Putins Geburtstag Russlands Präsident und seine Rolle als KGB-Mann in Dresden

Der russische Präsident Wladimir Putin, mittlerweile in seiner vierten Amtszeit, feiert am 7. Oktober seinen 68. Geburtstag. Er inszeniert sich gern als Familienmensch und gilt als begnadeter Rhetoriker. Für den KGB verbrachte der heutige russische Präsident viereinhalb Jahre, von August 1985 bis kurz nach der Wende, in Dresden.

Vladimir Putin
Der russische Präsident Wladimir Putin, am 26. Februar 2014. Bildrechte: dpa

Der in Leningrad – heute St. Petersburg – geborene Arbeitersohn inszeniert sich gern als Familienmensch und gilt als begnadeter Rhetoriker. In der ehemaligen Sowjetunion war er zunächst für Auslandsspionage beim In- und Auslandsgeheimdienst KGB tätig, bevor ihn sein Weg in die DDR führte. Viereinhalb Jahre, von August 1985 bis kurz nach der Wende, verbrachte der heutige russische Präsident Wladimir Putin in Dresden.
Im Dienste des KGB.

Putins Zeit in Dresden

1985 kam Putin nach Dresden, wo er gemeinsam mit seiner Familie und seinem Hund lebte. Wie er später einmal sagte, gehörten die Dresdener Jahre zu seinen schönsten.

Angelikastraße 4 in Dresden
Die Niederlassung des KGB in der Angelikastraße 4 in Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In welchem Umfeld der KGB-Mann in Dresden lebte, mit welchen Kollegen er arbeitete und in welchen Strukturen, darüber wusste man wenig. MfS-Oberst Günter Wenzel hat mit Putin viele Jahre zusammengearbeitet. Für Wenzel war Putin ein gewissenhafter Organisator, der seine Versprechen einhielt.

Wenn ich mit ihm etwas abgesprochen habe, ob das nun solche Veranstaltungen waren wie Ausfahrten, Schachspiele oder Sportwettkämpfe, dann konnte man sich darauf verlassen, es hatte Hand und Fuß, was er macht. Also man braucht dann nicht noch einmal nachsetzen und sagen, hast du das gemacht oder so. Ziel erkannt und es wurde organisiert.

Günter Wenzel, ehemalige MfS-Oberst MDR Zeitreise "Putin in der Angelikastraße in Dresden"

So kam es zwischen der KGB und der Stasi zu gemeinsamen Aktivitäten wie Schach- und Volleyball-Turnieren. Auch gemeinsame Sightseeing-Touren durch die DDR wurden organisiert, dabei waren besonders geschichtsträchtige Orte beim KGB-Mann beliebt.

Die waren ja auch bestrebt – sagen wir mal – unsere Geschichte kennen zu lernen. Hier gibt es ja ne Rückkoppelung zu Arbeit. Sie waren ja auf deutschem Boden, in dem Gebiet der DDR und mussten ja mit dem deutschen Problem klarkommen.

Günter Wenzel, ehemalige MfS-Oberst MDR Zeitreise "Putin in der Angelikastraße in Dresden"

Das Phantom Putin

Der KGB hatte in der DDR in jeder Bezirksstadt eine Niederlassung, in Dresden war es die Angelikastrasse 4. Ihre Operationen werden bis heute streng geheim gehalten. Welchen genauen Tätigkeiten Putin nachging, ist nicht bekannt – selbst die penibel geführten Stasi-Akten geben keinen Aufschluss. Dort taucht sein Name nur in unzusammenhängenden Blättern auf. 

Das Phantom Putin war von 1985 bis 1990 in Dresden stationiert. Abgesehen von den gemeinsamen Unternehmungen und dem Austausch der befreundeten Geheimdienste blieben Putins Aktivitäten im Hintergrund.

Nur einmal trat Putin öffentlich auf. Im Oktober 1989 stürmten Demonstranten die Stasi-Zentrale. Ihr Siegeszug führte sie in Richtung KGB-Residentur. Dort trafen die Demonstranten auf Major Putin. Der Augenzeuge Siegfried Dannath-Grabs erinnert sich an die Situation:

Putin kam auf die Gruppe zu bis zum Tor und sprach in einem fließenden Deutsch, aber mit festen und bestimmten Worten, aber unmissverständlich: Das Gelände ist sehr gut bewacht von meinen Genossen. Sie haben Schusswaffen. Wenn Unbefugte in dieses Gelände eindringen, dann habe ich Schießbefehl erteilt.

Siegfried Dannath-Grabs, Zeitzeuge MDR Zeitreise "Putin in der Angelikastraße in Dresden"

Mit dem Zusammenbruch des Sowjetsystems verlieren sich Putins KGB-Spuren in Deutschland endgültig. Günter Wenzel sieht Putin Ende November 1989 zum letzten mal persönlich. Putins späterer Aufstieg zum Kreml-Chef ist bekannt.

Die Dresdner Jahre, sagte er einmal, seien seine schönsten gewesen.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: MDR Zeitreise, MDR FERNSEHEN | 17.05.2020, 22:25 Uhr