Zahnmedizin Darum schmerzt der Eiscreme-Biss so oft an den Zähnen

Kennen Sie das Gefühl, wie Sie innerlich zusammenzucken, wenn jemand mit großen Bissen sein Eis mit den Zähnen abbeißt? Für etwa ein Drittel der Bevölkerung ist allein die Vorstellung davon schon fast schmerzhaft. Überempfindliche Zähne sind ein sehr weit verbreitetes Problem und so richtig gibt es dafür bislang keine Lösung. Noch nicht. Denn einem Forschungsteam aus Süddeutschland ist es nun gelungen, den Auslöser für den blitzartigen Schmerz exakt zu lokalisieren.

Unsere Zähne bilden sich zweimal im Leben und sie sind extrem wichtig für uns. Zähne bestehen aus dem härtesten Gewebe, das wir im Körper haben und das wird von den sogenannten Odontoblasten gebildet. Odontoblasten heißen die Zellen, die in unserem Zahninneren sitzen. Einmal im Leben werden sie angelegt und können sich nicht regenerieren. Deshalb schützen sie sich durch eine von ihnen gebildete Hartsubstanz. Dentin, oder auch das Zahnbein. Das wiederum wird vom Zahnschmelz umgeben.

Ist der Zahnschmelz kaputt oder liegt der Zahnhals frei, weil das Zahnfleisch ihn nicht mehr schützt, dann wird es schnell sehr schmerzhaft. Ein Forschungsteam rund um die Professorin Katharina Zimmermann von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat jetzt herausgefunden, warum genau.

Zahn soll vor Zerstörung geschützt werden

Der Schlüssel zum plötzlichen Schmerz bei kalten oder heißen Speisen liegt in einem ganz bestimmten Kältesensor-Kanal: TRPC5. Der elektrische Impuls, den TRPC5 an das Gehirn weiterleitet, ist es, der uns reflexartig zusammenzucken lässt, wenn der Eiswürfel versehentlich den Zahn berührt. Und natürlich dient dieser Schmerz auch eigentlich einem Zweck – denn einmal kaputt, immer kaputt.

Katharina Zimmermann: "Und deswegen ist der Zahnreflex, den sie auslösen, der stärkste Abwehrreflex im Körper. Die Natur hat offensichtlich ein großes Interesse dran gehabt, im Zahn ein besonders effizientes System zu installieren, das den Zahn vor Zerstörung schützt." Der Körper versucht also die "heiligen" Zähne zu schützen und uns zu signalisieren: Achtung, hier nicht weiter, sonst gibt's bald nur noch Suppe und Brei.

Auch ein Hausmittelchen kann helfen

Aber wie können wir den Zähnen in dieser Notlage akut helfen? Zum einen durch die altbewährten Tipps von der Zahnärztin oder dem Zahnarzt. Prof. Christian Gernhardt von der Universitätszahnklinik in Halle erklärt: "Die Therapiestrategie sieht eigentlich folgendermaßen aus: Erstens Prophylaxe, dass es erst gar nicht zu diesen schmerzempfindlichen Zahnhälsen kommt. Zweitens eine sogenannte minimalinvasive Therapie in der häuslichen Umgebung, das heißt mit geeigneten Mundhygienepräparaten, Spüllösungen. Und wenn das nicht hilft, dann die Behandlung in der zahnärztlichen Praxis."

Ein Fläschchen Nelkenöl und Gewürznelken auf Löffel, weitere Gewürznelken verstreut
Altes Hausmittel, dessen Wirksamkeit bestätigt ist: Das Öl aus Gewürznelken hilft bei Zahnschmerzen. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Und durch die neue Erkenntnis von Professorin Zimmermann und ihrem Team könnte es auch bald wirksame Mittel geben, die gezielt den Sensor TRPC5 blockieren könnten. Ganz nebenbei haben die Forschenden rausgefunden, dass ein altes Hausmittelchen bereits genau das macht: "Also das alte Hausmittel, das der Zahnarzt einem rät, auf eine Nelke zu beißen bei Zahnschmerzen, das könnte deswegen so gut helfen, weil wir eben rausgefunden haben, dass das Nelkenöl, also der Hauptbestandteil Eugenol, den TRPC5-Kanal sehr gut blockiert." Bis die Medizin mit dem Kältesensorblocker soweit ist, könnte man also auch mal Eiscreme mit Nelkenöl probieren.

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