Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 18. April 2018: Warum Kendrick Lamar den Pulitzer-Preis verdient hat.
Bildrechte: Collage MEDIEN360G/Picture Alliance

Das Altpapier am 18. April 2018 Twitter wirkt

Warum Kendrick Lamar den Pulitzer-Preis verdient hat. Warum ein internationales Recherche-Großprojekt eine ermordete Journalistin würdigt. Warum der MDR eine Radiosendung absetzte. Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 18. April 2018: Warum Kendrick Lamar den Pulitzer-Preis verdient hat.
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Reden wir zum Einstieg doch heute mal über Geld. Wie sich richtig Schotter machen lässt in der großen weiten Medien-Welt – darüber klärt wired.de mit einem zunächst bei Gründerszene erschienenen Artikel auf:

Es geht um den 22-jährigen Mathematik- und Wirtschaftsstudenten David Markey, der "nebenbei" 10.000 Dollar monatlich verdient, und zwar dank seiner Skills, die er für Amazon Echo programmiert hat. Skills sind das, was man jenseits der Amazon-Lautsprecher-Welt Apps nennt.

Irgendwas mit Bier

Eher wenig Schotter für verhältnismäßig viel Arbeit gibt es dagegen bekanntlich im Lokaljournalismus. Ein aktuelles Beispiel liefert dafür die Geschichte eines Fotografen, der gerade einen Preis in der Kategorie Breaking News Photography gewonnen hat. Er "arbeitet jetzt hauptberuflich in der Social-Media-Abteilung einer Brauerei in Richmond" (NZZ). Ryan Kelly heißt der Mann, und das nun preisgekrönte Motiv "hielt den Moment fest, als ein Neonazi im August 2017 mit seinem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten in Charlottesville in Virginia fuhr". Das Bild entstand an seinem letzten Arbeitstag für The Daily Progress, er quittierte den Job laut NZZ unter anderem wegen der "Arbeitsbelastung".

In Sachen HipHop

Jenen Preis, der nach einem Mann benannt ist, der als Pionier sowohl des Sensations- als auch des Qualitätsjournalismus gelten kann (@mediasres), hat überraschend auch der HipHop-Künstler Kendrick Lamar gewonnen. Nicht explizit dafür, dass er etwas dazu beiträgt, dass HipHop noch oder wieder das "CNN for black people" ist. Vielmehr gibt es beim Pulitzer-Preis auch eine (weniger bekannte) Kategorie für Musik, und hier ist Lamar nun "the first non-classical or jazz winner" (Guardian).

Warum er den verdient, legen auf naturgemäß sehr unterschiedliche Weise bento.de (das zehn "beeindruckende Textstellen" aus dem Album "Damn" zusammengestellt hat) und Dietmar Dath im FAZ-Feuilleton dar. Dath geht dabei zunächst auch noch kurz auf die Auszeichung für die Rechercheure in Sachen Harvey Weinstein ein:

"Der Pulitzer-Preis für den '#MeToo'-auslösenden Journalismus leuchtet (…) unmittelbar ein. Der Pulitzer-Preis für den Hiphop-Künstler Kendrick Lamar sollte das aber auch. Denn Lamar gehört zu den wenigen Kunstschaffenden, die den von Trump und vom Trumpismus fermentierten Zerfall eines der größten Gemeinwesen der Welt in identitätspolitische Not- oder Hassgruppen aufhalten könnten, indem sie Hiphop und andere junge kulturelle Äußerungstraditionen von Bevölkerungsgruppen, die Trump nicht versteht und ablehnt, als anziehende und virtuos bespielte Erfahrungsverstärker vom Radio bis zum Broadway ('Hamilton') nutzen. Wenn Leute, die nicht von Rassismus und zerrütteten Innenstadtzuständen betroffen sind, die Musik anderer hören, die diese Übel kennen, dann kann ein Informationsaustausch stattfinden, der die Verhärtung der Fronten konterkariert."

