Das Altpapier am 11. Januar 2021 Deplatforming? Entplattformung??

Die symbiotische Beziehung zwischen Twitter und Donald Trump endet mit einem kleinen Knall. Sollten Plattformen die Sonderrechte für Politiker abschaffen? Politiker die Sonderrechte für Plattformen? Überraschende Bewegung kommt in die alte Frage nach einem echten öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender. Ein Altpapier von Christian Bartels.

Teasergrafik Altpapier vom 11. Januar 2021: Porträt Autor Christian Bartels
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"Amtsenthebung"? "Fehlentscheidung"? Twitter-Trump-Leitartikel

"Account gesperrt
Twitter sperrt Accounts, die gegen die Twitter Regeln verstoßen"

Am Freitag schien es noch anders, nun hat das kleinste unter den großen sogenannten sozialen Medien doch sein größtes Zugpferd, den immer noch amtierenden US-amerikanischen Präsidenten Trump alias @realDonaldTrump, tatsächlich doch dauerhaft gesperrt. Der offizielle Präsidenten-Account @POTUS, den schon Trumps Vorgänger genutzt hatte, zeigt noch ein paar Retweets aus dem Dezember.

"Im ökonomischen Kontext war Donald Trump die Beatles, Elvis und Michael Jackson in einer Person" umkreist Andrian Kreye popkulturell im SZ-Feuilleton (€) die symbiotische Beziehung zwischen Twitter, das ohne dieses Zugpferd vermulich längst eine Marke der viel größeren Datenkraken Apple oder Microsoft wäre, und Trump. Kreyes These, dass das Deplatforming, diese "digitale Amtsenthebung", "eine neue Realität im Staatswesen" manifestiere, kann allerdings übertrieben scheinen; Trumps spezielle Abhängigkeit von Twitter ist ja eine Entscheidung, die dieser im Rahmen seiner Medienstrategie freiwillig getroffen hat. Mladen Gladic formuliert die Symbiose in der Welt (auch €) so:

"Trump und Twitter, das war ein 'match made in heaven': Keiner wusste die 'sekundäre Oralität' der sozialen Medien, wie es Walter J. Ong genannt hat, so gut für seine Zwecke zu nutzen, wie Trump. Die an der gesprochenen Sprache orientierte, direkte Ansprache jedes einzelnen Followers auf Twitter passte allzu gut zu der Botschaft, die dieser Präsident verkörperte."

Ein großer Schritt für Onlinemedien und an Online orientierte Medien, also alle, ist die Abschaltung schon deshalb, weil das Einbetten, Abfilmen oder Zitieren von Trumps Tweets  so  massenwirksamen wie preiswerten Content garantierte. Entsprechend gibt es allein in Deutschland jede Menge dazu verfasste Kommentare und Leitartikel, die künftigen Kommentare- und Leitartikel-Seminaren als ideale Beispiele für ein Meinungsspektrum dienen können. 

"Die Netzwerke sollten die Sonderrechte für Politiker jetzt abschaffen", kommentiert etwa Patrick Beuth bei spiegel.de. Eher sollten die Politiker die Sonderrechte für Netzwerke abschaffen, argumentiert Simon Hurtz bei sueddeutsche.de und schließt mit dem Satz "Auf Joe Biden wartet eine große Aufgabe". Ob Biden, der ja seinen Wahlkampf und auch den, in dem er dann Barack Obamas Vize wurde, nicht zuletzt in den sog. soz. Medien gewann, handelt, wie europäische Vertreter klassischer Medien es wünschen, bleibt sozusagen spannend. Jedenfalls benennt Hurtz, was trotz der aktuell richtigen Entscheidung "hochgradig problematisch" bleibt (und keineswegs neu ist, bloß bis vor kurzem wenige gestört hat): "Eine Handvoll Männer bestimmen, was im Netz gesagt werden darf.. Im Ergebnis sind beide Entscheidungen richtig, doch der Prozess ist falsch ..."

Um noch eine Schippe draufzulegen: Statt Deplatforming geradezu Entplattformung forderte bereits vorige Woche, auf Adorno aufbauend, Andreas Wilkens bei heise.de: "Wenn das nicht hilft, müssen wir Facebook, Youtube und Twitter abschalten." (Dass traditionelle Medien oft und gerne ein arg diffuses "Wir" gebrauchen bis beschwören, um ans Soziale im Erfolgsrezept der Plattform-Medien, die sich selber "sozial" nennen, anzuknüpfen, schrieb ich neulich an dieser Stelle auf).

