Fallschirmjäger auf dem Flug nach Kreta 1941
Vielleicht das letzte Lächeln auf dem Weg in den Tod: Fast jeder Zweite der am 20. Mai 1941 auf Kreta landenden Fallschirmjäger stirbt. Bildrechte: imago images/United Archives International

Deutsches Luftlandeunternehmen Kreta 1941 - Als Tausende Fallschirmjäger in den Tod springen

31. Mai 2021, 15:00 Uhr

Am 20. Mai 1941 starten deutsche Fallschirmjäger zum ersten großen Luftlandeunternehmen der Kriegsgeschichte. Auf Kreta erwartet sie eine Übermacht entschlossener Verteidiger. Nur unter schwersten Verlusten nehmen sie in tagelangen brutalen Kämpfen die Insel ein. Am Ende sind allein 6.000 Wehrmachtsoldaten tot, vermisst oder verwundet.

Dem griechischen König Pyrrhos I. von Epirus, der 279. v. Chr. einen extrem verlustreichen Sieg gegen die Römer erringt, wird der Satz zugeschrieben: "Noch so ein Sieg und wir sind verloren!" Ein zu teuer erkaufter Erfolg gilt seither als "Pyrrhussieg". Ob Großbritanniens Premierminister Winston Churchill daran denkt, als er Ende April 1941 entscheidet, Kreta gegen die Deutschen zu verteidigen, weiß man nicht. Dem Oberbefehlshaber für den Nahen Osten, General Sir Archibald Wavell, teilt er jedenfalls mit, er sehe die Gelegenheit gekommen, den deutschen Fallschirmjägern im Kampf um Kreta erhebliche Verluste beizubringen.

Britische Truppen in desolatem Zustand

General Sir Archibald Wavell
General Sir Archibald Wavell würde Kreta lieber räumen lassen. Bildrechte: imago/United Archives International

Wavell selbst ist weniger optimistisch. Der 30.000 Mann starke Rest des britischen Expeditionskorps auf der griechischen Mittelmeerinsel ist in desolatem Zustand. Alle schweren Waffen haben die Briten auf der Flucht vor der Wehrmacht in den südgriechischen Häfen zurückgelassen. Aber auch um die britischen Verbände in Ägypten, wo Wavell sein Hauptquartier hat, steht es schlecht. Ein deutsch-italienischer Blitzfeldzug hatte sie kurz zuvor aus Libyen vertrieben. Der Oberbefehlshaber des "Middle East Command" würde Kreta lieber räumen lassen und die freiwerdenden Kräfte an die bedrängte Libyen-Front werfen.

Vorposten zur Verteidigung Ägyptens

Britische Soldaten landen im November 1940 auf Kreta
Nach dem italienischen Überfall auf Griechenland landen im November 1940 die ersten britischen Soldaten auf Kreta. Bildrechte: IMAGO / United Archives

Doch die Führung in London will Kreta unbedingt halten. Die rund 100 Kilometer südlich des griechischen Festlands gelegene Insel ist ein wichtiger Vorposten für die Verteidigung Ägyptens und damit des Suezkanals. Zudem sind von der 260 Kilometer langen Mittelmeerinsel Vorstöße in die Ägäis sowie nach Südosteuropa möglich. Die Briten sind sich sicher, dass die Wehrmacht die Insel angreifen wird. Der britische Nachrichtendienst meldet, dass die deutschen Fallschirmjäger, die am 26. April die Brücke über den Kanal von Korinth erobert haben, nicht mehr aus Griechenland abgezogen sind. Zudem werden zeitgleich etwa 250 Transportflugzeuge aus Deutschland ins bulgarische Plovdiv verlegt.

Luftwaffen-Generale überzeugen Hitler

Generaloberst Kurt Student
General der Flieger Kurt Student überzeugt Hitler von der Wegnahme Kretas. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Tatsächlich überzeugen bereits am 21. April führende Vertreter der Luftwaffe, unter ihnen der Schöpfer der deutschen Fallschirmtruppe, General der Flieger Kurt Student, Adolf Hitler, Kreta durch Luftlande- und Fallschirmjägerverbände einzunehmen. Dass die Luftwaffen-Generale so vehement für die Wegnahme Kretas plädieren, hat auch Prestigegründe. Im Kampf um die Luftherrschaft über Großbritannien ("Battle of Britain") hatte ihre Teilstreitmacht 1940 eine große Schlappe erlitten. Student selbst will außerdem beweisen, zu welchen Großtaten seine Fallschirmjäger in der Lage sind.