Den Bogen zur Echo-Debatte (siehe Altpapier von Dienstag) schlägt Dath in seinem derzeit nicht frei online zugänglichen Artikel auch:

"Nach (den) Kriterien, die man an Sonetten und Arthouse-Filmen so gut erproben kann wie an Mikrofonzungenartistik, ist Kendrick Lamar ein Künstler von höchstem Rang, die trübe Tasse Kollegah aber ein Poseur vom Gymnasium, der Fragen nach der sozialen Legitimität seiner drohbrünstigen Gettogestik und der künstlerischen Qualität seiner verhauenen Reime mit dem überzüchteten Bizeps wegdrücken muss."

Dass Kendrick Lamar, der wichtigste Musiker des 21. Jahrhunderts, nicht unbedingt ein Freund der Pressefreiheit ist – daran kann man aus aktuellem Pulitzer-Anlass allerdings auch mal erinnern. Er ließ zuletzt bei seinen Konzerten jedenfalls keine professionellen Fotografen zu bzw. nur solche, die für seine Plattenfirma im Einsatz sind.

Vox dreist

Weiter hinten in der FAZ, auf der Medienseite, richtet Ursula Scheer beim Thema Echo den Blick auf den nicht mehr satisfaktionsfähigen Sender, der das Ganze übertragen hat:

"Bei Vox scheint noch die Devise zu gelten: Augen zu und durch. Auf der Website des Senders fällt kein Schatten auf den schönen Schein. Stattdessen zeigt ein Video-Zusammenschnitt der Show eitel Sonnenschein: Helene Fischer kann auch Latin singen, Newcomer freuen sich über ihre Preise 'von Künstlern für Künstler’ Campinos Kritik an den fragwürdigen Rappern sowie die Rapper selbst werden weggelassen. Das ist schon dreist. Jegliche Verantwortung für Auszeichnungen weist Vox ohnehin von sich: 'Zu der Nominierung und Auszeichnung lässt sich unsererseits nicht viel sagen, da wir als ausstrahlender Sender an beiden Prozessen nicht beteiligt sind', heißt es auf Anfrage beim Sender."

Ein anderer Weiterdreher der Echo-Sache ist bei Übermedien zu finden. Gabriel Yoran kommentiert dort die antisemitische Äußerung einer Deutschlandfunk-Moderatorin, die diese im Interview mit dem Pianisten Igor Levit machte, der, wie mittlerweile unzählige andere Musiker, seinen Echo zurückgegeben hat.

So eine Journalistin gab es in Deutschland nie

Ein potenzieller Preisträger für den nächsten Pulitzer-Wettbewerb ist das Recherche-Großprojekt, das Journalisten aus 15 Ländern zusammengeführt hat, die die Arbeit der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia (siehe zuletzt Altpapier von Dienstag) fortsetzen und einen Beitrag zur Aufklärung des Mordes leisten wollen.

"Wir haben – anders als bei den bisherigen Kollaborationen – bewusst auch konkurrierende Medien eingeladen: Wir wollten ein Zeichen setzen, dass das Thema wichtiger war als Konkurrenz",

sagt SZ-Investigativ-Chef Bastian Obermayer gegenüber meedia.de. So sind aus Deutschland nicht nur Journalisten aus dem aus Funk und Fernsehen bekannten NDR/WDR/SZ-Verbund dabei, sondern auch Kollegen von der Zeit.

Ein Autorentrio um Obermayer berichtet heute auf Seite 1 (nicht frei online), warum es dieses Projekt braucht:

"Trotz massiven politischen Drucks aus der Europäischen Union ist die maltesische Polizei auch ein halbes Jahr nach dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia noch immer nicht Spuren nachgegangen, die auf die Verwicklungen von Spitzenpolitikern und Behörden des Landes hindeuten. Nach Erkenntnissen der SZ wurde bisher keiner der Politiker vernommen, mit denen sich Daphne Caruana Galizia in den Monaten vor ihrem Tod erbitterte Auseinandersetzungen lieferte; sie hatte etwa im Zuge der Panama-Papers-Affäre Kabinettsmitgliedern Bestechlichkeit und moralische Verfehlungen vorgeworfen und sogar der Frau des Premiers eine heimliche Panama-Firma zugeschrieben. Inzwischen meldeten sich nach SZ-Informationen Zeugen, die Wirtschaftsminister Christian Cardona mit einem der mutmaßlichen Mörder gesehen haben wollen."

