Das Altpapier am 18. Dezember 2017 Was fehlt? Ein Chefarzt aus Ghana

Der französische Staatspräsident meint, der dortige öffentlich-rechtliche Rundfunk sei "eine Schande für unsere Bürger". Der TV-Regisseur Uwe Janson möchte endlich mehr Diversität in der deutschen Fernseh-Fiktion und kein "Programm für AfD-Wähler" sehen. Zudem: Ein aktueller Überblick über den globalen "Krieg gegen die Wahrheit"; der potenzielle Netflix-Konkurrent Disney; eine Szene aus einer Dokumentation über den "Kampf gegen den IS", die das ZDF zu hart fand. Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Medienkolumne "Das Altpapier" zum Thema: Emmanuel Macron hält öffentlichen Rundfunk in Frankreich für ein Schande sowie Trump & Co kämpfen gegen das freie Internet
Bildrechte: Collage MEDIEN360G / panthermedia / dpa

Am Freitag mussten in dieser Kolumne Betrachtungen zum Ende der Netzneutralität in den USA an erster Stelle stehen. Auch heute kommen wir darum nicht herum. Georg Diez hat für die Spiegel-Online-Kolumne das Aufgeben der "Gleichbehandlung von Datenströmen im Internet" in einen größeren Kontext eingeordnet. "Die Abschaffung der Demokratie" lautet die Headline. Diez schreibt:

"Donald Trump und die Seinen (…) machen (…) sich mehr und mehr daran, die Version von Gedankenkontrolle zu praktizieren, die man von ihnen vielleicht doch nicht erwartet hätte: Sie verbieten Worte, die die Wahrheit oder den wissenschaftlichen Prozess der Wahrheitsfindung spiegeln, 'Fötus' etwa oder 'Transgender', 'Diversität', 'auf wissenschaftlicher Grundlage' oder 'auf der Grundlage von Beweisen'".

Dieser "Krieg gegen die Wahrheit" finde wiederum in vielen Ländern bzw. deutschen Nachbarländern statt bzw. stehe dort bevor:

"Trump und seine Kohorten sind dabei nicht die Einzigen, die den Krieg gegen die Wahrheit zur Grundlage ihrer autoritären Herrschaft machen, im Gegenteil, Trump ist nur der Lauteste und Mächtigste von ihnen (…) Die libysche Regierung macht es so, wenn es um Berichte über Sklaverei geht (…) , (und) die polnische Regierung macht es so: Gerade wurde der größte und wichtigste Privatsender TVN24 mit einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Zloty (ungefähr 350.000 Euro) bestraft, weil die Mitarbeiter 'illegale Aktivitäten verfolgten und Verhalten unterstützten, das die Sicherheit gefährdet', wie es in der Begründung heißt. Und in Österreich sagt der neue Vizekanzler Strache von der FPÖ: 'Auch im ORF wollen wir Optimierungen vornehmen, was die Objektivität betrifft.'"

Diez’ Fazit:

"So klingt Faschismus."

Was Macron für "eine Schande" hält

Selbstverständlich kein Faschist ist der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Aber einen Wein trinken möchte man diesem Burschen auch eher nicht:

"Anfang Dezember kam es zu einem Höhepunkt der bisherigen medienpolitischen Interventionen von Staatschef Macron: Bei einem Empfang der Mitglieder des Kultur- und Bildungsausschusses der französischen Nationalversammlung im Pariser Elysée-Palast soll der Präsident den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als 'die Schande der Republik' bezeichnet haben. Dies berichtete das Nachrichtenmagazin L’Express am 5. Dezember (…) Macron ließ den Bericht des L’Express umgehend dementieren, das Blatt blieb indes bei seiner Darstellung. Die renommierte Fernsehzeitschrift Télérama präzisierte später das umstrittene Zitat Macrons, der demnach sagte: 'Der öffentliche Rundfunk ['l’audiovisuel public'], das ist eine Schande für unsere Bürger, das ist eine Schande im Hinblick auf das Management und das ist eine Schande bei dem, was ich in den letzten Wochen im Verhalten des Managements wahrnehmen konnte.'"

