Astronomie Es ist Sonnenfinsternis – aber wo ist meine SoFi-Brille?

Gerald Perschke
Bildrechte: Frank Laudan

Am 10. Juni ist Sonnenfinsternis, partiell – klar, nicht so ein Riesending wie die totale Sonnenfinsternis 1999. Aber trotzdem unglaublich faszinierend, wenn der Mond sich vor die Sonne schiebt. Wir in der Redaktion bereiten uns schon seit Wochen darauf vor, haben sogar ab 11:15 Uhr einen Livestream geplant. Das muss ich unbedingt sehen, auch in echt! Sogar das Wetter spielt mit. Aber es gibt ein Problem: Ich finde meine Sonnenfinsternis-Brille nicht. Und jetzt? Wo bekomme ich eine neue her? Und wenn nicht, was dann?

Es ist jede Sonnenfinsternis das Gleiche. Riesen Vorfreude und dann rückt der Tag näher und mir fällt siedend heiß ein: Ich brauche eine Sonnenfinsternis-Brille. Denn ohne könnte ich mir die Netzhaut verbrennen – und das ist kein Spaß. Aber wo liegt sie? Ich bin sicher, ich hatte eine. Ich weiß sogar noch, wie der Karton aussieht, in den ich sie gelegt habe. Aber wo ist der Karton? Mist! Wo kriege ich jetzt eine Sonnenfinsternis-Brille her? Optiker anrufen. Nummer 1 (Kette): "Nein, leider nicht." Nummer 2 (andere Kette): "Ist ja nicht so ein großer Hype dieses Jahr. Da haben wir nichts. Aber fragen sie doch mal einen privaten Optiker." Das mache ich. Die Antwort: "Ja, das ist ein Problem. Wir haben aber auch keine Lösung", so die freundliche Antwort. Es gibt einfach keine Angebote der Industrie.

Mädchen schaut in den Himmel
Wer klug ist, bewahrt seine Sonnenfinsternis-Brille so auf, dass sie/er sie beim nächsten Mal wiederfindet. Der Autor diese Beitrages gehört nicht dazu. Bildrechte: Christoph Stelzner

Smartphone? Kein Ersatz

Selfiefoto in Richtung der Sonne.
Versuch des Autors bei der letzten partiellen Sonnenfinsternis 2015 ein Selfie zu machen. Jämmerlich! Bildrechte: Gerald Perschke

Die Optiker fallen aus, aber selbst herstellen ist keine Option. So viel weiß ich. Gerußtes Glas, Schweißerbrille, Alufolie, Rettungsdecke, alte CD – man sieht im Zweifel nichts, und es ist nicht gesund, wenn man damit länger in die Sonne schaut. Aber was kann ich tun?

Klar, ich könnte morgen einfach die Smartphone-Kamera in Richtung Sonne halten und dann auf den Bildschirm schauen. Da sehe ich dann einen großen gleißenden Punkt. Gut, mit der Pro-Einstellung, die viele der neuen Smartphones schon haben, kann ich die Belichtungszeit verringern und die Blende erhöhen, dann wäre der Punkt schärfer. Aber vor allem immer noch eins: sehr sehr klein.

Nachbarn fragen

Vielleicht kann ich meinen Nachbarn fragen, der hat eine Digitalkamera mit Riesen-Zoom (noch größer als mein 200 Millimeter-Objektiv). Damit kann man der Sonne ganz nah kommen und wenigstens Fotos machen, oder die Verdunklung auf dem Bildschirm anschauen. Er hat sogar einen speziellen Sonnenfilter. Pech. Er ist nicht mehr im Homeoffice und nimmt die Kamera mit ins Büro.

Was schlägt eigentlich die Suchmaschine vor? Projektion. Wie geht das? Ein Fernglas, wie es jeder Jäger und Naturbeobachter zu Hause hat, auf einer Seite abkleben und hinter das andere Glas eine Pappe stellen, auf die das Bild projiziert wird. Gibt es nicht noch was anderes? Ja, eine Lochkamera.

Die Lösung ist ein Karton

Lochkamera! Stimmt, darüber habe ich auch schon mal was gelesen. Ganz einfaches Prinzip. Man braucht nur einen langen Karton oder ein Rohr. Die Stirnseite ist lichtdicht verschlossen. Da hinein kommt nur ein kleines Loch, wirklich klein, am besten nur einen Millimeter groß. Auf die gegenüberliegende Seite kommt Butterbrotpapier oder eine matte Folie. Dann in Richtung Sonne halten und auf die Rückseite schauen. Dort sieht man das Sonnenbild mit dem Schatten des Mondes. Je kleiner das Loch, desto schärfer das Bild, schreiben die Experten vom Haus der Astronomie (hier deren Bauanleitung als PDF). Je länger der Karton, desto größer das Bild: ein ein Meter langer Karton ergibt etwa ein Sonnenbild von einem Zentimeter Durchmesser, ein 1,50 Meter langer ein 1,5 Zentimeter großes Bild – und so weiter. Na dann weiß ich Bescheid. Muss ich also nur noch einen Karton suchen. Und vielleicht finde ich ja dann auch den mit der verschollenen SoFi-Brille...

Mit der Lochkamera die Sonnenfinsternis beobachten

Lochkamera
Der Karton ist auf der Stirnseite geschlossen. Hinein kommt ein kleines Loch, höchsten zwei Millimeter groß. Bildrechte: Haus der Astronomie (HdA)
Lochkamera
Der Karton ist auf der Stirnseite geschlossen. Hinein kommt ein kleines Loch, höchsten zwei Millimeter groß. Bildrechte: Haus der Astronomie (HdA)
Lochkamera
Auf die andere Seite kommt Butterbrotpapier oder matte Folie Bildrechte: Haus der Astronomie (HdA)
Lochkamera
Dann Richtung Sonne und man erkennt die Sonne mit dem Mondschatten. Bildrechte: Haus der Astronomie (HdA)
Lochkamera
Das geht auch mit einem Schuhkarton, Bildrechte: Haus der Astronomie (HdA)
Lochkamera
dann ist allerdings das Sonnenbild nur sehr klein. Denn je länger der Karton (oder das Rohr), desto größer das Sonnebild. Bildrechte: Haus der Astronomie (HdA)
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6 Kommentare

MDR-Team vor 15 Wochen

@Anni22,
je nach Ort ist dies natürlich unterschiedlich. Zwischen 11.25 Uhr und 13.43 Uhr wird über Deutschland eine partielle Bedeckung zu sehen sein. Noch mehr Details finden Sie hier: https://www.mdr.de/wissen/umwelt/grosse-partielle-sommer-sonnenfinsternis-astronomie-live-stream-100.html

DermbacherIn vor 15 Wochen

Ich beziehe mich auf ihren "witzigen" Text.

MDR-Team vor 15 Wochen

@DermbacherIn,
worauf genau beziehen Sie sich?