Hitler jedoch ist zunächst skeptisch. Er fürchtet einen Zeitverzug für den im Juni geplanten Überfall auf die Sowjetunion. Genau aus diesem Grund hatte er zuvor eine Einnahme Maltas abgelehnt, von wo der deutsche Nachschub für Nordafrika bedroht wird. Mit ihrem Argument, dass Bomberverbände der Royal Air Force von Kreta aus die für die deutsche Treibstoffversorgung elementar wichtigen Erdölfelder von Ploieşti in Rumänien angreifen können, rennen die Luftwaffengenerale bei Hitler allerdings offene Türen ein. Das Risiko, dass seinen Panzertruppen im Osten der Sprit ausgehen könnte, will der deutsche Diktator unbedingt vermeiden.

Weisung zum "Unternehmen Merkur"

Drei Fallschirmjäger an einem Maschinengewehr MG 34
Ein Fallschirmjäger-Trupp mit einem schweren MG 34. Bildrechte: imago images/United Archives Int

Mit der Weisung Nr. 28 zum "Unternehmen Merkur" befiehlt Hitler am 28. April der Luftwaffe von Reichsmarschall Hermann Göring die Einnahme Kretas. Die Luftflotte 4 unter Generaloberst Alexander Löhr wird mit der Vorbereitung und Durchführung der Operation beauftragt. Für das erste große Luftlandeunternehmen der Kriegsgeschichte steht mit Students XI. Fliegerkorps ein spezieller Großverband für derartige Operationen zur Verfügung. Seinen Kern bildet die 7. Fliegerdivision mit 15.000 Fallschirmjägern. Hinzu kommt ein Luftlande-Sturm-Regiment, das über Lastensegler für die lautlose Landung im Operationsgebiet verfügt.

Mehr als tausend Transport- und Kampfflugzeuge

Fallschirmjäger springen aus Ju 52 ab
Fallschirmjäger springen aus einer Junkers Ju 52-Transportmaschine ab. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Für den Lufttransport der Fallschirmjäger stehen mehr als 500 Ju 52-Transportflugzeuge zur Verfügung. Außerdem verfügt Students Luftlande-Korps über eine eigene Aufklärungsstaffel. Für die Luftlandeschlacht um Kreta wird das XI. Fliegerkorps zudem durch Gebirgsjäger der 5. Gebirgs-Division verstärkt, die per Luft- und Seetransport herangebracht werden sollen. 280 Bomber, 150 Sturzkampfbomber, 140 Jagdflugzeuge und 40 Aufklärer sollen den Angriff vorbereiten, unterstützen und absichern.

Angriffsbeginn wird verschoben

Dennoch steht die Kreta-Operation von Beginn an unter keinem guten Stern. Wegen des zeitnah geplanten Angriffs auf die Sowjetunion fordert Hitler zunächst einen Operationsbeginn bis Mitte Mai. Angesichts der großen Probleme, in dem strukturschwachen und zudem kriegsgeschädigten Griechenland rechtzeitig die benötigten Truppen und Ausrüstungen zusammenzuziehen, wird der Angriffsbeginn auf den 20. Mai verlegt. Doch auch dieser Zeitpunkt ist für ein hochkomplexes Luftlandeunternehmen, bei dem es vor allem auf eine gute Vorbereitung und hohe Präzision ankommt, viel zu früh.

Feindaufklärung übersieht 30.000 Verteidiger

Deutscher Luftangriff auf den Hafen in der Souda-Bucht Kreta 1941
Deutscher Luftangriff auf den Hafen in der Souda-Bucht bei Chania im Westen Kretas. Bildrechte: IMAGO / Danita Delimont

Hinzu kommt, dass auch die deutsche Feindaufklärung versagt. Ihr entgeht, dass die Briten ihre Truppen auf Kreta vollständig reorganisieren und mit schweren Waffen ausstatten können. Die entsprechenden Schiffstransporte aus Ägypten werden über Nacht in den kretischen Häfen angelandet. Perfekt getarnt bleiben die zahlreichen neuen Flak-Artilleriestellungen, MG-Nester und eingegrabenen Panzer tagsüber vor den deutschen Aufklärungsflugzeugen verborgen.

Auch auf eine "gewaltsame Aufklärung" deutscher Kampfflugzeuge lassen sich die "Creforce"-Truppen aus Briten, Australiern, Neuseeländern und Griechen nicht ein. Sie reagieren bei Angriffen möglichst zurückhaltend und wahren ihre Tarnung. Bis kurz vor Invasionsbeginn gehen die Deutschen lediglich von 12.000 Verteidigern auf ganz Kreta aus. In Wirklichkeit sind es 42.000!

