Die Jazz-Musiker der Meere Ganz schön groovy Grönlandwale

Walgesänge faszinieren uns, seit wir sie vor gut 50 Jahren das erste Mal gehört haben. Jetzt haben US-Forscher ganz neue Sounds aufgenommen, bei Grönlandwalen.

Grönlandwal schwimmt in der „Farm Strait“
Bildrechte: Kit Kovacs/Norwegian Polar Institute

Grönlandwale galten lange als “Gemeine Wale“, so häufig waren sie, und fast hätten wir sie ausgerottet. Zum Glück wurden die Tiere, die über 200 Jahre alt werden können, 1931 als erste wildlebende Art überhaupt vom damaligen Völkerbund unter Schutz gestellt. Denn sonst hätten wir nicht nur eine besondere Tierart verloren, sondern auch die vielleicht kreativsten Sänger der Meere. Aber der Reihe nach.

50 Jahre Walgesang

Dass Wale singen, wissen wir, seit die amerikanischen Zoologen Roger Payne und Scott McVay ab 1967 Buckelwale belauschten. Die erste Platte mit Walgesängen erschien 1970, ein Jahr später das wissenschaftliche Werk dazu. Seither hören wir die Walgesänge überall. Sie wurden in Songs verarbeitet (z.B. im Projekt Deep Voices 1975) oder in Filmen (legendär „Star Trek IV: Zurück in die Vergangenheit“) und sollen helfen, uns zu mehr Umweltschutz zu inspirieren, wie beim Walsong-Projekt.

Die Forschungen der Ozeanographin Kate Stafford von der University of Washington/USA könnten helfen, diese Inspiration zu stärken. Sie hat von 2010 bis 2014 den Gesang der Grönlandwale in der Farmstraße östlich von Grönland untersucht und Erstaunliches entdeckt.

Grönlandwale singen laut, 24 Stunden am Tag, von November bis April. Und sie singen viele, viele verschiedene Lieder.

Kate Stafford, University of Washington

Die Ergebnisse haben Stafford und Kollegen vom Norwegischen Polarinstitut Tromsø und der University of Oslo/Natural History Museum jetzt in Biology Letters, dem Journal der United Kingdom’s Royal Society, veröffentlicht. Ganz unwissenschaftlich würde sie sie so zusammenfassen: “Wenn die Songs der Buckelwale Klassik sind, dann sind Grönlandwale Jazz.“ Insgesamt 184 verschiedene Songs konnten die Forscher ausmachen. Sie verglichen sie deshalb sogar mit den nur in Nordamerika lebenden Singvögeln wie den Kuh- oder Lerchenstärlingen. Doch noch wichtiger war die Erkenntnis: Die Vielfalt der Lieder und musikalischen Phrasen unterscheidet die Tiere deutlich von den Buckelwalen. Jedes Jahr kamen ganz neue Gesänge hinzu, die alten wurden nicht wiederholt.

Das ist alles faszinierend. Doch eigentlich geht die Forschung jetzt erst los. Denn, warum die Grönlandwale so viel singen, ist völlig unbekannt. Auch, wer da singt – Weibchen oder Männchen – wissen die Forscher noch nicht. Übernehmen die Tiere Melodien von anderen? Und vor allem die eine Frage interessiert die Forscher, so Stafford.

Warum ändern sie ihre Lieder so sehr. In der Verhaltensökologie ist das ein großes Mysterium.

Kate Stafford

Wal der Superlative Grönlandwale sind sehr außergewöhnliche Tiere, so Ozeanographin Kate Stafford. Sie können über 200 Jahre alt werden, haben die längsten Barten, den dicksten Speckmantel und sie sind sogar in der Lage, durch Eis zu brechen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR Radio | 04. April 2018 | 13:30 Uhr