Das Altpapier am 2. Februar 2021 Es war einmal ein Gigant

Warum biedern sich öffentlich-rechtliche Sender krampfhaft an jenes Milieu an, das sie am meisten infrage stellt? Haben Programmgestalter beim WDR Bildungslücken in Sachen Nationalsozialismus? Hat eine Legende des deutschen Unterhaltungsfernsehens "den letzten Rest" ihrer Reputation weggeblödelt? Ein Altpapier von René Martens.

Teasergrafik Altpapier vom 2. Februar 2021: Porträt Autor René Martens
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Das wiederkehrende Problem von Repräsentation

Zum Inhalt der achten Folge der WDR-Sendung "Die letzte Instanz", in der es unter anderem um das Z-Wort und damit zusammen hängende Lebensmittelbezeichnungsfragen ging (Altpapier von Montag), müssen wir heute gar nicht mehr allzu viel sagen. Stattdessen soll es hier vor allem um grundsätzliche bzw. strukturelle Fragen medien- und gesellschaftskritischer Natur gehen, die diese konzeptionell völlig misslungene öffentlich-rechtliche Talksendung aufwirft.

Die Süddeutsche hebt auf eine der vielen Entschuldigungen von unterschiedlichen Beteiligten ab - jene von Moderator Steffen Hallaschka, die er bei Facebook publizierte.

"Den Verlauf unserer Diskussion hätte auch ich mir anders gewünscht."

Digga, Du bist der M-o-d-e-r-a-t-o-r! So ließe sich jedenfalls reagieren, wenn man die Ansicht vertritt, dass ein Moderator unter anderem dazu ist, auf den "Verlauf" einer Diskussion Einfluss zu nehmen. SZ-Autorin Aurelie von Blazekovic fragt sich daher, "warum der Moderator Hallaschka seinen Job nicht gemacht hat".

Hadija Haruna-Oelker bezieht sich im Interview mit @mediasres ebenfalls auf Hallaschkas "Diskussionsverlauf anders vorgestellt"-Argument:

"Da könnte man natürlich fragen: Wie haben Sie ihn sich dann anders vorgestellt, wenn bestimmte Einspieler, die Moderation und alles, das Setting, ja auch dafür gesorgt hat, dass ein bestimmter Frame entstanden ist. Das sind ja nicht nur die Gäste. Über die kann man jetzt sagen, was man will. Die bringen ihre Geschichten mit und ihr Nichtwissen oder ihre Ahnungslosigkeit oder ihre internalisierten Rassismen, mit denen wir alle ja sozialisiert sind. Aber das andere ist ja auch die Formatfrage. Und da kann man ja sagen: Wer sitzt in den Redaktionen? Wer entscheidet über die Fragestellungen? Wer entscheidet darüber, welche Themen interessant sind und wer das Publikum ist, das sich das anschauen soll? Also diese Sendung war zum Beispiel nicht für mich gemacht oder für schwarze Menschen oder eben für Menschen, die aus der Sinti- und Roma-Community sind (…)  Und hier setzt auch meine Kritik an. Und das nicht nur bei dieser Sendung, sondern generell."

Diese strukturellen Schwächen sind auch Thema in Samira El Ouassils Übermedien-Kolumne:

"Wir haben aber im deutschen Fernsehen (ebenso wie auf Diskussionspanels) ein wiederkehrendes Problem von Repräsentation. Es ist so frappierend, dass die Neuen Deutschen Medienmacher*innen 2019 die "Goldene Kartoffel für besonders unterirdische Berichterstattung" an die politischen Talkshows in ARD und ZDF verliehen: 'wo Rassismus auch nur eine Meinung ist'. Auch nach dem Mord an Georg Floyd fiel auf, wie schwer sich deutsche Diskussionsrunden taten, selbstverständlich Schwarze Personen einzuladen. Spiegel, Maischberger, Lanz schafften es jeweils erst nach lauter Kritik. Und erinnern wir uns mal kurz daran, dass der MDR 2018 vier weiße Menschen eingeladen hatte, unter anderem Frauke Petry, um die Frage zu erörtern, ob man heute noch das N-Wort sagen darf."