Angreifer hoffnungslos in Unterzahl

Deutsche Fallschirmjäger landen während der Invasion im Mai 1941 auf Kreta
Bei Chania landen viele Fallschirmjäger direkt in den Stellungen der Neuseeländer. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Als am Morgen des 20. Mai 1941 die Luftlandeschlacht um Kreta beginnt, stehen den etwa 5.000 bis 6.000 deutschen Fallschirmjägern der ersten Welle, die im Westen der Insel landen, knapp 29.000 "Creforce"-Soldaten gegenüber. Immerhin können sich die Männer des Luftlande-Sturm-Regiments, die mit ihren Lastenseglern westlich des Flugplatzes Maleme in einem trockenen Flusstal runtergehen, in ihrer Landungszone festsetzen. Von einer Einnahme des Flugplatzes, ihrem eigentlichen Kampfauftrag, sind sie aber weit entfernt. Das Abwehrfeuer der Briten ist einfach zu stark.

Fallschirmjäger landen in britischen Stellungen

Deutscher MG-Schütze liegt auf einem Feld, während der Wehrmachtsínvasion auf Kreta.
Fallschirm-MG-Schütze: Die Jäger, die mit Lastenseglern landen, haben ihre schweren Infateriewaffen schon dabei. Bildrechte: imago images/United Archives International

Für die Fallschirmjäger, die zeitgleich südlich der damaligen Inselhauptstadt Chania per Fallschirm landen, sieht es noch schlechter aus. Nicht wenige von ihnen springen direkt in die britischen Stellungen, was für viele den sicheren Tod bedeutet. Etwas günstiger sieht es für die Jäger aus, die per Lastensegler bei Chania landen. Sie haben ihre schweren Infanteriewaffen am Mann und müssen diese nicht erst aus abgeworfenen Waffenbehältern bergen. Aber auch bei ihnen sind die Verluste hoch. An eine Erfüllung des Auftrags, Chania und den Hafen der Souda-Bucht einzunehmen, ist aber auch bei ihnen nicht zu denken.

Student und Göring für Angriff auf breiter Front

Abschuss von Transportflugzeug während Kreta-Invasion
Eine von britischer Flak getroffene Ju 52 stürzt auf einen Berg an der Küste. Bildrechte: imago/United Archives International

In dieser kritischen Situation hätten eigentlich sofort Verstärkungen eingeflogen werden müssen. Wäre es nach dem für die Operationsplanung zuständigen Luftflotten-Chef Löhr gegangen, wäre das auch passiert. Löhr wollte ursprünglich alle vorhandenen Kräfte an Fallschirmjägern, Transport-, Bomber- und Jagdflugzeugen auf den Westteil Kretas mit dem wichtigsten Flugplatz Maleme und dem großen Landungshafen in der Souda-Bucht konzentrieren. Luftwaffen-Chef Göhring und Fallschirmjäger-Chef Student hingegen plädierten dafür, alle wichtigen Punkte der Insel gleichzeitig aus der Luft einzunehmen. Eine so breit angelegte Operation hätte allerdings mit den vorgesehenen Fliegerkräften gar nicht abgesichert werden können.

Karten zur deutschen Luftlandung auf Kreta Mai 1941
Die deutsche Luftlande-Operation auf Kreta am 20. Mai 1941: Die erste Fallschirmjäger-Welle landet am Morgen bei Maleme und Chania (links). Am Nachmittag landet die zweite Welle bei Rethymnon (Mitte) und Heraklion (rechts). Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Vier Landungspunkte als Kompromiss

Deutsche Fallschirmjäger gehen auf Kreta gegen britische Soldaten vor
Deutsche Fallschirmjäger gehen nach ihrer Landung gegen Stellungen der Verteidiger vor. Bildrechte: IMAGO / UIG

So einigt man sich in einem Kompromiss darauf, zumindest in einer zweiten Angriffswelle am 20. Mai auch die Flugplätze von Rethymnon in der Mitte und Heraklion im Osten von Kreta zu besetzen. An diesen beiden Einsatzorten verläuft die Operation allerdings noch chaotischer als im Westen. Weil die Kampf- und Transportflugzeuge vor dem zweiten Anflug auf den Feldflugplätzen Südgriechenlands mit Handpumpen aufgetankt werden müssen, verzögern sich die Startzeiten um Stunden. Zudem wirbeln die zuerst startenden Maschinen die staubtrockenen Pisten derart auf, dass sich der Start späterer Flugzeuge erheblich verzögert.

