Jungfernflug vor 90 Jahren "Tante Ju": Die Luftfahrt-Legende kommt aus dem Osten

Das Flugzeug mit dem Spitznamen "Tante Ju" war ein Alleskönner. Seit dem Jungfernflug im Jahr 1930 war es in der ganzen Welt unterwegs, transportierte Passagiere der Lufthansa und flog im Zweiten Weltkrieg als Bomber. Vor 90 Jahren hob die "Tante Ju" das erste Mal in Dessau ab. Damit begann die Erfolgsgeschichte eines der bekanntesten Flugzeuge der Luftfahrtgeschichte in Ostdeutschland.

Eine Junkers Ju 52 hebt ab. Das Bild zeigt eine Ju 52 auf dem Oldtimer Fliegertreffen Hahnweide im Jahr 2013.
Der wohl bekannteste Flugzeug-Oldtimer hebt ab. Die Junkers 52 mit dem Spitznamen "Tante Ju" steuert gen Himmel auf dem Oldtimer Fliegertreffen Hahnweide im Jahr 2013. Bildrechte: dpa

Die Innovation aus Dessau

Am 11. September 1930 hatte das Flugzeugmodell Ju 52 mit dem Spitznamen "Tante Ju" seinen Jungfernflug. Von Anfang an erfreute sich die Maschine großer Beliebtheit. Die Konstrukteure vom Flugzeugwerk in Dessau unter Luftfahrtpionier Hugo Junkers schafften ein Modell, welches sich sowohl für zivile Zwecke als auch für Militäreinsätze nutzen ließ. Im Jahr 1930 begann die Produktion unter dem Namen Ju 52/1m zunächst als Frachtflugzeug. Obwohl die Maschine aus wirtschaftlichen Gründen nur mit einem Motor ausgestattet wurde, war ihre Leistung beachtlich: Sie konnte bis zu zwei Tonnen Fracht transportieren und flog bis zu 192 Kilometer pro Stunde. Somit war "Tante Ju" eine Sensation in der damaligen Zeit, denn keine andere Transportmaschine erreichte diese Leistung.

Auf dem Bild ist eine Ju 52 zu sehen. Die Maschine gehörte zur Lufthansa und hat den Aufdruck "D - AQUI".
Der Propeller sorgt für ein sonores Brummen am Himmel. Die Junker Ju 52 hat die historische Kennung D-AQUI, wurde von der Junker Flugwerk AG produziert und gehörte zur Lufthansa. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus 1 mach 3 - mehr Power für Ju 52

Dem einmotorigen Modell folgte schon 1931 eine leistungsstärkere Version: Mit drei Motoren ausgestattet, wurde die verbesserte "Tante Ju" zum Verkaufsschlager des Dessauer Flugzeugwerks. Als "Ju 52/3m" wurde sie zur seinerzeit meistverbreiteten Verkehrsmaschine weltweit. Das einstige Frachtflugzeug mauserte sich in seiner Neuauflage zu einem Passagierflugzeug, das kaum Wünsche offenließ: In der neuen "Tante Ju" nahmen bis zu 17 Personen Platz. Es gab eine Lüftung und eine Heizung, einen Waschraum und eine Toilette, dazu ausreichend Stauraum für Reisegepäck und Postfracht sowie eine Funkausrüstung in der Pilotenkabine. Obendrein flog die neue "Tante Ju" fast 100 Stundenkilometer schneller als ihre einmotorige Vorgängerin.

Medienvertreter betrachten und fotografieren 2018 die Kabine eines Ju-Air Flugzeugs vom Typ Junkers JU-52/3m bei einer Pressekonferenz.
Das erste Modell der "Tante Ju" war einmotorig und als Frachtflugzeug gedacht. Das weiterentwickelte Modell der "Tante Ju" hatte drei Motoren, Platz für 17 Passagiere und viel Stauraum für Gepäck und Fracht. Es wurde ab 1931 produziert. Bildrechte: dpa

Mit dieser Ausstattung, die gezielt auf die Bedürfnisse des Passagierlinienverkehrs ausgerichtet wurden, war sie für die Lufthansa besonders interessant. Im Jahr 1932 erhielt die Fluggesellschaft ihr erstes Junkers-Flugzeug. Nachdem es sich als außerordentlich zuverlässig herausgestellt hatte, wählte die Lufthansa die Junkers Ju 52/3m als Standard-Flugzeugtyp und kaufte im gleichen Jahr über zehn Stück. Bis 1938 dominierte "Tante Ju" etwa 80 Prozent des gesamten Luftverkehrs. Auch Fluggesellschaften aus Ländern wie Italien, Polen, Peru und Bolivien nutzen die Ju 52/3m.

"Tante Ju" im Zweiten Weltkrieg

Nach der Machtergreifung der Nazis erkannte auch das Militär das Potential der "Tante Ju". Die patentierten Doppelflügel sorgten dafür, dass sie auch bei hohem Fluggewicht und schwierigen Bedingungen zu einer sicheren Landung kam. Sollte es durch technische Störungen oder schlechtes Wetter tatsächlich zu einer Not- oder Bruchlandung kommen, war das Flugzeugmodell dank des robusten Fahrwerks äußerst sicher.

Hugo Junkers weigerte sich aber, seine Junkers-Werke in den Dienst der Kriegsrüstung zu stellen. Unter Druck musste er bereits 1933 seine Anteile aufs Reich übertragen. Der Luftfahrtpionier erhielt sogar Hausverbot und musste die Stadt Dessau verlassen. Nach der Zwangsenteignung von Hugo Junkers wurde das Junkers-Flugzeugwerk 1936 mit dem Junkers-Motorenbau fusioniert. Sie wurden zu einem der größten Rüstungskonzerne der Welt und beschäftigten zu Spitzenzeiten etwa 40.000 Menschen. Die Ju 52 wurde in der Folgezeit vor allem für militärische Zwecke eingesetzt und weiterentwickelt. Bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden 1.900 Flugzeuge des Typs Ju 52 hergestellt. Im Zuge der Aufrüstung fuhr man die Produktion auf etwa 4.800 Flugzeuge hoch.

Während des Zweiten Weltkriegs diente die Ju 52 wegen ihrer niedrigen Landegeschwindigkeit überwiegend als Transportmaschine. Umgebaut, verwendeten sie die Nazis auch bei den Minensuchstaffeln der Luftwaffe oder als Bomber. Rückblickend war "Tante Ju" das wichtigste deutsche Frachtflugzeug vor und insbesondere während des Zweiten Weltkriegs.

Ein Flugzeug des Modells Ju-52 mit dem Spitznamen "Tante Ju" am Himmel.
Heutzutage gibt es nur noch wenige Modelle der "Tante Ju". Sie stehen in Museen auf der ganzen Welt und werden stolz bei Oldtimer-Ausstellungen vorgeführt. Bildrechte: imago/Rech

Hat "Tante Ju" ausgedient?

Auch heutzutage ist die Grande Dame der Luftfahrt noch auf der ganzen Welt zu finden. Bei Oldtimer-Ausstellungen oder in Museen werden einige erhaltene Modelle der "Tante Ju" noch ausgestellt. Seit 90 Jahren gehört das Flugzeug mit dem liebevollen Spitznamen nun zu den weltweit bekanntesten Modellen.

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | Sachsen-Anhalt heute | 19. März 2019 | 19:00 Uhr