El Ouassil kommt in dem Zusammenhang auf den "kognitiven Trick jeder Form von Diskriminierung" zu sprechen:

"Sie ist für eine nichtbetroffene Person nicht spürbar oder sichtbar und existiert deswegen nur als abstrakte Fiktion, als Behauptung anderer, die man aus Empathie heraus erstmal glauben muss. Oder aber durch Lächerlichmachen und joviales Wegwischen, wie in der Sendung erfolgt, verdrängen kann. Bis ein Video um die Welt geht. Anders als es Thomas "Ich war auf einer Party als Jimi Hendrix geblackfaced und jetzt weiß ich, wie ein Schwarzer Mann sich fühlt" Gottschalk in der Sendung behauptet hat, wird es eine weiße Person nie nachempfinden können, wie es ist, ein Leben lang aufgrund der Hautfarbe schlechter behandelt zu werden. Deswegen muss diese für eine Mehrheit unsichtbare Ungerechtigkeit sichtbar gemacht werden. Es liegt in der Verantwortung von Journalisten und Redaktionen, dafür zu sorgen."

Mehr Diversität bei der Besetzung von Talkrunden fordert bei stern.de Michel Abdollahi, der ja selbst eine öffentlich-rechtliche Talkshow moderiert ("Käpt‘ns Dinner"):

"Wann werden Talkrunden im deutschen Fernsehen endlich diverser aufgestellt? Wann verstehen Programmverantwortliche, dass knapp 25 Prozent der Menschen in diesem Land eine Migrationsgeschichte haben, seit Jahrzehnten zu unserer Gesellschaft gehören und trotzdem kaum in den Medien abgebildet werden? Diese Diskussion ist so mühsam."

Da diese Diskussionen ja nun tatsächlich schon sehr lange geführt werden, könnte man natürlich auch vermuten, dass die "Programmverantwortlichen" das alles sehr wohl "verstehen". Sie wollen halt nur nicht entsprechend handeln.

Die Angst vor zu viel Anspruch

Anne Fromm schlägt in der taz einen Bogen, den ich in der gestrigen Kolumne auch gern hinbekommen hätte:

"Der WDR, das ist der Sender bei dem sie gerade dabei sind, die tägliche Literaturkritik im Radio so umzubauen, dass die Mitarbeiter:innen es als eine Abschaffung wahrnehmen. Der Programmchef von WDR 3 nennt es eine 'Öffnung von Literatur für verschiedene Formen der Darstellung'. So ähnlich argumentierten auch der Hessische und der Norddeutsche Rundfunk zuletzt, als sie an ihrer Kultur- und Literaturberichterstattung geschraubt haben. Was in diesen als 'Modernisierung' gekennzeichneten Umbauten oft mitschwingt, ist die Angst der Sender, ihr Publikum zu überfordern. Zu langweilen mit zu viel Anspruch und abzuschrecken mit einer Berichterstattung aus dem vermeintlichen Elfenbeinturm. Vielleicht rührt diese Angst daher, dass selbst hohe Politiker das Zerrbild der abgehobenen, dauer-gendernden Öffentlich-Rechtlichen vor sich hertragen. Aus dieser Angst heraus versuchen Redaktionen krampfhaft, sich an jenes Milieu anzubiedern, was sie am meisten infrage stellt."

Matthias Schwarzer geht beim Redaktionsnetzwerk Deutschland in eine ähnliche Richtung. Unter dem Eindruck dieser "Show, die so primitiv und so unter dem Niveau eines öffentlich-rechtlichen Senders liegt, dass selbst RTL II sie wahrscheinlich nicht ausgestrahlt hätte", schreibt er:

"An anderer Stelle reformiert der WDR derweil massiv sein Programm. Weg von all dem intellektuellen Kram, den sowieso kein Mensch versteht, hin zu dem, was die gefühlte Mehrheit wirklich bewegt (…) Wer das Programm des WDR-Fernsehens beobachtet, sieht inzwischen mehr Straßenumfragen zu komplexen Themen als fundierte Analysen."

Wären diversere Redaktionen eine Lösung? Ja, sagt Anne Fromm, aber:

"(Das) allein (wird) nicht helfen. Es ist ziemlich viel verlangt von der einen Kollegin mit Migrationsgeschichte, die Rassismus-Warnampel für die gesamte Redaktion zu sein. Und es ist ziemlich wenig verlangt von all den anderen Kol­le­g:in­nen ohne Migrationserfahrung, gar keine Rassismus-Warnampel in sich zu tragen."