Weiter in den aktuellen Twitter-Trump-Medienkommentaren: Nachdem dieser jenes benutzt hatte, "um das Coronavirus zu verharmlosen, den Klimawandel zu leugnen, die Inhaftierung politischer Rivalen zu fordern, seine Kritiker als dumm, hässlich und erfolglos zu beleidigen" usw. usf., sei es "eine vermutlich folgenreiche Fehlentscheidung", es nun aus vergleichsweise harmlosem Anlässen zu tun, findet Constantin van Lijnden in der FAZ (€). Twitter und Co handeln "wohl auch, weil dies nun opportun für sie ist", schreibt Hubert Wetzel auf der SZ-S.2 (€). Nach der "Freude vor allem innerhalb linker Kreise über die Sperren" müsse über die Macht der Plattformen diskutiert werden, kommentiert Tanja Tricarico in der taz. "Diese Dynamik wirft massive Fragen auf", schreibt Caroline Fetscher im Tagesspiegel und formuliert exemplarisch ein paar: "Was, wenn Twitter und Co. einen Aufstand für Trump gewollt hätten?". "Was, wenn statt eines Zuckerberg ein Trump-Fan am Ruder wäre?"

Die GAFA vs. Parler & Co

Trotz der großen und , an Umsatz und Gewinn gemessen, laufend weiter wachsenden Macht der großen Plattformen gibt es eine kaum zu überblickende Zahl an Alternativen kleinerer Anbieter. In Europa etwa Telegram, das in Deutschland wegen "des" Wendlers, Attila Hildmanns und anderer oft kritisiert, für seine Rolle in Belarus aber auch gelobt wird. In den USA gibt es parler.com aus Henderson in Nevada. Nach dem ersten, vorübergehend noch als vorübergehend erschienenen Trump-Twitter-Zoff, stieg diese App "sogar auf Platz 1 in den App-Store-Charts von Apple", berichtet der Standard. Doch dem Aufstieg folgte ein Fall:

"Den Anfang machte bereits am Freitag Google: Der Android-Hersteller warf kurzerhand die Parler-App aus dem eigenen Play Store. Einen Tag später folgte nun Apple diesem Beispiel: In der Nacht auf Sonntag wurde Parler auch aus dem App Store für iPhones und iPads geworfen."

Es gibt ja nur zwei unterschiedliche App-Stores, aus denen die meisten Menschen Apps laden, für jedes Mobilgeräte-Betriebssystem einen. Formal sei es um die Geschäftsbedingung gegangen, Beiträge, "die zu Gewalt aufrufen", zu löschen oder moderieren. Einerseits sind solche Fragen in den App-Stores ausschließlich ins Ermessen der Store-Betreiber gestellt. Andererseits ist das keine Lappalie. Der Standard berichtet weiter, und zwar mit Screenshots, Parler

"soll eilig versucht haben, eine minimale Moderation für die Inhalte auf der Plattform aufzustellen. So wurde etwa ein Beitrag von Trump-Anwalt Lin Wood gelöscht, in dem dieser zur Hinrichtung von Vizepräsident Mike Pence aufrief."

Außer dem Zugang zu den beiden einzigen App-Stores hat Parler auch seinen Cloud-Dienstleister verloren, nämlich Amazons AWS. Ebenfalls zu Amazon gehört die Streaming-Plattform Twitch, die ebenfalls Trumps Kanal sperrte (auch Standard), ähnlich wie reddit.com und weitere US-amerikanische Plattformen mit Trump zugeordeneten Kanälen verfahren. Wie sieht es auf der größten Streaming-Plattform aus? Auf Googles Youtube ist Donald J Trump noch vertreten. Bloß die unter gelindem Medien-Hallo gegründete neue Google-Mitarbeiter-Gewerkschaft setzt sich für Abschaltung auch dieses Kanals ein (erneut Standard). Ist diese Entwicklung gut? Jein. Mit Blick auf die App-Stores schreibt die SZ:

"Der Vorwurf, dass Apple und Google mit zweierlei Maß messen, ist dabei nicht völlig aus der Luft gegriffen. Zwar gibt es bei Parler noch deutlich weniger Moderation von Inhalten als bei der Konkurrenz. Doch auch auf Twitter findet man problemlos Aufrufe zu Gewalt, auch in Facebook-Gruppen organisierten sich Trump-Anhänger für ihren Sturm aufs Kapitol"

Die Oligarchie des kalifornischen Plattformkapitalismus – Google, Amazon, Facebook und Apple, die oft als GAFA abgekürzt werden (was um Konsonanten wie M für Microsoft oder T für Twitter ergänzt werden kann) – agiert nun ziemlich geschlossen gegen den sowieso in Kürze abtretenden Präsidenten. Dabei haben die GAFA zumindest bis zu Trumps Präsidentschaft engstens mit US-amerikanischen Regierungen kooperiert und von scharfen Wahlkämpfen mit engem Ausgang (wie auch vom letzten im November)  durch Werbeeinnahmen immer enorm profitiert. Im Regelfall kooperiert der Plattformkapitalismus mit jeder Regierung mächtiger Staaten, also Märkte. Das ist in China und in der digital zahnlosen EU so und war bei Trump ähnlich. Dass es sich bei der neuen Regierung Joe Biden nun auch so verhält, ist keine Überraschung. Sowohl Twitter und Facebook als auch die in sehr vielen unterschiedlichen Bereichen des Internets dominanten Konzerne Google/Alphabet, Amazon und Apple handeln, wie es für sie opportun ist. Das heißt nicht, dass es falsch ist, es verdient aber auch kein Lob.

Neben Parler boomten in den USA zuletzt zahlreiche weitere Plattformen und Apps (was ja oft dasselbe ist), die von Trump-Fans genutzt wurden und werden. "Mewe und Gab bekommen in diesen Tagen massiv Zulauf von rechts. Apps wie Rumble und Newsmax verbreiten rechte Nachrichten", schreibt Andrian Kreye im oben erwähnten Beitrag. Besonders auf die von einer Milliardärsfamilie mitfinanzierte Streaming-Plattform DLive schaut wiederum der Standard. Keinen Ausweg, einen Ausblick gibt Medien-Professor Bernhard Pörksen in einem ein an süffigen Alliterationen ("Wunschwirklichkeiten", "permanente Produktion von Nonsens-News", "Ignoranz der Idiotie") überreichen Kurzinterview des Philosophie Magazins (philomag.de):

"Ich rechne damit, dass der Noch-Präsident versuchen wird, ein eigenes Medienunternehmen zu gründen, um direkter zu kassieren und jede Inszenierungskontrolle abzustreifen. Die Spaltung der Gesellschaft wäre hier weniger ein ideologisches Programm, sondern eher zentrales Geschäftsmodell."

Überraschung in der ÖR-Nachrichtensender-Frage

Bewegte Bilder vom Angriff aufs Capitol gab und gibt es also genug, sowohl von den Angreifern als auch von Berichterstattern gefilmte. Sie gingen um die Welt, werden in den nächsten Jahren bleiben und zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden. Hätten Sie gerne davon mehr live, also zum Zeitpunkt des Geschehens, im Fernsehen gesehen? Das ist eine alte Diskussion. In unserem Jahresrückblick zum Rundfunk-Beitrag und -Auftrag hieß es:

"Immer mal wieder wird die Sender-Strategie auch andersherum diskutiert, etwa wenn Kritik aufkommt, dass 'Brennpunkt'-Sondersendungen zu selten das laufende Programm unterbrechen. Warum haben ARD und ZDF zwar eines der größten Korrespondentennetze der Welt, aber keinen eigenen Nachrichtensender wie CNN oder BBC World? Antwort: Weil die Bundesländer sie nicht dazu beauftragt haben, und zwar wegen – ebenfalls nachvollziehbarer – Proteste der privatwirtschaftlichen Konkurrenz."

Zu genau dieser Frage gab es viel Hallo in den Medienressorts der klassischen und den sozialen Medien und den Mischformen. Scharfe Öffentlich-Rechtlichen-Kritik übte Dietrich Leder bei medienkorrespondenz.de:

"Bleibt die Frage, ob sich ARD und ZDF zuerst für dieses Desaster entschuldigen und dann den Quotenerfolg ihrer zu spät eingesetzten Sondersendungen feiern oder umgekehrt?"