Online (und in der Print-Ausgabe auf Seite 8/9) machen die SZ-Autoren in einem weiteren Artikel unter anderem deutlich, warum die Getötete eine besondere Persönlichkeit war:

"Daphne zu begreifen fällt aus Deutschland schwer. Erst spät versteht man weshalb: Jemanden wie sie gibt es in Deutschland nicht, und gab es wohl auch noch nie. Eine Journalistin, die wirklich jeder kennt, weil sie seit 25 Jahren die Debatten bestimmt in einem Land, das nicht einmal eine halbe Million Einwohner zählt. Seit Daphne Anfang der Neunziger, mit Mitte Zwanzig, eine Kolumne bei der ältesten Zeitung Maltas bekommt, der Times, sticht sie heraus. Weil sie eine Frau ist."

Ebenfalls beteiligt an dem Projekt: die New York Times und der Guardian.

Die Fehler-Könige aus Sachsen

Auf Fehler öffentlich-rechtlicher Sender einzugehen, gehört für uns im Altpapier zum täglichen Brot. Eine gewisse Hartgesottenheit ist uns wohl nicht abzusprechen, aber dass man innerhalb weniger Stunden so viele Fehler machen kann wie am Dienstag mehr als eine Person beim MDR (wo das Altpapier erscheint), hätte zumindest ich nicht für möglich gehalten. Wobei die Formulierung "Fehler" in diesem Zusammenhang noch die mildestmögliche ist.

Versuchen wir’s einigermaßen chronologisch: Eigentlich hatte der MDR für sein Sachsenradio eine Sendung in der Reihe "Dienstags direkt" geplant, und dafür zimmerte zunächst ein mutmaßlicher Matthias-Matussek-Fan eine  strunzdumme, über den Account @MDR_SN verbreitete Sendungsankündigung, in der der Autor oder die Autorin die Frage aufwarf, ob man denn "heute noch" das N-Wort sagen dürfe. Der Bildblog ordnet das treffend ein:

"Längst Indiskutables zur Diskussion stellen, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen — eine Strategie, die man ständig bei der Neuen Rechten beoachten kann."

Um gleich mal einen Exkurs einfließen zu fließen: Diese im N-Wort-Tweet zum Ausdruck kommende Anbiederei bei Leuten, die die Demokratie, die Gesellschaft und natürlich auch den Journalismus, wie wir ihn kannten, zu zerstören gedenken das ist ja, auch und gerade jenseits dieses konkreten Falls, der größte Fehler, den Journalisten derzeit machen.

Was auf den Tweet folgte: unter anderem sarkastische Weiterdreher der debilen Frage, hier sei nur ein Beispiel gesondert erwähnt. Der Flurfunk Dresden hat diverse Reaktionen zusammengestellt unter besonderer Berücksichtigung der unverschämten und pampigen Antworten des oder der an diesem Tag für @MDR_SN Zuständigen.

Ein weiterer Aspekt der Kritiker war: Warum war vorgesehen, dass nur vier Weiße zu Wort kommen in der Sendung?

"Die Reaktion des MDR Sachsen auf diese Kritik ist gelinde gesagt eine Katastrophe",

schreibt der Bildblog. Der katastrophalste Reaktion in dem Zusammenhang? Diese hier.

Die nächste (Eskalations-)Stufe: eine "Entschuldigung", die auf die größtmögliche Weise missglückte, unter anderem, weil man den im Tweet reproduzierten Rassismus pseudo-nonchalant als "Überspitzung" zu verkaufen versuchte.

Unter anderem auf die in der Sendungsankündigung formulierte Frage "Warum Ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?" bezogen sich dann zwei der eingeplanten Gäste in einer gemeinsamen Absage-Erklärung:

"Angefragt waren wir zum Thema 'politische Korrektheit'. Unseres Erachtens ist das ein Kampfbegriff der Rechten, und unser Ziel war, ihn nicht unwidersprochen zu lassen. Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist",

schreiben die Linken-Politikerin Kerstin Köditz und der Politikwissenschaftler Robert Feustel.

