Johnson & Johnson Thrombosen nach Corona-Impfung: Vektorviren als Ursache wahrscheinlicher

Wie zuvor bei Astrazeneca sind nun auch beim Impfstoff von Johnson & Johnson in seltenen Fällen Sinusvenenthrombosen aufgetreten. Forscher vermuten, dass die Adeno-Impfviren die Ursache der Nebenwirkung sind.

Einwegspritze und Impfdose mit Impfstoff zur Injektion mit einer Kanüle.
Auch der Johnson & Johnson Impfstoff scheint in seltenen Fällen schwere Thrombosen auszulösen (Symbolfoto). Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Mediziner vermuten, dass die Thrombosen, die nach Impfungen in sehr wenigen Fällen aufgetreten sind, in einem Zusammenhang mit den Vektorviren stehen. Sowohl bei Astrazeneca als auch bei Johnson & Johnson werden solche Viren vom Typ Adenovirus quasi als Transportbehälter eingesetzt. Die eigentlich harmlosen Erkältungsviren bringen ein Stück Erbgut vom Sars-Coronavirus-2 in den Menschen. Dort wird dadurch eine Immunantwort ausgelöst, die später beim Kontakt mit dem echten Sars-CoV-2 schützt.

Mechanismus der Nebenwirkung teilweise bekannt

Nach der Impfung mit Johnson & Johnson sind jetzt in den USA wie zuvor auch schon in Europa in einigen wenigen Fällen Sinusvenenthrombosen aufgetreten. In den USA waren sechs junge Frauen im Alter von 18 bis 48 Jahren betroffen. 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffs waren zuvor ausgegeben worden. In Deutschland trat diese Nebenwirkung nach einer Impfung mit Astrazeneca nach aktueller Datenlage beim Paul-Ehrlich-Institut bei 46 Menschen auf. 39 davon waren Frauen im Alter von 20 bis 66 Jahren, die Männer waren 24 bis 58 Jahre alt. In Deutschland waren fünf Frauen und drei Männer an den Thrombosen gestorben.

Wie genau der Mechanismus hinter der Thrombosebildung ausgelöst wird, wissen die Forscher bislang noch nicht. Professor Andreas Greinacher von der Universität Greifswald hat mit seinen Kollegen aber den Ablauf bereits sehr genau beschrieben und zwei Testverfahren sowie Möglichkeiten zur Therapie gezeigt. Bei den Betroffenen wird demnach ein bestimmter Auto-Immunantikörper gebildet, der an ein Blutplättchen (Plättchenfaktor 4) bindet und für eine Aktivierung der Blutgerinnung sorgt. In der Folge kommt es zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben), die auch die Blutplättchen binden und so im übrigen Körper für einen Plättchenmangel sorgen. Der kann sich durch Nasenbluten oder Einblutungen in der Haut zeigen.

Sinusvenenthrombosen können behandelt und tödliche Folgen verhindert werden

Wie die Adenoviren diese Reaktionskette auslösen könnten, ist nach wie vor unbekannt. "Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist", sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn. Allerdings sei das nur eine Vermutung. Bestätigt sich dieser Verdacht, wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der russische Impfstoff Sputnik V betroffen.

Kommt es etwa vier bis sechs Tage nach einer Impfung zu anhaltenden Kopfschmerzen und Übelkeit, kann der Antikörper mit einem Screeningtest und einem Bestätigungstest nachgewiesen und die Thrombosen mit Immunglobulinen und Blutverdünnungsmitteln aufgelöst werden. So lassen sich schwere und tödliche Folgen verhindern.

Johnson & Johnson sowie Astrazeneca sind wichtige Bausteine der bisherigen Planung der Impfkampagne. Im Gegensatz zu den mRNA Impfstoffen können sie lange bei Kühlschranktemperaturen gelagert und damit auch einfacher durch Hausärzte verimpft werden. Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist zudem für eine einzige Impfdosis ausgelegt. Er sollte die Immunisierung der Bevölkerung erheblich beschleunigen.

EU will sich auf mRNA Impfstoffe konzentrieren

Der US-Konzern Johnson & Johnson hat die Auslieferung seines Covid-Impfstoffs an die Europäische Union verschoben, nachdem zuvor die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA einen Stopp der Impfungen mit dem Vakzin in den USA empfohlen hatte. Die EU Kommission will daher künftig nur noch mRNA Impfstoffe wie die von Biontech/Pfizer und Moderna einkaufen.

(ens)

1 Kommentar

KalterBrunnen vor 9 Wochen

Dänemark stellt die Impfung mit Astrazeneca dauerhaft ein. Das nenne ich im Interesse der Bevölkerung. Wird bei uns nicht kommen, oder?