Zeitverzögerungen enden tödlich

Fallschirme landen während des zweiten Weltkriegs.
Fallschirmjäger der zweiten Welle nach ihrer Landung bei Rethymnon oder Heraklion. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

So kommt es, dass zwischen den Bombenangriffen auf die britischen Stellungen und dem Absetzen der Fallschirmjäger viel zu viel Zeit vergeht. Zudem werden die Fallschirmjägergruppen der zweiten Angriffswelle wegen der Zeitverzögerungen nicht gemeinsam, sondern nur vereinzelt abgesetzt. Ihre Verluste sind deshalb noch höher als die der ersten Welle. Jeder zweite der am Nachmittag bei Rethymnon und Heraklion landenden Fallschirmjäger fällt beim Absprung oder in den ersten Minuten des Gefechts. Diejenigen, die unverletzt überleben, haben genug damit zu tun, sich selbst zu verteidigen. An eine Einnahme der dortigen Flugplätze ist gar nicht zu denken.

Neuseeländer ziehen sich zurück

Fallschirmjäger laden Motorrad aus Ju 52
Fallschirmjäger entladen aus einer ersten gelandeten Ju 52 ein Krad. Bildrechte: imago images/Photo12

Anders läuft es im Westen bei den Fallschirmjägern des Luft-Sturm-Regiments am Flugplatz Maleme. Zwar scheitert ein Angriff auf die beherrschenden Höhen zunächst an der hartnäckigen Verteidigung der dortigen Neuseeländer. Jedoch gewinnt der örtliche neuseeländische Kommandeur aufgrund fehlender Nachrichtenverbindungen den fälschlichen Eindruck, dass seine Männer viel zu geschwächt sind, um am folgenden Tag einen weiteren Luftangriff der deutschen Bomber zu überstehen. Er zieht sie deshalb drei bis vier Kilometer nach Osten auf Chania zurück. Nur deshalb können Männer des Luft-Sturm-Regiments nachstoßen und im Laufe der Nacht Teile des Flugplatzes Maleme einnehmen.

Gebirgsjäger landen in Maleme

Zerstörte Junkers Ju 52
Bruchgelandete Junkers-Transportmaschinen am Flugplatz Maleme. Bildrechte: IMAGO / United Archives International

Damit ist die Lage bei Maleme noch am vielversprechendsten. Luftflotten-Chef Löhr und die beiden Korps-Kommandeure Student und Richthofen entscheiden deshalb, am 21. Mai noch einmal Fallschirmjäger als Verstärkung westlich von Maleme abzusetzen. Mit ihrer Hilfe gelingt es schließlich, den Flugplatz freizukämpfen. Bereits am späten Nachmittag können die ersten Transportmaschinen mit Gebirgsjägern auf dem Flugfeld landen. Weil der Landebereich noch immer von den Briten beschossen wird, gehen zahlreiche Maschinen zu Bruch. Bis zum Abend liegen über 80 zerstörte und beschädigte Ju 52 auf dem Flugplatz. Die Ausfälle an Soldaten bleiben dennoch gering.

Britische Gegenoffensive endet im Bombenhagel

Gebirgsjäfer auf dem Lufttransport nach Kreta.
Gebirgsjäger in einer Ju 52 auf dem Weg nach Kreta. Wegen des Fluges über 100 Kilometer Meer tragen die Männer Schwimmwesten. Bildrechte: imago/United Archives International

Die Führung der "Creforce" erkennt, welche Gefahr von der Eroberung von Maleme durch die Deutschen ausgeht. Sie versucht in der Nacht zum 22. Mai, mit einer Gegenoffensive den Flugplatz zurückzuerobern. Als mit dem ersten Tageslicht jedoch die deutschen Bomber wieder in den Kampf eingreifen können, bricht der britische Angriff komplett zusammen. Gegen die deutsche Luftüberlegenheit haben die Briten keine Chance. Vor allem mit den nun immer zahlreicher bei Maleme einfliegenden Gebirgsjägern und anderen Luftlandetruppen ist es in den folgenden Tagen möglich, die bei Chania und Rethymnon eingeschlossenen Fallschirmjäger zu entsetzen und die Briten immer weiter zurückzudrängen.

