Das Altpapier am 19. April 2018 Dicke Bretter in Redaktionen

Das Magazin Neon muss sterben, bevor es volljährig wird. Der WDR will seinen Mitarbeitern erklären, wie man andere nicht sexuell belästigt. Und der ganze Ärger um den verunglückten MDR-Tweet hat vielleicht doch noch etwas Gutes. Ein Altpapier von Ralf Heimann.

Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 19. April 2018: Das Magazin Neon muss sterben, bevor es volljährig wird.
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Wenn man erwachsen wird, kann es passieren, dass man in eine andere Stadt zieht und irgendwann feststellt, dass man erwachsen geworden ist. Plötzlich läuft nicht mehr alles von selbst, und im schlechtesten Fall wird auch das Geld irgendwann knapp. Das ist ungefähr die Geschichte des Magazins Neon, das der Idee nach für Menschen gemacht war, die nicht erwachsen werden wollten.

Das Magazin selbst ist recht früh erwachsen geworden und tritt nun schon drei Jahre vor seiner Volljährigkeit aus dem Leben. Das dürfte sich gestern herumgesprochen haben. Und immerhin eine der großen Fragen, mit denen wir uns zwischen 20 und 30 und auch danach immer wieder beschäftigen, scheint sich mit dem Ableben der Magazine Jetzt, Wired Deutschland und Neon langsam zu klären, nämlich die danach, wie es nach dem Tod weitergeht. Falls wir Magazine wären, wüssten wir es jetzt jedenfalls. Dann würden wir nach dem Tod höchstwahrscheinlich eine Online-Community.

Dass Neon-Chefredakteurin Ruth Fend in ihrem "Abschiedssbrief" betont "NEON lebt!", hat Spiegel Online nicht davon abgehalten, einen "Nachruf" zu verfassen. Und Eva Thöne stellt darin unter anderem auch die Frage nach den Gründen für den frühen Tod.

"(…) die 'Neon' ist sicherlich ein Internetopfer, für das nach einem hoffnungsvollen Internetanfang nie eine durchdachte Digitalstrategie entwickelt wurde. Aber vielleicht sind dahinter eben auch noch viele weitere Erklärungen. Während man den Unterhaltsamkeits-Nonsens, den 'Neon' erfand, heute gratis bei BuzzFeed bekommt, sind aktuelle Printprojekte ja gewissermaßen auch digital, aber anders, als es die 'Neon' je war – betonen das Spezielle, etwa das Fleischmagazin 'Beef' oder auch Gruner + Jahrs neues junges Heft 'JWD', das sich um die Persönlichkeit des Moderators Joko Winterscheidt dreht."

Dirk Peitz erklärt bei Zeit Online zunächst einmal, warum das Magazin überhaupt erst erfolgreich wurde.

"Die große Kunst von Klotzek und Ebert als Magazinmacher bestand unter anderem darin, mit den Mitteln von Frauen- und Männerzeitschriften etwas dezidiert anderes anzufangen und das Magazin als Format noch einmal neu zu denken: Neon bediente das stets gleiche Lebensgefühl von jungen Menschen vage zwischen 20 und 30 immer wieder aufs Neue, statt sich nur an ein Geschlecht zu wenden und zugleich mühsam die alte Illusion aufrechtzuerhalten, Magazine besäßen noch eine Nähe zu Stars und könnten weiter glaubhaft als Traummaschinen funktionieren. Diese Zeit war vorbei."

Ein inhaltliches Problem, das den Niedergang möglicherweise mit auslöste, sieht Peitz darin, dass die Neon noch vor ein paar Jahren ein exklusives Gefühl transportierte, das mittlerweile an jeder digitalen Ecke verfügbar ist. 

"Das Wir-Gefühl, mit dem Neon einst begann, lässt sich heute tatsächlich an vielen anderen Stellen erspüren, im Netz etwa bei journalistischen Angeboten wie ze.tt oder bento. Dieses 'Wir' wurde aber auch vereinnahmt durch das, was einst jetzt.de und später Neon.de hätten werden können: Social-Media-Plattformen. Die heute erfolgreichen brauchten nie gedruckte Begleithefte. 'Wir', das sind heute auf ganz viele verschiedene Weisen und auf ganz vielen verschiedenen Kanälen auch Facebook, Instagram, Twitter, WhatsApp, Snapchat."