Darüber berichtet die Medienkorrespondenz. Warum der Hase läuft, wie er läuft - das legt Mathias Ebert in seinem Text dann auch noch nahe:

"Emmanuel Macron gilt als Vertrauter von Frankreichs einflussreichstem Medienunternehmer Patrick Drahi, Gründer und Besitzer des global agierenden Medienkonzerns Altice. Drahi (…) betreibt den wirkungsmächtigen Fernsehnachrichtenkanal BFMTV. Macron-Gegner hatten im letzten Wahlkampf um die französische Präsidentschaft im Frühjahr 2017 BFMTV als 'BFMacron' geschmäht. Der Aktienkurs der hochverschuldeten Altice-Gruppe, die an der Amsterdamer Börse notiert ist, war zuletzt drastisch gefallen."

Wir sind mit Diez’ Kolumne auch deshalb eingestiegen, weil er viele Stichworte nennt, auf die sich anhand anderswo erschienener aktueller Texte ausführlicher eingehen lässt. Auf der Medienseite der SZ etwa interviewt Jannis Brühl Aaron Sharockman, den Geschäftsführer von Politifact, "der wichtigsten Factchecking-Webseite der USA". Brühl fragt ihn, ob es unter Trump "wirklich einen Paradigmenwechsel" gegeben habe. Denn: "Politische Lügen gab es schon immer, wie die über irakische Massenvernichtungswaffen." Sharockman sagt dazu:

"Ja, aber die Schamlosigkeit, mit der man bei der Lüge bleibt, selbst nachdem man mit den Fakten konfrontiert worden ist, beunruhigt. Wenn über eine Grenzmauer zu Mexiko geredet wird, sind die Fakten folgende: Seit mehreren Jahren verlassen mehr Menschen die USA Richtung Mexiko als andersrum. Es gibt Probleme, aber alles, was Trump sagt, soll den Eindruck erwecken, die Lage an der Grenze sei schrecklich."

Der Mann von Politifact weist, ähnlich wie Diez, darauf hin, dass es sich hier um ein internationales Phänomen handle:

"Politiker überall haben (Trumps) Erfolg beobachtet und versuchen, ihn in Teilen zu wiederholen. Sie sagen: 'Du verkaufst keine Fakten, sondern eine Botschaft.'"

Um weitere in Diez’ Kolumne angerissene Themen aufzugreifen: Dass die neue österreichische Regierung einen "Pornofilter" im Netz plant, berichtet Der Standard. Eben diese Zeitung betreibe "eine Art Gesinnungsstasi" - so der neue österreichische Innenminister, "der Texter von FPÖ-Wahlsprüchen wie 'Abendland in Christenhand', 'Daham statt Islam' oder 'Wiener Blut - zu viel Fremdes tut niemandem gut'" (Spiegel Online am Wochenende), im vergangenen Jahr in einer Rede, die gerade im Netz die Runde macht. Und über die Repression der polnischen Regierung gegen den Privatsender TVN24 berichtet die FAS (Blendle, 45 Cent)

Freiheit für die Fernsehfilm-Redakteure!

Dass die Lage des deutschen Fernsehfilms so schlecht ist, wie es zuletzt etwa das Fernsehfilmfestival Baden-Baden vermittelte (siehe auch Altpapier) - Schuld daran sind nicht die Redakteure (wenngleich sie sich der Verantwortung für ihre Entscheidungen natürlich nicht entziehen können). Uwe Janson, der diverse Filme für den "Tatort" und "Danni Lowinski" gedreht hat und kürzlich für das ZDF die Serie "Das Pubertier", sagt jedenfalls im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

"Den Redakteuren müssen mehr Freiräume gegeben werden, das muss von oben passieren. Wir brauchen eine Silicon-Valley-Kultur im deutschen Film und Fernsehen. Es gibt natürlich einige Redakteure und Verantwortliche, die genau das wollen. Denen müssen wir doch Tür und Tor öffnen und die Möglichkeit geben zu machen, und zwar so, wie es viele vorher noch nicht getan haben. Und auch die Lizenz zu scheitern! Aber das wird letztendlich von oberster Instanz gebremst."