Hälfte der Briten gelingt die Flucht

Brennede Schiffe während Kreta-Evakuierung 1941
Brennende britische Schiffe während der Evakuierungsaktion in der Souda-Bucht. Bildrechte: imago/United Archives International

Dennoch gelingt es den Briten, die Masse ihrer im Westen Kretas kämpfenden "Creforce"-Kräfte über das Lefka Ori-Gebirge unbehelligt nach Süden auf Hora Sfakion zurückzuziehen. Von dort werden bis zum 1. Juni in vier Nächten 13.000 Soldaten nach Ägypten abtransportiert. Die östlich von Rethymnon stehenden knapp 5.000 Australier geraten am 30. Mai hingegen in deutsche Gefangenschaft. Die rund 8.000 Briten bei Heraklion werden in der Nacht vom 28. zum 29. Mai auf Schiffe verladen, von denen jedoch einige bei Tagesanbruch östlich von Kreta von deutschen Kampffliegern versenkt werden.

6.000 Fallschirmjäger tot, vermisst oder verwundet

Gefangene Briten auf Kreta im Juni 1941
Britische Kriegsgefangene warten Anfang Juni auf ihren Abtransport nach Deutschland. Bildrechte: IMAGO / United Archives

Dennoch ist etwa der Hälfte der Empire-Truppen die Flucht aus Kreta gelungen. Rund 3.500 britische, australische, neuseeländische und griechische Soldaten werden bei den Kämpfen um die Insel getötet oder verwundet. Mindestens 17.000 geraten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die deutschen Sieger haben logischerweise kaum Verluste an Gefangenen. Jedoch verliert das XI. Fliegerkorps in der Luftlandeschlacht um Kreta rund 6.000 Mann an Toten, Vermissten und Verwundeten. Die meisten davon sind Fallschirmjäger. Eine spätere Auswertung nennt 3.339 gefallene und 83 vermisste Jäger. Außerdem gehen mehr als 185 der 500 Junkers-Transportmaschinen des Fallschirm-Korps verloren.

Kreta ist ein "Pyrrhussieg"

Ungeachtet dessen verkündet Luftflotten-Chef Löhr nach dem Abschluss der Kämpfe am 2. Juni: "Getreu dem Eid, dem wir dem Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht geleistet haben, stehen wir für neue Aufgaben bereit." Doch zumindest aus neuen Aufgaben im Sinne großer Luftlandeoperationen wird bis Kriegsende nichts mehr.

Gebirgsjäger 1941 beim Vormarsch auf Kreta
Deutsche Gebirgsjäger am 1. Juni auf dem Vormarsch durch Kreta. Bildrechte: imago images/Photo12

Kreta ist ein "Pyrrhussieg" für die deutsche Fallschirmwaffe. Das sieht auch der britische Premier Churchill später so. Auch wenn neueren Forschungen zufolge vor allem junge und unerfahrene Fallschirmjäger beim "Unternehmen Merkur" die größten Ausfälle zu beklagen haben, erleidet auch das erfahrene Führungspersonal schwerste Verluste. Die Truppe wird sich davon nie ganz erholen. Zwar werden in den kommenden Jahren immer mehr freiwillige Fallschirmjäger ausgebildet, wird aus dem XI. Fliegerkorps 1944 sogar eine ganze Fallschirm-Armee. Doch deren Angehörige sind de facto nur noch dem Namen nach echte Fallschirmjäger. Große Luftlandeoperationen wie auf Kreta wird die Wehrmacht bis 1945 nie wieder wagen.

Literaturhinweise

  • Vogel, Detlef: Das Eingreifen Deutschlands auf dem Balkan. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 3. Hrsg. Vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Stuttgart 1984, S. 417-511.
  • Pahl, Magnus: Kreta 1941 - Die "Schwarze Madonna" der deutschen Fallschirmtruppe. In: Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger. Hrsg. von Magnus Pahl und Armin Wagner, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden 2021.

Deutsche Kriegsverbrechen auf Kreta Bereits während der Kämpfe um Kreta wird ein unrühmliches Kapitel der deutschen Fallschirmtruppe aufgeschlagen. Weil sich viele kretische Zivilisten an Kampfhandlungen gegen die deutschen Invasoren beteiligen, befehlen General Student und andere Truppenführer noch während der Kämpfe härteste Vergeltungsmaßnahmen. Laut einem verbrecherischem Befehl Students vom 31. Mai 1941 sollen die von "Freischärlern" angegriffenen Truppenteile in den betroffenen Orten die männliche Bevölkerung "ausrotten" und alle Häuser zerstören. Neueren Forschungen zufolge sterben durch die Repressalien infolge der Besatzung Kretas bis Kriegsende fast 9.000 Menschen.