Der ehemalige Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann schickte gestern schon mal via Tweet vorab eine Korrektur möglicher Zeitgeist-Erklärungen voraus.

"Wenn nun bei @turi2 @MEEDIA etc. bald Menschen zitiert werden, die behaupten, @neon_magazin sei ein Opfer des wandelnden Zeitgeists, dann stimmt das nicht. Die Einstellung von Neon ist das Ergebnis von jahrelangem verlegerischen Missmanagement. #schadeumneon #dankeneon".

Stefan Winterbauer interpretiert das für Meedia vor allem als nachträgliche Kritik am Umzug des Magazins von München nach Hamburg.

"Der erzwungene Umzug war dann, so muss man das im Rückblick bewerten, eine ziemliche Fehlentscheidung. Die Hälfte der Redaktion machte nicht mit, darunter die beiden Chefs. Es zeigte sich zur Überraschung der Hamburger Verlagsmanager, dass eine Redaktion, zumal eine, die ein so gefühliges Heft wie Neon herstellt, eine sensible Sache sein kann. (…) Zu dem Kapitalfehler Umzug kam bei Neon dann noch eine personelle Fehlentscheidung, als 2015 Nicole Zepter zur Chefredakteurin gemacht wurde. Sie fremdelte mit der Redaktion, es knirschte immer vernehmlicher, Titel rauschten am Kiosk ab, der Neon-Niedergang gewann an Dynamik."

Er schätzt, dass 15 Jahre im Vergleich zu vielen Magazinen, die in Zukunft auf den Markt kommen werden, wohl doch ein ziemlich stolzes Alter sein könnten.

"Bei Gruner wollen sie nun schneller Trends erkennen und Magazine dafür schaffen. Beispiele sind das Wohlfühl-Heft Hygge oder eben auch das neue Jungmänner-Magazin JWD., das auf die noch zu beweisende Zugkraft von TV-Nase Joko Winterscheidt setzt. Diese neue Art, Magazine zu denken, schließt mit ein, dass es bei vielen Neugründungen auch schneller und öfter zu Einstellungen kommen kann und kommen wird."

Offen ist nun natürlich noch die Frage: Was sagen die übrigen Leute auf Twitter zur Einstellung der Neon? Und für alle, die sich dafür interessieren, hat Rob Vegas auf seiner Seite etwas vorbereitet.

Eigentlich längst durchbohrte Bretter

Kommen wir nun zu einem anderen Unfall – nämlich den, den der MDR-Tweet zur Diskussionsrunde über "Political Correctness" auslöste, und um den es bereits gestern im Altpapier ging. Boris Rosenkranz hat für Übermedien mit Bernhard Holfeld gesprochen, dem Programmchef vom MDR Sachsen. Und dass die eigentlich längst beantwortete Frage nach dem N-Wort noch mal gestellt wurde, erklärt der so:

"Für uns ist es beantwortet, ja. Aber ich glaube, dass es mit einer einmaligen Veröffentlichung eines Online-Artikels und einem Beitrag im Radio nicht getan ist. Gesellschaftliche Ressentiments sind ein dickes Brett, das wir noch lange bohren müssen, und wo wir viel Aktivität brauchen."

Wobei man natürlich aufpassen muss, dass die Ressentiments nicht genau mit dieser Art von Aktivität noch verfestigt werden, wenn man in der angekündigten Art diskutiert. Die Erklärung dafür, dass man nur über Menschen diskutieren wollte, die von sprachlicher Diskriminierung betroffen sind, nicht aber mit ihnen, klingt etwas dünn, macht aber deutlich, dass viele Bretter, die eigentlich längst durchbohrt sein sollten, wohl doch noch durchbohrt werden müssen, auch in den Redaktionen.

"Die Redaktion hat sich schon Gedanken gemacht, aber auf diese Idee sind sie nicht gekommen. Hinterher kann man sagen, okay, wäre doch nicht so schwer gewesen – aber so ist das mit Ideen eben manchmal."

Und dann sagt Holfeld noch diesen bemerkenswerten Satz, der vor allem auch deshalb bemerkenswert ist, weil er sich wunderbar eignet, um mit ihm zu Sascha Lobos Kolumne bei Spiegel Online überzuleiten.

"Twitter ist offenbar ein Medium, das ganz anders reagiert und auch genutzt wird."

