Spinnentiere Achtung, die Zecken sind wach!

Wo sind aktuelle Risikogebiete für Zecken mit FSME- oder Borreliose-Erregern? Wie entwickeln sich die Infektionszahlen im Laufe des Jahres? Gibt es saisonale Schwerpunkte? Und was ist mit den neuen Zeckenarten? Ein Überblick.

Eine Zecke sitzt auf einem Grashalm.
Mitte März werden bei entsprechenden Temperaturen auch die letzten Zecken wach ... und hungrig. Bildrechte: www.zecken.de

Nicht nur der Mensch, auch die Zecke blüht bei frühlingshaften Temperaturen auf. Aber nicht nur Menschen, die es in die freie Natur in Wälder zieht, müssen sich vor den kleinen Blutsaugern in Acht nehmen. Auch in städtischen Parks oder im eigenen Garten werden die Spinnentiere munter, mahnt Christine Klaus, Fachtierärztin für Mikrobiologie und Parasitologie am Friedrich-Loeffler-Institut in Jena. "Richtig wohl fühlen sich die kleinen Spinnentiere bei einer Lufttemperatur um die 18, 19 Grad und einer Bodentemperatur von 13 bis 15 Grad." Aber bereits wenn es acht Grad sind, müsse man mit Zeckenaktivität rechnen. Und es kommt noch ärger: "Wir haben sogar schon Aktivität bei etwa drei Grad feststellen können," sagt Christine Klaus. Die frühlingshaften Temperaturen mit 20 Grad Mitte März werden nun vermutlich auch das verschlafenste Spinnentier aktivieren.

Es gibt neue Zecken-Risikogebiete

Da die kleinen Sauger verschiedene Krankheitserreger auf Menschen übertragen können, unter anderem Borreliose und FSME, sammelt das Robert Koch-Institut bundesweit Daten über Erkrankungen. Aus den Meldungen lassen sich nämlich Risikogebiete ablesen, in denen Zecken mit Borrelien vorkommen oder mit FSME-Erregern. Denn nicht alle Zecken sind automatisch Krankheitsüberträger. Manche sind einfach nur Blutsauger, die nach einer Mahlzeit satt und zufrieden von unserer Haut abfallen oder von uns abgestreift werden.

Aber wo kommen nun die fiesen Exemplare vor, wo muss man sich beim Spazierengehen und Wandern besonders hüten? Dem RKI zufolge besteht in Deutschland ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Insgesamt sind 175 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert, in Sachsen seit diesem Jahr erstmals der Landkreis Görlitz und die Stadt Chemnitz. Die meisten Erkrankungen verzeichnet das RKI bei Menschen zwischen 40 und 70 Jahren, wobei mehr Infektionen bei Männern als Frauen festgestellt wurden.

Wie verläuft eine FSME-Erkrankung? Sie beginnt mit unspezifischen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen und Fieber, die Inkubationszeit beträgt meist sieben bis 14 Tage. Nach einer meist symptomfreien Woche zeigen sich dann die spezifischen neurologischen FSME-Ausprägungen wie Entzündungen der Hirnhaut oder des Rückenmarks.

Eine Socke wird über ein Hosenbein gezogen
Die Socke über dem Hosenbein erschwert der Zecke im Gras den Zugang zur Haut. Bildrechte: www.zecken.de

Das RKI schätzt, dass 70–95 Prozent der Infektionen ohne Symptome verlaufen oder eine zweite Krankheitsphase verlaufen. Im Jahr 2021 wurden laut RKI deutschlandweit 390 FSME-Erkrankungen erfasst, etwa 45 Prozent weniger als noch 2020. In 338 Fällen erfolgte die Infektion in Deutschland, für die übrigen Erkrankungen wurden mehrfach Österreich, aber auch Schweden, Ägypten, Estland, Frankreich, Kroatien und die Schweiz genannt. Bezogen auf die Regionen stammten zwölf Fälle aus Thüringen, zehn aus Sachsen und einer aus Sachsen-Anhalt. Nicht mehr als FSME-Gebiet gelten in Sachsen jetzt die Stadt Leipzig, sowie der Landkreis Leipzig und der Landkreis Nordsachsen.

