Dürremonitor Experten warnen: Ohne Regen drohen 2020 Missernten

Wetter-Experten zeichnen ein düsteres Bild für 2020: Wenn es nicht bald monatelang am Stück regnet, wird es Essig mit der Ernte 2020 in Deutschland. Denn in tiefen Erdschichten fehlt es an Wasser.

Vertrocknete Kartoffelpflanzen
Verdorrte Kartoffelpflanzen im Sommer 2018 Bildrechte: imago images / Marianne Müller

Ohne baldigen massiven Regen drohen 2020 regional erneut Missernten, warnen Experten vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Denn der ein oder andere Schauer am Wochenende oder in der Woche ersetzt nicht das, was die Böden in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Ostbayern dringend brauchen: Langanhaltende und großflächige Niederschläge, die den Boden tief gehend wässern. Denn in diesen Regionen ist das Defizit aus den extremen Trockenperioden 2018/2019 sogar in 1,80 Meter Tiefe noch lange nicht ausgeglichen. Regional fehlt dem DWD zufolge zusammengerechnet so viel Regen, wie sonst in einem Jahr fällt.

Grafik zur Dürre
Links: Niederschläge, helle Farben kaum, dunkle Färbung starke Niederschläge. Rechts: Zunehmende Trockenheit von gelb nach rot aufsteigend Bildrechte: MDR/ DWD

Luftige Böden - Schnelle Verdunstung

Die Wissenschaftler schauen mit Sorge auf die kommenden Wochen und Monate: Dann entscheidet sich, wie das Erntejahr 2020 wird. Mit zunehmenden Sonnentagen und zunehmender Sonnenkraft im Jahresverlauf verdunstet dann in den oberen Erdschichten auch wieder das Wasser. Besonders betroffen sind dann Regionen mit Sandböden wie zwischen Lüneburger Heide bis zur Oder und Neiße: Der Oberboden, also die oberste und fruchtbarste Erdschicht, reagiert zwar vergleichsweise schnell auf kurzfristige Niederschlagsereignisse. Wo der Boden sandig und durchlässig ist, dringt das Wasser zwar schnell ein - aber es verdunstet eben auch leicht wieder. Im Gegensatz zu Regionen mit Lehmboden, der das Wasser tatsächlich speichert.

Die Grafik zeigt den Verlauf der Dürre 2019: gelb - ungewöhnlich trocken
beige - moderate Dürre
orange - schwere Dürre
rot - extreme Dürre
lilabraun - außergewöhnliche Dürre

Zu viel Niederschlag kann dabei genauso gefährlich werden, wenn er bei einer Extremwetterlage in kurzer Zeit fällt. "Der Trend zu stark meridional geprägten Wetterlagen mit nur vereinzelten, dann aber lokal heftigen Starkregenfällen im Sommerhalbjahr lässt für die besonders betroffenen Regionen auch 2020 Schlimmes befürchten", schreibt DWD-Metorologe Robert Hausen in einer Mitteilung des Deutschen Wetterdienstes.

Umstieg auf Sorten, die Hitze aushalten

Trockener Kartoffel-Acker  (einzelne Kartoffeln liegen auf trockenem Boden) 45 min
Trockener Kartoffel-Acker Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs

MDR Wissen So 13.10.2019 22:00Uhr 44:55 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Wie sich die anhaltende Trockenheit, von der Experten ausgehen, auf die Land- und Forstwirtschaft langfristig auswirkt, kann keiner sagen. Experimentiert wird jedenfalls schon - in der Landwirtschaft, die anfängt mit hitzeresistenten Getreidearten zu arbeiten, oder in der Forstwirtschaft, wo zum einen vermehrt auf Mischwälder, zum anderen auf Baumarten wie die Douglasie oder die nordamerikanische Küstentanne gesetzt wird.

Wie sich sich diese Strategien dann wieder auf das Ökosystem als Ganzes auswirken werden, lässt sich ebenfalls nicht vorhersagen. Die "Nebenwirkungen" von Mischwäldern sind allerdings schon untersucht und bekannt - sie sind widerstandsfähiger gegen Schädlinge und verkraften Trockenjahre besser.

Quelle: dwd/lfw

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 14. Januar 2020 | 19:07 Uhr

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