Lobo kann der Empörung über den Tweet auch etwas Gutes abgewinnen, nämlich

"(…) dass sich zum Beispiel im Fall des MDR-Rassismus in den sozialen Medien ein moralisches Immunsystem der Gesellschaft herausbildet. Noch mag das häufig überreagieren und Fehlalarme provozieren. Die Chance aber, dass künftig irgendein nichtrechtsextremes Medium seine Inhalte unbedingt mit dem N-Wort anpreisen möchte, scheint durch das sozialmediale Immunsystem soeben geringer geworden zu sein (hoffentlich). Und das ist ja wohl nichts anderes als gesellschaftlicher Fortschritt made in Sachsen. Danke MDR."

Neue Vorwürfe gegen WDR-Mitarbeiter

Nach ähnlichen Prinzipien funktioniert ja auch der Journalismus generell. Nur dass es jenseits von Twitter manchmal etwas länger dauert, bis das Immunsystem reagiert. Im Falle der Belästigungsvorwürfe gegen Mitarbeiter des WDR (Altpapier) scheint das jetzt so langsam zu passieren. Der Sender kündigte gestern in einer Pressemitteilung "Sofortmaßnahmen" an, um sexuelle Belästigung in Zukunft zu verhindern.

Klingt erst mal gut. Aber Moment. Sofortmaßnahmen?

"Das Wort 'Sofortmaßnahmen' erscheint mir in diesem Zusammenhang ein wenig zu dynamisch gewählt, @WDR", kommentierte Christian Meier (Welt) bei Twitter.

"Nun, das ist ja auch PR. Aber: Es tut sich etwas. Das ist positiv", schrieb Daniel Bouhs zurück. Und wie auch immer: Der WDR will sexuelle Belästigung zum Thema machen, Mitarbeiter, schulen, auch Freie Mitarbeiter, eine Ombudsstelle einrichten, und man will Vorschläge dazu sammeln, was sich noch so alles machen lässt. Und das ist offenbar auch dringend nötig, denn inzwischen gibt es schon wieder neue Vorwürfe, wie Stern und Correctiv berichten.

"Dem Beschwerdepapier zufolge äußerte sich der hochrangige Mitarbeiter auch über eine Kollegin, die 'heute wieder ein sexy Strickkleid' angehabt habe. 'Man konnte alles durchsehen.' – 'Sie steht auf mich, das weiß ich.' Eine Äußerung des Mannes einer Kollegin gegenüber wird so wiedergegeben: 'Na, hattest Du ein schönes Wochenende mit Deinem Freund, oder warum kannst Du Dich nicht mehr bewegen?' (Die Mitarbeiterin hatte einen Hexenschuss.)"

Im heute erscheinenden Stern konkretisieren Wigbert Löer und Marta Orosz die Vorwürfe (für 65 Cent bei Blendle) noch etwas. Den WDR-Mitarbeiter, der auch heute noch für den Sender arbeitet, nennen sie in ihrem Text Tilo Matzen.

"Matzen war dem Beschwerdepapier nach bemüht, es nicht bei Worten zu belassen. Der Versuch, ihm auszuweichen, konnte demnach zu unangenehmen Konsequenzen führen. 'Eine Mitarbeiterin hat er auf einer Dienstreise nach der Zimmernummer gefragt. Nachdem sie ihm die falsche Nummer gesagt hatte, hat er später behauptet, sie stände kurz vor dem Burnout und sie sei mit dem Job überfordert. Eine Frau, die zu einem Abendtermin nach Köln reiste und davon ausging, dass auch Matzen selbst im Hotel absteigen würde, habe sich von Matzen 'so stark bedrängt' gefühlt, 'dass Kolleginnen ebenfalls in Köln übernachtet haben, damit sie nicht alleine mit ihm an der Bar sitzen musste'. Insgesamt waren laut dem Beschwerdepapier 'mind. sieben Frauen im direkten und weiteren Arbeitsumfeld von Herrn Matzen bekannt, die er bedrängt hat.'"

Der WDR-Mitarbeiter, um den es hier geht, weist die Anschuldigungen zurück.