Dass die Diskussion nun mit Phrasen wie "Silicon-Valley-Kultur" befruchtet wird, wage ich allerdings zu bezweifeln. Auf jeden Fall Zustimmung verdient folgende Einschätzung Jansons:

"Wenn ich amerikanisches, englisches oder französisches Fernsehen sehe, da sehe ich Diversität. Die BAFTA in England hat Diversität zur Voraussetzung erklärt, um überhaupt einreichberechtigt zu sein für die Auszeichnungen. Hier in Deutschland laufen höchsten ein paar schwarze Menschen als Asylbewerber herum. Ich würde gerne mal einen Menschen aus Ghana als Chefarzt sehen. Die abgebildete Welt im deutschen Fernsehen entspricht nicht dem, was ich in Berlin, in Köln, in Hamburg, in den Großstädten jedenfalls, sehe (…) Wir müssen in diesen Diversitäten denken und die Reichhaltigkeit der Kulturen zulassen. Und kein Programm für AfD-Wähler machen."

Interessant ist in dem Zusammenhang natürlich, dass die kritisierten Sendermanager dieses Programm ja auch bereits gemacht haben, als die heutigen AfD-Wähler ihr Gedankengut noch bei anderen Parteien gut vertreten fühlten. Über solche Formen der öffentlich-rechtlichen Auftrags-Untererfüllung bzw. "die langjährige Unterforderung des Publikums" habe ich im Frühjahr in einem anderen Zusammenhang - Fake News - für die Medienkorrespondenz geschrieben.

"Welche Kameraperspektive zeigt die 'Wahrheit'?"

Aufmacher des aktuellen FAS-Feuilletons ist das Thema Videobeweis, und Peter Körte greift dabei auch einen Fall auf, der vor einer Woche im Altpapier zur Sprache kam. Generell stellt Körte fest:

"Das Verfahren, anhand des aufgezeichneten Bildmaterials während des Spiels strittige Situationen zu überprüfen, beansprucht eine Evidenz für sich, die den bloßen Augenschein des Schiedsrichters überbietet. Zugleich aber weiß jeder Zuschauer aus den Fernsehbildern der letzten Jahrzehnte, dass die Eindeutigkeit des Bildmaterials eine hübsche Fiktion ist. Die Beweiskraft war also von vornherein fragwürdig, weil Evidenz eben immer von der Deutung der Bilder abhängt."

Wie der in der erwähnten vorwöchigen Kolumne zitierte Peter Unfried, bringt auch Körte Gedanken in die Diskussion, die interessant sind für jene, denen Fußball eher wurscht ist:

"Der Videobeweis im Fußball (führt) zu ähnlichen Fragen wie in der Überwachungsdiskussion: Was wird für wen wie sichtbar, beweisbar oder nachvollziehbar? Welches Verhalten, welche Bewegungen, welche Mimik verraten wem mit welcher Beweiskraft den potentiellen Täter? Woher rührt die Evidenz, dass eine Straftat oder Regelverletzung vorliegt? Welche Kameraperspektive zeigt die 'Wahrheit'? Bei wem liegt die Deutungshoheit?"

Jetzt schon in Jahreswechselstimmung verfallen zu wollen, wäre vielleicht verfrüht, aber was Marina Weisband in ihrer letzten 2017er-Kolumne für @mediasres sagt, fällt durchaus in die Kategorie Jahrestipps für Journalisten. Einer lautet:

"Wenn Nazis der Meinung sind, dass ich verbrannt werden sollte, und ich der Meinung bin, dass … nicht - dann dürfen unsere Meinungen nicht gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die Wahrheit liegt nicht irgendwo in der Mitte. Eine dieser Positionen ist ganz klar gesellschaftlich zu ächten.

Ein anderer:

"Klar - man sollte mit Leuten, die in rechten Mustern denken und argumentieren, reden. Besonders, wenn man privat mit ihnen zu tun hat. Aber wir können mal langsam aufhören, Nazis beim Einkaufen zu begleiten und ihre Wohnungen zu besuchen, um mal die Meinungen der besorgten Bürger kennen zu lernen und zu hören. Wir haben sie in den letzten zwei Jahren bis zum Erbrechen gehört, wir kennen alle ihre Parolen, alle ihre rhetorischen Winkelzüge. Vielleicht ist es auch mal Zeit, mehr den besorgten Menschen zuzuhören, deren Unterkünfte sie anzünden."

