Agrarforschung Zu trocken: Was der Wassermangel für die Landwirtschaft bedeutet

Die Trockenheit auf dem Feld, Regenschauer, die nicht mehr schaffen, als Pflanzen ein wenig abzukühlen: Das stellt die Landwirtschaftsbetriebe vor gewaltige Probleme. Higtechmessgeräte, sogenannte Lysimeter, zeigen Millilitergenau, wo das Wasser fehlt. Aber es gibt Methoden, dem Boden trotzdem gute Ernten abzutrotzen.

Auch in diesem Frühjahr war es in vielen Regionen viel zu trocken. Das fehlende Nass beschäftigt die Wissenschaftler, vor allem aber die Landwirte, wie zum Beispiel im Norden Thüringens, in der Nähe von Nordhausen. Landwirt Jens Bauersfeld macht sich Sorgen; seit Wochen hat es in der Goldenen Aue, wie dieser Landstrich heißt, viel zu wenig geregnet. Und das wirkt sich auf die Nutzpflanzen aus, die hier angebaut werden.

Normalerweise müssten auf einem Hektar Land 90.000 Zuckerrüben stehen. Der Landwirt schätzt aber, dass der Pflanzenbestand um 15 bis 20 Prozent niedriger ist als gewöhnlich. Immer wieder finden sich in der Erde nicht-gekeimte Zuckerrüben. Der Boden ist viel zu trocken. Jens Bauersfeld bewirtschaftet 1.000 Hektar, er baut unter anderem Weizen, Gerste, Raps und Zuckerrüben an. Im Mai 2020 laufen die künstlichen Beregnungsanlagen bereits auf Hochtouren.

Wasser: Wieviel es regnet, wieviel verdunstet, wieviel versickert

Nach 2018 und 2019 ist die Sorge vor einem weiteren Dürrejahr mit Ernteausfällen groß, auch in Buttelstedt im Weimarer Land. Ein bisschen Regen, kurze Schauer, bringen den Pflanzen an sich nichts, sagt Agrarwissenschaftlerin Dr. Steffi Knoblauch:

Es spielt an sich für die Wasserversorgung der Pflanze keine Rolle, nur dass die Pflanze mal abgekühlt wird. Da es in den letzten zwei Jahren sehr trocken war, ist kein Wasser im Unterboden vorhanden, so dass sich jetzt eine sehr kritische Situation entwickelt.

Dr. Steffi Knoblauch

Sie muss es wissen: Dr. Steffi Knoblauch arbeitet für das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft. Täglich misst sie in einer unterirdischen Forschungseinrichtung, einer sogenannten Lysimeterstation, den Wasserhaushalt des Bodens. Sie beschäftigt sich mit dem Wasserverbrauch der Pflanzen, in der Wachstumsphase genau wie nach dem Abernten. Ziel ist es, die Landwirte über den genauen Zeitpunkt zu informieren, wann das Wasser im Boden für die Pflanzen knapp wird und sie die Felder künstlich beregnen müssen.

Wie findet man den beste Zeitpunkt zur Beregnung?

Aber wie bestimmt man diesen Zeitpunkt so exakt wie möglich? Dabei hilft eine Lysimeteranlage. Sie arbeitet mit sogenannten Erdzylindern. Das sind mit Erde gefüllte Behälter, die im Boden eingelassen sind, zwei Meter breit und 2,50 Meter tief. Unter jedem Erdzylinder befindet sich eine Waage, die im Sekundentakt das exakte Gewicht des Erdzylinders misst.

Über die Gewichtsveränderung kann man die Verdunstung bestimmen und auch den Niederschlag. Das sind zwei Wasserhaushaltsgrößen und die Sickerwassermenge. Damit hat man alle drei Größen eines Bodenwasserhaushaltes.

Dr. Steffi Knoblauch

Doch gerade das Sickerwasser bereitet Steffi Knoblauch Sorgen. Eigentlich sollte es sich in Flaschen unterhalb der Anlage sammeln, doch seit zwei Jahren ist hier kaum ein Tropfen angekommen.

Wenn die Pflanzen das im Wintervorrat angesammelte Wasser jetzt schon verbraucht haben, möchte das Wurzelsystem sich mit dem Wasser im Unterboden versorgen. Dort ist aber nichts da, weil in den letzten zwei Jahren diese Sickerwasserbildung von flach- und mittelgründigen Böden nicht stattgefunden hat.

Dr. Steffi Knoblauch

Landwirte müssen künftig noch besser mit dem Wasser haushalten. Eine Möglichkeit dafür ist die sogenannte Strip Till Methode, eine streifenweise Bodenbearbeitung. Bei dieser Methode bleiben die Rückstände nach der Ernte auf dem Acker liegen. Auch der Ackerboden wird nicht gepflügt, sondern nur streifenweise gelockert.

Der Vorteil dadurch ist hier, dass wir den Boden nicht wenden, wir holen die Feuchtigkeit, die im Boden ist, nicht hoch, sie kann nicht verdunsten, die Feuchtigkeit bleibt im Boden.

Jens Bauersfeld

Aber das ersetzt natürlich den dringend benötigten Regen nicht. Den brauchen die Böden gerade am meisten, damit sie sich mal so richtig vollsaugen können.  

2 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 9 Wochen

Naja, eher utopisch werter Mitforist.
Der Bedarf an Wasser ist einfach zu groß als das man das in Massen importieren könnte (einfach mal darüber nachdenken wie viel Wasser man so braucht täglich und da sind wir deutschen ja schon recht sparsam im Vergleich). Damit kann man keine Felder gießen ...

Aber grundsätzlich ist das eine Chance für die Länder dort, sich selbst Wasser zu "erzeugen".

wer auch immer vor 9 Wochen

Wasser gibt es genug auf der Erde.
Die Arabischen oder Afrikanischen könnten mit Hilfe der Solarenergie Wasserentsalzungsanlagen bauen. Das Salz kann in der so riesig großen Wüste abgelagert werden.
Dann exportieren diese Länder kein Öl, Gold oder Diamanten sondern Trinkwasser.
Das wird einmal ähnliche Preise erzielen.