Echo hallt weiter nach

Und nun noch kurz zu den neuesten Entwicklungen in Sachen Echo-Preisverleihung. Michael Hanfeld greift das Thema auf der FAZ-Medienseite auf (für 45 Cent bei Blendle). Er zitiert unter anderem das Internationale Auschwitz Komitee, das eine Frage aufwirft, die tatsächlich beantwortet werden sollte, bevor die Echo-Organisatoren sich mit der Frage beschäftigen, welcher Skandal der Veranstaltung im nächsten Jahr zu medialer Aufmerksamkeit verhelfen könnte.

"Wo reagiert die Gesellschaft, die Medienindustrie, wo schlafen die juristisch Verantwortlichen, die entsprechenden Prüfstellen?"

Und weiter:

"Der Hass gegenüber Juden, der sich aktuell auch auf deutschen Schulhöfen austobe, die Diskriminierung anderer Schüler durch aggressive und medial hochgeputschte Jugendliche sei ein überdeutliches Signal, dass in der Gesellschaft über dieses Phänomen breit nachgedacht und gehandelt werden müsse."

Einen Überblick darüber, wer nach der Preisvergabe noch so alles seinen Preis zurückgegeben hat oder zurückgetreten ist, gibt die dpa, hier zu lesen im Kölner Stadtanzeiger. Die ARD hat infolge der Diskussion für heute Abend ihr Programm geändert. Sie zeigt um 23.30 Uhr die Dokumentation "Die dunkle Seite des deutschen Rap", in der es unter anderem um folgende Fragen geht: "Wer sind die Akteure? Um was geht es in den Rap-Texten wirklich? Steckt Judenhass dahinter?"

Und wo nun Judenhass seit Tagen wieder das Thema auf den Titel- und Startseiten sein muss, sei an dieser Stelle auch noch an etwas Schönes erinnert: Israel feiert zurzeit seinen 70. Geburtstag.

Altpapierkorb (Neues von Facebook, Kritik an Polizei-Pressearbeit, Neue Netflix-Serie, Interview mit Sky-Chef)

+++ Nachdem Facebook in den vergangenen Wochen viel Vertrauen verloren hat, hätte man vermuten können, dass sie mit ihren Nutzern zumindest in nächster Zeit etwas behutsamer vorgehen. Hätte man aber natürlich nur, wenn man Facebook nicht kennt. Tatsächlich nutzt der Konzern die fälligen Anpassungen der Nutzungsbedingungen, um sich die Erlaubnis für die Gesichtserkennung einzuholen, wie Ingo Dachwitz für Netzpolitik.org berichtet. Hier die Original-Mitteilung von Facebook. Und unterdessen ist schon der nächste Whistleblower aufgetaucht, der behauptet, dass alles noch viel schlimmer ist, als wir ohnehin schon dachten. Das berichtet Nils Jacobsen für Meedia. "Die frühere Business Development-Direktorin fungierte bei ihrer Anhörung als Whistleblowerin und erklärte vorab in einem schriftlichen Statement, dass der Datenskandal weitaus mehr als nur die bislang bekannten 87 Millionen Nutzer betrifft, deren Daten durch die Nutzung der App 'This is your Digital Life' kompromittiert wurden."

+++ Helmut Martin-Jung erklärt in der SZ, wie viel Zeit es uns kosten würde, wenn wir alles vorher lesen würden, was wir abnicken, und erwähnt dabei auch diese kleine interessante Anekdote, die vor dem Abnicken der nächsten Nutzungsvereinbarung tatsächlich ein Leseanreiz sein könnte: "In den AGB für die Nutzung eines kostenfreien Wlan-Dienstes versteckten sie die Verpflichtung, im Gegenzug für den Internet-Zugang gut 40 Tage lang Toiletten zu putzen. 22 000 Besucher stimmten zu."

+++ Die Sport-Bild wird 30 Jahre alt. Zum Jubiläum kann man sich die erste Ausgabe herunterladen.

+++ Der Bayerische Journalistenverband sieht die Pressefreiheit in Gefahr, weil die Polizei dem Empfinden des Verbands nach "überprofessionell" arbeitet – also zum Beispiel Beiträge, die dann einfach so gesendet werden können. Darüber berichtet der Deutschlandfunk. Allerdings kann man der Polizei nach meinem Verständnis keinen Vorwurf machen, der müsste sich eher in Richtung von Redaktionen richten, die diese Beiträge übernehmen, die also in anderen Worten unterprofessionell arbeiten.