Die Normalität des Antiziganismus

Strukturelle Veränderungen ganz anderer Art fordert der Zentralrat Deutscher Sinti & Roma in einer Pressemitteilung:

"Es ist überfällig, dass Vertreterinnen und Vertreter der Sinti und Roma in den Rundfunkräten der öffentlich-rechtlichen Sender wie in der Medienaufsicht für die Privatsender endlich einen festen Platz erhalten, um der Normalität des Antiziganismus, wie er sich immer wieder in den Medien zeigt, entgegenzutreten. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wird sich gemeinsam mit seinen Landesverbänden hierzu an die jeweils verantwortlichen Institutionen wenden."

Die historischen Wurzeln dieses Antiziganismus benennt Hamze Bytyci, Vorsitzender der Organisation RomaTrial und Politiker in der Partei Die Linke, in einem im Zeit-Online-Ressort ze.tt erschienenen Interview. Zur Frage "Warum ist das Z-Wort so gewaltsam?" sagt er:

"Es ist eine Fremdbezeichnung. Roma bedeutet übersetzt einfach Mensch. Das Z-Wort ist das Gegenteil davon. Die Nazis machten uns mit dem Begriff zu Unmenschen, sie ritzten es Menschen wie mir in den KZs in die Haut. Nur sehr wenige Sinti*zze und Rom*nja benutzen das Wort heute noch als Selbstbezeichnung wie die Holocaust-Überlebende Zilli Schmidt. Sie bezeichnet sich selbst als 'wandelndes schlechtes Gewissen' für die Täter*innen. Über 500.000 Sinti*zze und Rom*nja wurden von den Nazis vernichtet. Heute reden wir kaum darüber."

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Leute, die in öffentlich-rechtlichen Sendern Programme gestalten, Bildungslücken haben, was die NS-Geschichte angeht. Sonst würden sie doch kaum solche bescheuerten Lebensmittelbezeichnungsfragen "diskutieren" lassen.

Der Michi aus der Zeitungsblase

Einen "irren Shitstorm" bzw. "unberechtigten Aufruhr" hat dagegen Michael Hanfeld (FAZ, €) wahrgenommen. Naja, das kennen wir ja schon aus diesen Kreisen: Dass substanzielle Kritik kurzerhand durch die Titulierung "Shitstorm" erledigt wird. Die gute alte "Twitterblase" hat der Michi aus der Zeitungsblase ebenfalls im Angebot. Als ob eine Information oder ein Gedanke dadurch entwertet würde, wie sie oder er verbreitet wird. Die Kritik an der Sendung kam ja von Leuten, die auch jenseits von Twitter in der Öffentlichkeit stehen. Dass Politikerinnen wie Saskia Esken zum Teil einer "Twitterblase" werden, wenn sie sich bei Twitter zu bestimmten Themen äußern, klingt wenig schlüssig.

Man müsse die Sendung nun "wirklich nicht für den Gipfel der Aufklärung halten", schreibt Hanfeld außerdem, aber:

"Das Phänomen, das sich hier zeigt, ist (…) etwas anderes: Es kommt weniger darauf an, was gesagt wird, sondern, wer etwas sagt. 'Privilegierte Weiße', als welche die Teilnehmer der Show sogleich identifiziert wurden, sind beim Thema Rassismus in den Augen der journalistischen Twittertruppe, die bei solchen Gelegenheiten loslegt, von vornherein außen vor. Noch schlimmer wird es, wenn man sich mit denen anlegt, die auf Twitter Sprechlizenzen verteilen."

Hier will Hanfeld wohl etwas durcheinander bringen. Die Kritik, dass da nur 'Privilegierte Weiße' hockten, war tatsächlich omnipräsent. Daraus aber abzuleiten, dass den Kritikern der Sendung es egal gewesen wäre, wenn dort unprivilegierte Weiße oder Nicht-Weiße (sei es mit oder ohne Privilegien) den Nationalsozialismus verharmlost und die Nachfahren der Opfer verächtlich gemacht hätten - das ist schon a bisserl bösartig.

