erhielt. Bei einer Zwischenauswertung zeigte sich: In beiden Gruppen gab es ungefähr gleich viele Neuinfektionen mit dem Immunschwäche-Virus. Der Impfstoffkandidat hatte sich also als wirkungslos erwiesen. Noch problematischer war das Ergebnis bei einem Kandidaten gegen das Dengue-Fieber: Laut einem Bericht des Deutschlandfunks schützte er nicht vor dem Virus, sondern verschlimmerte die Infektion sogar.

Ist der russische Impfstoff wirklich der erste gegen Covid-19?

Nein. Auch die Universität Oxford in Kooperation mit Astra Zeneca verwendet ein Adenovirus als Vektorimpfstoff gegen Sars-CoV-2 und hat bereits Anfang Juli eine Phase-III-Studie gestartet. Das chinesische Unternehmen CanSino Biologicals hat einen ähnlichen Impfstoffkandidaten produziert, der im Juni an das chinesische Militär geliefert wurde. Auch er wurde noch nicht vollumfänglich getestet.

Wann ist der russische Impfstoff in Deutschland erhältlich?

Dass Russland mit "Gam-COVID-Vac Lyo" einen Impfstoff zugelassen hat, bedeutet nicht, dass dieser auch in Deutschland erhältlich sein wird. Mit der Zulassung von Medikamenten verhält es sich ähnlich wie mit der Zulassung von Kraftfahrzeugen. Für jedes Land ist eine andere Behörde zuständig. In Deutschland brauchen Medikamente und Impfstoffe eine Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut. Es verlangt nachprüfbare Ergebnisse aus allen klinischen Testphasen, bevor es den Verkauf eines Medikaments in Deutschland erlaubt. Die notwendigen Daten hat Russland bislang aber nicht veröffentlicht und zum Teil wohl auch noch gar nicht vollständig erhoben.

(ens)

2 Kommentare

MDR-Team vor 11 Wochen

Hallo NormalNull,
Sie haben recht mit dem Zitat von Präsident Putin, dem in dieser Form, auch in den deutschen Medien nicht widersprochen wurde.
Aber diese Registrierung bedeutet eben nicht nur weitere Tests, sondern eine direkte Anwendung etwa bei Lehrern, medizinischem Personal und Risikogruppen.
Die ersten Impfungen werden bereits in den kommenden zwei Wochen an Ärzte im Land ausgeliefert, erklärte der russische Gesundheitsminister, der der TASS genau erklärte, was Registrierung bedeutet: „Es gibt Entwicklungen von chinesischen Kollegen, die sich in der Registrierungsphase befinden, unter bestimmten Bedingungen. Es gibt eine Reihe in anderen Ländern, aber dort laufen noch klinische Studien. Tatsächlich wird zuerst in Russland ein Registrierungszertifikat in vollem Format ausgestellt.“
Und das wiederum entspricht einer Zulassung. Weshalb weltweit dieser Begriff genutzt wird, u.a. auch vom deutschen Paul-Ehrlich-Institut.
https://www.tagesschau.de/ausland/russland-impfstoff-107.html

NormalNull vor 11 Wochen

Mit Verlaub: Dieser Bericht enspricht einfach nicht der Wahrheit: Putins Aussage: " Насколько мне известно, сегодня утром впервые в мире зарегистрирована вакцина против новой коронавирусной инфекции" übersetzt Goggle mit: "Soweit ich weiß, wurde heute Morgen weltweit zum ersten Mal ein Impfstoff gegen eine neue Coronavirus-Infektion registriert" --registriert--! das ist die Voraussetzung für weitere Tests! Es wurde nichts "zugelassen". Bitte korrigieren Sie den Artikel dahingehend!