"Warum doch nicht alles so schlecht" war, schildert Daniel Bouhs, der umtriebige auch, aber nicht allein für Öffentlich-Rechtliche tätige Medienjournalist, in seinem neuen Textblog namens "Welche Zukunft für ARD/ZDF?". Auch das ist lesenswert, u.a. weil Bouhs es mit Blick aufs gern kritisierte "Bild Live" "peinlich" nennt, "dass eine einstige Zeitungsredaktion einem Milliarden schweren TV-System zeigt, wie es (technisch) im Digitalen geht", und damit u.a. "das dreistündige 'Tagesschau'-Angebot etwa auf Facebook" meint. (Was also heißt, dass die ARD weiterhin Nutzer zu den Datenkraken lotst, die an Trump bestens verdienten und sich jetzt am Ende preiswert distanzieren ...). Indirekt kommt ein Tweet von Thomas Lückerath vor, der beziffert, wann wer auf Sendung ging:

"Phoenix hat um 20.40 Uhr als erster deutscher Sender das Programm unterbrochen, n-tv um 20.46 Uhr und um 20.50 Uhr folgte Welt. Um 20.57 Uhr war Tagesschau24 live. Und ab 21.45 Uhr dann auch im Ersten und ZDF."

Am Mittwoch hakte es also nicht an fehlenden Bildern oder fehlenden Möglichkeiten, sie im Fernsehen oder Internet zu sehen, sondern an fehlenden Querverweisen. Es lag am eingespielten Hang, zugeschaltetes Publikum im eigenen Programm oder in der eigenen Sendergruppe zu halten und nicht auf andere öffentlich-rechtliche Angebote zu verweisen, und an der Frage, "ob Haupt-, Vollprogramme dann auch kurzzeitig zu Nachrichtenprogrammen werden sollen", wenn was hinreichend Wichtiges passiert (wie Bouhs und Holger Klein auch im uebermedien.de-Podcast bereden).

Da hatte am Samstag Michael Hanfeld in der FAZ eine Überraschung in petto. Bewegt von Elmar Theveßens Erlebnissen (die der ZDF-Korrespondent sicher noch das eine oder andere Mal bei Markus Lanz schildern wird, aber auch schon mal der taz schilderte) und anknüpfend an Dietrich-Leder-Frage, schrieb Hanfeld:

"Die Sender entschuldigen sich nicht, aber sie erklären sich. Und das ist schon einmal ein guter Anfang, die Quotenangeberei beiseite gelassen. Eine gute Fortsetzung wäre, einen wirklichen öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender zu schaffen; einen, der diesen Namen verdient und auch nur einen. Einen, auf den die Hauptprogramme im Bedarfsfall sofort verweisen; einen, der nicht erst eine halbe Stunde nach der 'Tagesschau' nach Washington schaltet und bis dahin nicht, wie es Phoenix tat, eine Dokumentation über Elefanten sendet."

Ui, die FAZ fordert einen "wirklichen öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender"! Klar, sie hat da leicht schreiben, weil sie, anders als Springers Welt (deren gleichnamiges Programm früh und gut live aus Washington berichtete) keinen Nachrichtensender betreibt. Und klar, Hanfeld will nicht zuletzt kritisieren, "dass es die Sender mit der Strukturreform, die Medienpolitiker aller Couleur seit Jahren fordern und die einen positiven Effekt auf den 'Finanzbedarf' uns die Höhe des Rundfunkbeitrags hätte, nicht wirklich ernst meinen".

Doch dass  eine eine große Zahl von Alles-Mögliche-Wiederholungs-Sendern, die theoretisch auch live senden könnten und es manchmal auch praktisch tun, ohne dass allerdings die Kollegen im eigenen Haus davon erfahren (oder darauf hinweisen), auch dann keine sinnvolle Lösung ist, wenn diese Vielzahl durch keineswegs unzersplittertere Onlineaktivitäten gespiegelt wird, das hat die vergangene Medienwoche gezeigt. Sollte sich nun ein Konsens für weniger, dafür aber besser strukturierte öffentlich-rechtliche Programme bilden, wäre das eine gute Lösung. Und wenn dann ein echter ARD/ZDF-Nachrichtenkanal mit Springer konkurriert, das technisch innovativer ist und häufig ja andere Meinungen vertritt, belebt das womöglich auch dessen Geschäft.


