Klimakarte Mitteldeutschland Hitze und Trockenheit: Der Klimawandel passiert jetzt

Auf das heiße und trockene 2018, folgte ein fast genauso heißes und nur geringfügig feuchteres 2019. Die neue Version der interaktiven Klimakarte für Mitteldeutschland macht deutlich: Der Klimawandel passiert jetzt.

Titelgrafik zur interaktiven Klimakarte Mitteldeutschlands
Bildrechte: MDR Wissen

2018 war ein extremes Hitze- und Dürrejahr. Eineinhalb Jahre später zeigt der Rückblick allerdings: Es war keine einsame Ausnahme. Auch im Jahr 2019 war es in Deutschland durchschnittlich zwei Grad Celsius wärmer, als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. In Sachsen war es sogar noch wärmer. Damit waren beide Jahre so warm, wie das Weltklima bis zum Ende des 21. Jahrhundes insgesamt maximal werden soll, wenn die Ziele aus dem Pariser Klimaschutzabkommen eingehalten werden.

ICCP Klimaszenarien in der interaktiven Klimakarte.

In Mitteldeutschland haben Gärtner und Landwirte, Förster und Binnenschiffer die Auswirkungen des gegenwärtigen Klimawandels am heftigsten bemerkt. Das wird sich ohne einen deutlich stärkeren Klimaschutz in Zukunft nicht bessern, sagen Klimaforscher.

Was die Wissenschaftler aufgrund ihrer Modelle für die Zukunft berechnen, lässt sich hier für Mitteldeutschland auf der interaktiven Klimakarte von MDR Wissen nachvollziehen. Sie zeigt genau auf, wie kalt die Winter und wie heiß die Sommer der Vergangenheit waren. Für die Zukunft stellt sie auf Basis von Projektionen dar, um wie viel Grad die Temperaturen im Durchschnitt über 30 Jahre weiter steigen könnten.

2018 und 2019 zeigen, was ab 2050 der Normalfall sein könnte

Vergleicht man 2018 und 2019 auf der Klimakarte mit vorangegangenen Jahren, sind die höheren Temperaturen und geringeren Niederschläge deutlich zu sehen. Beide Sommer waren deutlich wärmer als die Jahre zuvor. Sie haben außerdem bereits die Höchstwerte übertroffen, auf die der Klimawandel durch engagierte Gegenmaßnahmen begrenzt werden soll.

Da diese Maßnahmen gegen den Klimawandel bislang größtenteils nur auf dem Papier existieren, rechnen Klimaforscher für die Zukunft inzwischen mit verschiedenen Szenarien und Modellen. Die Projektion des zukünftigen Klimas, die auf der interaktiven Klimakarte dargestellt wird, wurde mit einem Mix dieser Verfahren berechnet. Die Daten aus der Vergangenheit wurden von offiziellen Wetterstationen aufgezeichnet.

Die verschiedenen Klimaszenarien für Mitteldeutschland

Datenrecherche und Berechnungen für die Karte haben Klimatologen bei den Landesumweltämtern von Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen durchgeführt. Die Ämter arbeiten im Regionalen Klimainformationssystem ReKIS zusammen. Da die Menschheit sich noch für oder gegen den Klimaschutz entscheiden kann, haben die Klimatologen für die Zukunft verschiedene Szenarien angewendet.

Betrachtet man auf der Karte Details zu einem bestimmten Ort, sieht man, dass die Werte für die Zukunft in einem breiten Bereich liegen. Am unteren Ende davon steht das sogenannte RCP 2.6 Modell des Weltklimarates (IPCC). Es geht davon aus, dass ein engagierter Klimaschutz gelingt und die Pariser Klimaziele erreicht werden können. Geht aber die Emission von Treibhausgasen wie CO2 ungebremst weiter, dann tritt RCP 8.5 ein. Es stellt die obere Linie dar. Da auf der Karte nur ein konkreter Wert gezeigt werden kann, haben wir uns für den Mittelwert der beiden Pfade entschieden.

Grundlage der Klimaprojektionen sind aufgezeichnete Messwerte und Simulationen

Die auf der Karte gezeigten Klimaprojektionen, wurden in einem mehrstufigen Verfahren berechnet. In einem sogenannten Erdsystemmodell wurden verschiedenen Klimaszenarien für die ganze Erde simuliert. Diese Modell wird auf Basis aktueller Forschungsergebnisse vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg laufend weiterentwickelt. Es ist sozusagen das Simulations-Programm, mit dem sich bestimmen lässt, wie sich die Temperaturen in der Atmosphäre, in den Ozeanen aber auch über dem Eis von Nord- und Südpol und den Berggletschern weiter entwickeln werden, je nachdem, wie viel CO2 die Menschheit weiterhin ausstößt.

Im nächsten Schritt wurden verschiedene physikalische Prozesse simuliert, um regionale Details zu berechnen, wie zum Beispiel Luft- und Gewässerströmungen, um die Effekte verschiedener Landnutzungen einzubeziehen und so weiter. Anschließend wurden die Wetteraufzeichnungen aus der Vergangenheit statistisch analysiert. Wie würde sich das Wetter entwickeln, wenn die beobachteten Trends einfach fortgesetzt werden?

Klimawandel in Mitteldeutschland: Noch mehr Hitze und Trockenheit

Im Ergebnis zeigt sich, es könnte künftig noch deutlich trockener werden in Mitteldeutschland. Im Landkreis Leipzig beispielsweise könnte zwischen 2070 und 2100 im Schnitt bis zu 20 Prozent weniger Regen fallen, als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Für die Landwirtschaft hätte das katastrophale Folgen. Die Daten zeigen allerdings auch: 2018 und 2019 waren so heiß und trocken, wie es die Klimaforscher eigentlich erst für die Jahre ab 2050 erwarten.

0 Kommentare