Altpapierkorb (Netflix-Konkurrent Disney, "Wettrüsten" im Kampf gegen Fake News, maritime Metaphern, MTV, Mesale Tolu, Ashwin Raman, "Cat Person")

+++ Über die Pläne Disneys, Netflix weniger Produktionen zur Verfügung zu stellen (siehe Altpapier von Montag) und über den Umweg des Fox-Erwerbs (siehe Altpapier von Freitag) dem Streamingdienst gar direkt Konkurrenz zu machen, berichten heute Anne Fromm (taz) und Thomas Klingenmaier (Stuttgarter Zeitung). Letzterer schreibt: "Das Haus der Maus, wie es in Hollywood mit Blick auf seine Mickey-Mouse-Wurzel genannt wird, hat einen eigenen Streaming-Dienst als Konkurrenz zu Netflix angekündigt. Die Notwendigkeit, dafür genügend Film- und Serienangebot parat zu haben, gilt als Auslöser des Fox-Erwerbs. Aber das Gesamtpaket würde Disney auch zum Mehrheitseigentümer des Streamers Hulu machen, bislang auf dem US-Markt die Nummer drei hinter Netflix und Amazon. Wird Hulu mit seinem Kundenbestand nun schlicht der neue Disney-Dienst? Oder wird es zwei mehr oder weniger eng verflochtene Programm-Schwestern geben, Disney als Familien-, Hulu als Erwachsenenkanal?"

+++ In der Welt liefern sich Christian Meier und Felix Zwinzscher ein Pro und Contra zu der Frage, ob "wir eigentlich noch MTV brauchen". Anlass ist die Rückkehr des Musikfernsehsenders ins frei empfangbare Fernsehen.

+++ "Ein Hörfunksender, der verdonnert ist, lediglich Audios ins Netz zu stellen und ein paar verbindende Sätze dazu, der ist mausetot", sagt der von der Stuttgarter Zeitung porträtierte Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue.

+++ In seiner montäglichen SZ-Netzkolumne beschäftigt sich Michael Moorstedt unter anderem mit dem "Wettrüsten" im Kampf gegen Fake News: "Egal, ob Facebook und Youtube und Google nun 5000 oder 10 000 Billiglöhner beschäftigen oder doch spezialisierte Recherchebüros anheuern - der schieren Masse an fragwürdigen Inhalten werden sie damit nicht Herr. Kein Wunder, dass inzwischen ein kleines Ökosystem von Start-ups herangewachsen ist, die sich mit nichts anderem beschäftigen als mit der Frage, wie mithilfe von Software Fake News erkannt und bekämpft werden können (…) Fake Rank nennt ein Unternehmen (…) seinen Algorithmus in Anspielung auf Googles Suchmaschinencode Page Rank, der ja immerhin das gesamte Web sortiert." Zu den fünf Factchecking-Teams, die in den USA mit Facebook zusammen arbeiten, gehört übrigens das heute oben schon erwähnte Politifact.

+++ "Während einige der Beiträge auf Journalistenwatch eher verwirrt daherkommen ('Hitler war links. Rechte können damit keine Neonazis sein'), können andere nur als rechtsradikal und geschichtsrevisionistisch bezeichnet werden", schreibt Nico Schmidt, der sich bei Zeit Online mit der Frage beschäftigt, wer das Propaganda-Portal mit dem irreführenden Namen eigentlich finanziert.

+++ Unter anderem einen Einblick in zumindest Teile der G20-Berichterstattung liefert Minh Schredle in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Kontext. Hauptsächlich geht es um verfassungsrechtlich fragwürdige Wohnungsdurchsuchungen, die vor allem als Reaktion auf Beiträge der "bürgerlichen Medien" gesehen werden müssten, die der Polizei nicht gefallen haben, wie ein Betroffener sagt.

+++ "Präsident Erdogan hat die Pressefreiheit in der Türkei nicht alleine abgeschafft. Selbst liberale Journalisten haben Repressionen gegen Kollegen zumindest ignoriert" - das betont Spiegel Online.

+++ Dass es "Anzeichen" dafür gibt, dass die in der Türkei inhaftierte deutsche Journalistin Mesale Tolu bald aus der Haft entlassen wird, berichtet der Tagesspiegel. "Ich habe ein gutes Gefühl, dass sie freikommt", sagt Tolus Vater gegenüber der Zeitung.
Update, 12.15 Uhr: Die Anzeichen haben sich bestätigt.