+++ Eine Polizeireporterin, die für ein Berliner Boulevardblatt arbeitet, beschreibt für den Uni-Spiegel ihren Alltag – und stellt sich unter anderem eine Frage, die sich wahrscheinlich viele schon gestellt haben: "Ich frage mich, warum Menschen uns nach einem Schicksalsschlag hereinbitten."

+++ Netzpolitik fordert nicht nur von anderen Transparenz, sondern stellt sie auch selbst her. Jetzt hat das Portal seinen Transparenzbericht veröffentlicht. Und bislang ist dieses Jahr im Vergleich zum vergangenen nicht ganz so erfolgreich verlaufen: "Wir haben insgesamt 27.212 Euro eingenommen. (…) Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein großer Einbruch: Im März 2017 haben wir knapp 32.000 Euro an Spenden erhalten. (…) Obwohl wir viele mediale Präsenz hatten und trotz Ausfällen im März insgesamt 122 Artikel veröffentlicht haben, hat sich das überhaupt nicht auf das Spendenvolumen durchgeschlagen."

+++ Die Axel Springer AG hat mal wieder einen Umsatzrekord gebrochen. Die wichtigsten Zahlen und die obgliatorische Information, dass der Verlag das digitale Geschäft weiter vorantreiben will, liefert Horizont.

+++ Jan Böhmermann hat in seiner Sendung die Frage gestellt, wie es sich mit der Idee des staatsfernen Rundfunks vereinbaren lässt, dass die Regierung im Netz praktisch ihren eigenen Rundfunk betreibt, indem sie Videos bereitstellt oder Interviews live überträgt. Der Jurist Lukas Frederik Müller hat sich für den Verein Junge Wissenschaft im Öffentlichen Recht mit der Frage beschäftigt.

+++ Die Landesmedienanstalten wollen die "Bild"-Zeitung zwingen, für ihre Live-Streams eine Rundfunklizenz zu beantragen, doch die Zeitung weigert sich laut Meedia seit Monaten.

+++ In der Türkei sitzt wieder ein deutscher Journalist in Haft – Adil Demirci, der für die Nachrichtenagentur Etha arbeitet und im Urlaub festgenommen wurde, wie Tagesschau.de berichtet. Demirci besitzt wie Deniz Yücel eine deutschen und einen türkischen Pass, und das ist, wie wir wissen, in diesem Fall leider ein Nachteil. +++ Der Prozess gegen den Erol Önderoglu, den Türkei-Korrespondenten von "Reporter ohne Grenzen" dauert indes weiter an. Das Gericht in Istanbul vertagte den Prozess laut einem epd-Bericht (unfrei) auf den 9. Oktober.

+++ Netflix hat allein im ersten Quartal des Jahres 3,7 Milliarden Dollar eingenommen und will in diesem Jahr mehr als zehn Milliarden Dollar in neue Film- und Serien-Produktionen investieren, ist auf der FAZ-Medienseite zu lesen (für 45 Cent bei Blendle. Lohnt sich aber nicht. Ist nur ein schmaler Absatz). Dort bespricht Andrea Diener auch die neue Netflix-Produktion "The Alienist", in der Daniel Brühl eine Hauptrolle spielt. So richtig überzeugt ist sie allerdings nicht ("(…) wie kann man den Protagonisten abnehmen, dass sie dem Täter in den Kopf schauen wollen, wenn das Drehbuch es bei den Figuren nicht tut?", für 45 Cent bei Blendle. Dafür kann man das Geld ausgeben). Auch Kurt Sagatz haut die Serie nicht vom Hocker. Er schreibt für den Tagesspiegel: "Die optische Opulenz kann jedoch die Schwächen nicht überdecken, die den Gesamteindruck etwas trüben."

+++ Für die SZ-Medienseite haben David Denk und Caspar Busse mit Sky-Vorstandschef Carsten Schmidt gesprochen (für 79 Cent bei Blendle), der sich, was man ja nur sehr selten erlebt, über die Konkurrenz aus Amerika anscheinend sehr aufrichtig freut: "Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass Netflix uns hilft. Aber es hat sich inzwischen eine Kultur der Bereitschaft, für gute Inhalte zu zahlen, entwickelt. Die ist ein riesiger Fortschritt für die Pay-TV-Branche insgesamt. Sie wächst täglich und davon profitieren alle."

Frisches Altpapier gibt es am Freitag.

Offenlegung: Ich arbeite gelegentlich für Übermedien.

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