Die Ungleichzeitigkeiten der medial fragmentierten Gegenwart

Matthias Dell regt bei Zeit Online zu der Frage an, welche Rolle "Die letzte Instanz" spielen könnte, wenn Thomas Gottschalk einmal in den Ruhestand ginge und es einen Anlass gäbe, ausführlich auf dessen Fernsehkarriere zurückzublicken:

"Als in der aktuell gesendeten, alten Folge die Schwachsinnsdiskussion über das, gähn, was man vermeintlich nicht mehr sagen darf, zwangsläufig bei der Genderlücke landet, die heute-journal-Moderator Claus Kleber (ZDF) spricht, will Hallaschka von Gottschalk wissen, ob ihn das nicht beeindrucken würde. Und Gottschalk, der in grauer Vorzeit einmal als Sunnyboy und locker und Gigant der deutschen Samstagabendunterhaltung galt, stammelt allen Ernstes: 'Kleber und Kleb_innen'. Das ist von solch einer tiefen Traurigkeit auf so vielen Ebenen, dass es selbst, achten Sie drauf bei Minute 15:23, dem sonst recht erfolgreich dumm tuenden Hallaschka schwerfällt, die eigene Mimik im Griff zu behalten. Der Blick geht hilfesuchend zu Micky Beisenherz, weil der als Einziger in der Runde überhaupt zu einer Umdrehung Reflexion in der Lage scheint. Aber Beisenherz guckt da schon eine Weile beschämt auf den Boden angesichts des Gag-Tischfeuerwerks, mit dem Gottschalk gerade den letzten Rest seiner Reputation abfackelt ('Salzstreuerin')."

Ich bin alt genug, um Leute zu kennen, die viel von Thomas Gottschalk halten oder hielten, und obwohl mich sein Wirken eher kalt gelassen hat - außer in meinen Teenagerjahren, als er die Musiksendung "Szene" moderierte -, bekümmert es mich schon ein bisschen, wie sich Gottschalk hier mit viertklassigen Witzen in den Abgrund reißt. 

Dell schreibt auch, die Sendung sei "wie eine ins Grauenhafte und Unlustige gewendete Version von Hugo Egon Balders 'Genial daneben'" - und ihre Rezeption ein "gutes Beispiel für die Ungleichzeitigkeiten der medial fragmentierten Gegenwart". Das bezieht sich auf den gestern hier schon erwähnten Umstand, dass die jetzt vieldiskutierte Folge bereits vor zwei Monaten erstausgestrahlt wurde.

Ein weiteres Beispiel für diese "Ungleichzeitigkeiten" im Zusammenhang mit "Die letzte Instanz": Hasnain Kazim erzählt, wie er zufällig - dank eines Hinweises einer Twitter-Followerin - an diesem Wochenende mitbekam, dass er selbst ein Thema war in einer Ausgabe von "Die letzte Instanz". Angekündigt war der Programmpunkt damals mit den Worten: "Der Fall Kazim: Sollte man rassistische Hater bei ihrem Arbeitgeber outen?"

Auch hier weckte erst der Wiederholungstermin im Januar die Aufmerksamkeit. Erstausgestrahlt wurde die Sendung Mitte November 2020. Mit anderen Worten: Es dauerte mehr als zwei Monate, ehe Kazim mitbekam, dass im Fernsehen über den "Fall Kazim" gesprochen wurde, das heißt, vermutlich hatte auch niemand, der ihn kennt, die Sendung gesehen. Abgesehen davon, hätte die Redaktion im Rahmen einer Art Vorrecherche ja auch vor der Sendung mal bei Kazim anrufen können, schließlich ging es ja unter anderem um "seinen" "Fall" - aber man darf vielleicht auch nicht zu viel verlangen.

Wenn der oft irreführende Begriff "Blase" überhaupt einen Sinn ergibt, dann für möglicherweise fürs linearen Fernsehen. Nicht verschwiegen sei der vielleicht etwas zu nahe liegende Hinweis, dass besagte Sendung inhaltlich unter aller Kanone war. Über Moderator Steffen Hallaschka schreibt Kazim unter anderem:

"Er zitiert als Kronzeugen gegen mich den Rechtsanwalt Ralf Höcker (…) - und erwähnt mit keinem Wort, dass sein Kronzeuge (…) Sprecher der 'Werteunion' war (und) viele 'AfD'-Politiker vertritt."