+++ Wie ARD und ZDF neulich ihr Programm für die kommenden Olympischen Winterspiele präsentierten (siehe Altpapier) - darüber berichte ich für die Medienkorrespondenz

+++ Für die aktuelle Ausgabe der MK habe ich außerdem über die vom Grimme-Institut organisierte Veranstaltung "Die Bedeutung des Dokumentarischen" (siehe Altpapier) geschrieben - unter besonderer Berücksichtigung der Performance des ARD-Chefredakteurs Rainald Becker.

+++ Die Ruhr Nachrichten stellen die Dokumentation "Im Kampf gegen den IS. Ist das Kalifat am Ende?" vor, den neuen Film des diesjährigen Grimme-Preisträgers Ashwin Raman, der heute um 21 Uhr bei ZDF info läuft (nicht im Hauptprogramm, wie es in dem Text heißt). Es geht dabei auch um eine Szene, die zum Ärger Ramans, nicht im Film vorkommt. Darin schildert eine einst vom IS gefangene Frau, wie ihr ein IS-Kämpfer ihr Baby entriss, es vor ihren Augen zerstückelte und dann und auf einem Teller präsentierte. So genau beschreibt es die Zeitung dann wiederum auch nicht, allerdings hat Raman selbst es vor einigen Monaten in einem nicht-öffentlichen Facebook-Posting getan.

+++ Mehr über die Ruhr Nachrichten in einem anderen Zusammenhang: Der Verlag der Zeitung klagt gegen die Stadt Dortmund. Das Zeitungshaus empfindet das Internetangebot dortmund.de als - kurz gesagt - zu presseähnlich. Die Medienkorrespondenz berichtet.

+++ Die vor einigen Monaten bei Arte erstausgestrahlte und heute am späten Abend in der ARD zu sehende Dokumentation "100 Jahre Ufa" findet der Tagesspiegel "sehenswert". Sprachlich ist der Film aber teilweise ein Ärgernis. "In Deutschland segeln viele kleine Filmfirmen unter eigener Flagge"; "die kleinen Firmen sollen zu einem stolzen Schiff verschmolzen werden"; die Ufa habe "die Weltmeere des Films erobern" sollen - so beschreibt die Autorin Sigrid Faltin die Situation vor der Gründung der Ufa. Ich werde es nie verstehen, wie derart abgenutzten maritime Metaphern, die in der Hektik einer tagesaktuellen Lokalzeitungs-Produktion gewiss mal durchrutschen können, es in die Endfassung eines öffentlich-rechtlichen Films schaffen, an dem Monate lang gearbeitet wird.

+++ Was noch besprochen wird: die hier am Freitag bereits erwähnte Netflix-Serie "Wormwood" (deutsch: "Wermut"), also der "experimentelle Doku-Sechsteiler" (Spiegel Online), die für an der Geschichte der CIA interessierte Zeitgenossen kaum verzichtbar zu sein scheint: "'Wermut' collagiert (…) Shakespeare zu Texten der Apokryphen, akribisch ausgestattete Räume zu LSD-Rauschbildern und spielt sein Wahrheitssuchspiel diskret auch mit dem Betrachter", schreibt Heike Hupertz auf der FAZ-Medienseite.

+++ "'Cat Person' ist eine Geschichte mitten aus der Grauzone der #metoo-Debatte, die zeigt, wie Kommunikation – auch Sex ist Kommunikation – zwischen den Geschlechtern im 21. Jahrhundert an die Wand fahren kann, wenn die Köpfe hinter den Geräten noch dieselben sind wie in vordigitalen Zeiten. Und die Werte in den Köpfen aus einer Zeit stammen, in der die Frauen den Männern nicht zu sehr zur Last fallen oder gar ihre Gefühle verletzen wollen und sich stattdessen selbst weh tun." Andrea Diener erklärt uns im FAZ-Feuilleton, warum die New-Yorker-Geschichte "Cat Person" viral ging bzw. keine andere Kurzgeschichte der US-Zeitschrift "in diesem Jahr häufiger gelesen wurde als diese".

Neues Altpapier gibt es wieder am Dienstag.