Zecken übertragen nicht nur FSME

Zecken können nicht nur FSME übertragen, sondern auch Borreliose-Erreger. Dabei gibt es einen kleinen Unterschied: Borrelien werden erst nach Stunden, während die Zecke Blut saugt, übertragen. FSME-Erreger werden dagegen gleich am Anfang übertragen. Gibt es auch spezielle Gebiete, in denen Zecken besonders häufig mit Borrelien infiziert sind?

Allerdings melden nicht alle Bundesländer ihre Borreliose-Erfassungen an das RKI. 2021 gab es in Thüringen weniger Fälle, in Sachsen und Sachsen-Anhalt dagegen mehr als im Vorjahr. Hinter den Schwankungen stecken verschiedene Faktoren, wie das Wetter, das Mikroklima am Boden, die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur. Sie alle beeinflussen das Zeckenvorkommen, zusammen mit biologischen Faktoren, nämlich der Menge der Wirtstiere und deren Infektionsrate mit Borrelien.

Wie kann man sich vor Infektionen schützen?

Familie beim Wandern zu dritt
Luftig wandern ist zwar bei Hitze praktisch, aber auch eine appetitliche Einladung an hungrige Zecken. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Gegen FSME kann man sich vorbeugend mit einer Impfung schützen. Sinnvoll laut RKI für die Einwohner von FSME-Gebieten, aber auch, wenn in solchen Regionen Urlaub gemacht wird. Gegen Borreliose-Infektionen ist noch kein "medizinisches Kraut" gewachsen. Hilfreich und empfehlenswert gegen jede Art von Zeckenstich ist in jedem Fall Kleidung, die den Spinnentieren den Zugang zur Haut erschwert.

Nach Wanderungen, die durch Wiesen oder Felder mit hohen Gräsern führen, nicht nur die Haut absuchen, auch die Kleidung von innen genau angucken. Manchmal krallen sich die Achtbeiner auch in Nähten fest und warten auf den richtigen Moment, sich in die Haut zu bohren. Besonders gern stechen die Zecken an Stellen am Körper, die wir selbst nur schwer kontrollieren können, wie unter den Haaren an der Kopfhaut, in den Kniekehlen, in den Achseln. Wann sich Wandersleute besonders akribisch absuchen sollten, zeigt die folgende Karte:

Zeckenforschung unterstützen?

Wer eine Zecke findet, kann sie an das Citizen Science Projekt Zeckenatlas Deutschland, kurz ZEPAK, in Berlin schicken. (Zepak steht für Zecken und ihre Pathogene im Klimawandel.) Anhand der Bestimmung der eingeschickten Zecke und der Angabe des Fundortes entsteht ein genaueres Bild darüber, wo welche Zeckenarten auftreten. Auf der Seite finden Sie auch ein PDF mit allen Angaben, die für die Einsendung gebraucht werden.

Ein Mann liegt auf einer Wiese
Kleidungsmäßig alles richtiggemacht. Allerdings wäre eine Decke unten drunter vielleicht eine gute Idee... Bildrechte: imago images/Westend61

Was ist mit den tropischen Jagdzecken?

Seit ein paar Jahren breiten sich in Deutschland neue Zeckenarten aus. Wie zum Beispiel die tropische Hyalomma. Sie ist viel größer als der gemeine Holzbock, sie geht auf die Jagd und sie hat neue, gefährliche Krankheiten im Gepäck. Bereits 2019 ist ein erster Fleckfieber-Fall durch diese Zeckenart bekannt geworden.

Auch die braune Hundezecke, die eigentlich am Mittelmeer heimisch ist, wurde in den letzten Jahren in Deutschland nachgewiesen, selbst bei Hunden, die nie ihren Hof verlassen hatten, so Zeckenforscherin Prof. Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim. Sie kann sowohl Hunde als auch Menschen krankmachen. Den Menschen infiziert sie mit dem Mittelmeerfleckfieber und den Hund mit Ehrlichiose und Babesiose (auch als Hundemalaria bekannt). Ehrlichiose ist eine schleichende Krankheit, bei der die Immunabwehr des Hundes geschwächt wird, es zeigt sich u.a. durch Nasenbluten, Blut in Kot und Urin, sowie andauernde Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und häufiges Fieber.

Links/Studien

Alle Daten finden Sie hier im PDF des Epidemiologischen Bulletins des Robert Koch-Institutes.

(lfw/rr)