Altpapierkorb (ÖR Homeschooling, enttäusche USA-Liebe, Julian Assange, Dystopie des deutschen Digital-Föderalismus, Riefenstahl)

+++ Kaum regte Klaus Raab im Altpapier "Wissen macht Naja!" die "Ausweitung eines lehrplanorientierten Bildungsprogramms" an, hagelt es entsprechende Initiativen. Die ARD schüttete ein Füllhorn "Homeschooling für Schüler und Eltern" aus, der Deutschlandfunk hat auch was angerichtet. "Eine Bündelung auf einer gemeinsamen Plattform wäre sicher kein Fehler", twitterte @ard_zdf_zukunft, der Account des eben erwähnten neuen Blogs.

+++ Ein Text-Genre der Stunde: großes Leitartikel-Kino, in dem eloquente Experten über ihre enttäuschte Liebe zu den USA räsonnieren, nicht ohne aber Hoffnung zu schöpfen. "Die USA sind auch im Bereich der Medien ein Land schwer zu erklärender Widersprüche. Aus dem Land kommt der beste und der schlechteste Journalismus der Welt", schrieb Georg Mascolo in der SZ. +++ "Amerika wird nach links rücken. Möglicherweise sehr weit nach links. Und das wäre nicht gut für Amerika und den Rest der Welt" (Mathias Döpfner in der Welt). +++ "Wenn Trump unisono immer wieder als größter anzunehmender Unfall der westlichen Demokratie beschrieben wird, muss man sich auch ein bisschen über das politische Kurzzeitgedächtnis wundern ...", setzt da Niklas Maak in der FAS (Blendle) an.

+++ Wer schon vorher kein sehr großes Faible für die USA gehabt hat, hat mit Bedauern bis Empörung registriert, dass die britische Bezirksrichterin, die Julian Assange nicht in die unmenschlichen Gefängnisse der USA auszuliefern beschlossen hat (Altpapier), dann verkündete, den Wikileaks-Gründer weiterhin in Folter-ähnlicher britischen Haft zu belassen.

+++ Facebook führt entgegen früheren Versprechen die Daten seiner App Whatsapp mit dem eigenen Datenkrakenschatz zusammen (und verspricht bloß, es in EU-Europa nicht zu tun). "Ein guter Zeitpunkt, Whatsapp Lebewohl zu sagen", meint der schon erwähnte Simon Hurtz in der SZ.

+++ Eine praktische Dystopie des deutschen Digital-Föderalismus schildert Maximilian Richt, wenn er im netzpolitik.org-Interview "Die Lösung zu all unseren Problemen könnte in PDFs schlummern, die niemand liest" erklärt, warum er den Onlinedienst kleineanfragen.de betrieb und nun einstellte: "Die Landtage haben immer wieder ihre Seiten umgestaltet und ihre Parlamentsdokusysteme von einem der zwei Anbieter auf dem Markt (...) etwas aktualisieren lassen. Sie haben dabei aber nie auf Open Data und Maschinenlesbarkeit gesetzt. Teilweise haben sie die Infosysteme neu angestrichen, neue HTML-Templates gebaut, ohne den technischen Unterbau besser zu machen. Das hat dazu geführt, dass ich für jede Aktualisierung bei jedem Landtag von vorne beginnen durfte, die Scraper dafür zu bauen. Das kann ich auf Dauer nicht ehrenamtlich leisten."

+++ Auf ein "Stück Fernsehgeschichte" blickt die SZ-Medienseite zurück: die vor allem von Alexander Kluge jahrzehntelang legendär gefüllten Drittsendefenster in privaten Fernsehprogrammen. Obwohl das deutsche Medienkonzentrationsrecht noch das alte aus dem vorigen Jahrtausend ist, laufen sie nun wohl aus.

+++ Und wer nun noch Zeit für einen Longread hat, könnte sich in "die mediale Karriere von Leni Riefenstahl", die der schon erwähnte Dietrich Leder für die Medienkorrespondenz filigran im Licht neuer Fernsehdokus und Bücher aufbereitet, vertiefen.

Neues Altpapier gibt's wieder am Dienstag.

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