Nahaufnahme einer Wanderheuschrecke. Jenaer Forschende haben das Schwarmverhalten von Wanderheuschrecken untersucht.
Nahaufnahme einer Wanderheuschrecke. Jenaer Forschende haben das Schwarmverhalten von Wanderheuschrecken untersucht. Bildrechte: Max Planck Institute for Chemical Ecology/Benjamin Fabian

Wissen-News MPI Jena: Geruchswahrnehmung bei Wanderheuschrecken ringförmig angeordnet

19. Juni 2024, 14:10 Uhr

Ein Jenaer Forscherteam hat gezeigt, dass chemische Informationen im Gehirn von Wanderheuschrecken anders dargestellt werden als bei anderen Tieren. Dadurch lässt sich auch ihr Schwarmverhalten besser verstehen.

Forschende des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena haben die Europäische Wanderheuschrecke Locusta migratoria genauer untersucht, ein ökonomisch bedeutsamer Ernteschädling, der bereits in der Bibel erwähnt wird ("Heuschreckenplage"). Trotz ihres Namens kommt die Wanderheuschrecke in Europa kaum vor, während sie in Afrika und Asien nicht nur Schäden in Millionenhöhe anrichtet, sondern auch fatale Folgen für die dort lebenden Menschen hat, weil sie deren Nahrungs- und Existenzgrundlage bedroht. 

Glomeruläre Anordnung wichtig für Geruchssinn

Wanderheuschrecken unterscheiden sich von anderen Insekten im anatomischen Aufbau ihres Riechhirns, dem Antennallobus, der Geruchsinformationen von der Antenne empfängt und verarbeitet. Die Jenaer Experten haben analysiert, wie die Tiere Düfte wahrnehmen und diese in ihrem Gehirn verarbeiten. "Unsere Ergebnisse zeigen eine ungewöhnliche funktionelle ringförmige Organisation des Antennallobus, die aus spezifischen glomerulären Clustern besteht", erklärt die Studienautorin Silke Sachse. Glomeruli sind die strukturellen und funktionellen Einheiten im Antennallobus. "Diese glomeruläre Anordnung ist während der gesamten Entwicklung vorhanden, und das Muster der Geruchskodierung innerhalb der Population ist in allen Entwicklungsstadien, von ersten Nymphenstadium bis zur adulten Heuschrecke, konsistent."

Wie Insekten Gerüche wahrnehmen und verarbeiten und wie sich die Geruchswahrnehmung letztlich auf ihr Verhalten auswirkt, ist laut den MPI-Forschenden wichtig für ein tieferes Verständnis der ökologischen Wechselwirkungen von Insekten mit ihrer Umwelt. Dies kann beispielsweise helfen, die Bekämpfung von Ernteschädlingen wie den Wanderheuschrecken zu optimieren. "Wir glauben, dass ein besseres Verständnis der Geruchsverarbeitung im Riechhirn unser Wissen über die neuronale Modulation, die zum Beispiel auch der Schwarmbildung bei Heuschrecken zugrunde liegt, erheblich erweitern wird", resümiert Bill Hansson, ein weiterer Studienautor.

cdi/pm

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 10. Juni 2024 | 17:13 Uhr

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