Ich glaube, beim WDR haben sie gerade Angst davor, dass aufgrund der aktuellen Diskussion Menschen, die bereit sind, dem Grauen ins Auge zu blicken, sich noch mehr Folgen anschauen als die mit dem Z-Wort. Meine Empfehlung für derart Mutige: der Schluss der eben erwähnten Sendung zum "Fall Kazim" (Timecode: 53:30). Da äußert sich der am Montag hier schon erwähnte Karl-Heinz Schwensen über Michael Wendler und Xavier Naidoo.


Altpapierkorb (die Sparbeschlüsse der Öffentlich-Rechtlichen, das mögliche Revival von "Germany’s Gold", die weichzeichnerische Berichterstattung über sogenannte Abgehängte)

+++ Was am Montag hier unter den Tisch fiel: die Sparbeschlüsse der öffentlich-rechtlichen Sender angesichts der ungewissen Rundfunkbeitragserhöhung. Darauf gehen die taz und die Medienkorrespondenz ein. Auszüge: Der NDR und das Deutschlandradio haben ein Sonderrecht wahrgenommen und den Tarifvertrag gekündigt, und beim Saarländische Rundfunk und beim SWR steht dies zur Debatte. Unser MDR dagegen "wird vor allem zwei Dinge zurückstellen: den Ausbau des Netzes für digitalen Radioempfang (DAB+) und den Umbau des Funkhauses in Halle, das zu einem 'cross­medialen Standort' werden soll" (taz). Und die MK zitiert Radio-Bremen-Intendantin Yvette Gerner mit den Worten, ihr Sender werde "bis Ende des Jahres 2021 liquiditätstechnisch nicht durchkommen".

 +++ Einen Bereich, in dem die Öffentlich-Rechtlichen dagegen investieren sollten, benennt Conrad Heberling, Professor für Marketing und Marktforschung an der Filmuniversität Konrad Wolf), in der FAZ. "Warum (…) nicht 'Germany’s Gold' reloaded?" fragt er (75 Cent bei Blendle). Heberling wünscht sich also die Revitalisierung einer im September 2013 (Altpapier) ad acta gelegten Idee. Warum wünscht er sich das? "Eine deutsche oder europäische Antwort" auf Netflix und Co. müsse her. "(D)er Markt schreit danach. Falls es der deutschen Fernseh- und Filmbranche in absehbarer Zeit nicht gelingt, in einer konzertierten Aktion eine Antwort auf die amerikanische Streamingoffensive zu finden, wird diese zweite Welle der Dominanz noch viel stärkere Auswirkungen auf den deutschen Medienmarkt haben, als wir uns bisher vorzustellen vermögen." Unter ein Dach kommen sollten nicht nur ARD, ZDF und die hiesige private Konkurrenz. Heberling meint: "Ein Zusammenschluss der D-A-CH-Region, also Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, zu einer deutschsprachigen Plattform bietet sich an."

+++ Als Beispiel für die heute erwähnten "Ungleichzeitigkeiten der medial fragmentierten Gegenwart" wäre auch meine Wahrnehmung einer Carolin-Emcke-Kolumne zu nennen. Obwohl sie zuerst Mitte Januar in der SZ erschienen ist (die ich abonniert habe) und obwohl es dort um eines meiner leidigsten Lieblingsthemen geht, nämlich die "weichzeichnerische" (Emcke) Berichterstattung über sogenannte Abgehängte, ist mir der Text erst aktuell anlässlich der Republikation im Tages-Anzeiger aufgefallen: "Sie kursierten schon in den Stunden, als das Capitol noch von enthemmten Horden belagert wurde, die üblichen Begriffe, die alles versöhnen sollen, die bequemen, angenehmen, wohlklingenden Worte, die niemandem wehtun, die nicht zu präzis, nicht zu folgenreich beschreiben, was geschehen ist. Es ist dieselbe politisch-mediale Verklärung, mit der schon seit Jahren angestrengt versucht wird, in den autoritären, neovölkischen Netzwerken weltweit alles, wirklich alles zu sehen, nur keine weltweit operierenden, autoritären, neovölkischen Netzwerke."

Neues Altpapier gibt es wieder am Mittwoch.

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