Matthias Meisner war dann am Abend im Tagesspiegel derjenige, der, rund zwei Stunden vor der eigentlich geplanten Ausstrahlung, die Absetzung der Sendung meldete. Über den "antirassistischen Shitstorm", der dies bewirkt hatte, schreibt außerdem Lin Hierse für die taz.

Dass ein Sender eine Sendung absetzen muss, weil Redakteure des Hauses wirklich jede Dummheit begangen haben, die man begehen konnte das ist, um jetzt mal ein Zwischenfazit zu ziehen, zumindest ein sehr, sehr ungewöhnlicher Vorgang. Neulich habe ich hier, einen Satz aus einem Spiegel-Online-Artikel paraphrasierend, getitelt, dass Twitter die "Pissrinne der AfD" sei. Trotz aller rustikalen Wortmeldungen in der aktuellen Sache: Die Absage der vermaledeiten Sendung zeigt, dass Twitter auch ein wichtiges Instrument der Zivilgesellschaft sein kann. Oder, um es mit dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik zu sagen: Twitter wirkt.

Dass die Kollegen nun "einen neuen Sendetermin prüfen", kann man nur als Drohung verstehen es sei denn, man ist dort zu der einen oder anderen Fortbildungsmaßnahme bereit. Das Mindeste wäre das eingehende Studium eines aktuell gewordenen Titanic-Klassikers von 2013.

Besser natürlich: Man nimmt das großzügige Angebot des sich gerade "in pädagogischer Stimmung" befindenden Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch an, der kürzlich das Buch "Eine Frage der Moral. Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen" veröffentlicht hat.

Für die Hannoversche Allgemeine Zeitung hat er Ende der vergangenen Woche einen Gastbeitrag veröffentlicht, in dem das steht, was Achtung, Bauchgefühl! ungefähr 90 Prozent der deutschen Journalisten nicht wissen wollen:

"Das Grundprinzip der 'politisch korrekten' Sprache ist die goldene Regel der praktischen Ethik, bekannt durch das Sprichwort 'Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu'. Oder, auf sprachliches Handeln angewendet: 'Stelle andere sprachlich nicht so dar, wie du nicht wollen würdest, dass man dich an ihrer Stelle darstelle.'"

Altpapierkorb (Der Feed als Kulturtechnik, Republik-Zwischenbilanz, Adil Demircil in Haft, Gebrüder Kirchhof, sinkende "Late Night Berlin"-Quoten, ZDF-Nachtprogramm, Foto-Manipulation à la ÖVP, Bert Dahlmann)

+++ Gerade in den Buchhandlungen angekommen: eine neue Ausgabe der vierteljährlich erscheinenden Pop-Zeitschrift. Vorab bereits frei online erschienen: ein Beitrag über den "Feed als Kulturtechnik". Annemarie Kohout schreibt: "Der 'Infinite Scroll' (…) suggeriert, im Gegensatz zur Personalisierung und Selektion der Inhalte, man erhalte alle Informationen, wenn man nur lange genug scrolle. Hier wird der Unersättlichkeit entgegengekommen, der Sucht nach immer mehr, immer neuer Information. Manchmal wird das Scrollen dadurch regelrecht zum Automatismus. Dann blickt man nur kurz auf und bemerkt, dass gar nichts gelesen, sondern nur gescrollt wurde. Wenn man aber ehrlich ist und einen Blick zurück auf die Zeit unmittelbar vor der Einführung des Feeds auf den Frontseiten Sozialer Netzwerke wirft, war es viel schwerer aufzuhören, wenn man sich gerade Seite für Seite zum Beispiel durch eine Gruppendiskussion geklickt hatte und wusste: Irgendwann ist es geschafft, irgendwann sind alle Seiten durchgesehen. Leider wurde ab einer bestimmten Seitenanzahl nicht mehr angezeigt, um wie viele es sich insgesamt handelte, sodass immer weiter geblättert wurde, nicht mehr aufgehört werden konnte, weil ja die Möglichkeit bestand, dass es nur noch zwei Seiten sind bis zum Ende. (Meistens standen dann natürlich noch mindestens 20 bevor.) Insofern lehren der Infinite Scroll und die Timeline auch, nie fertig werden zu können, niemals ein Ende in den Blick nehmen zu können. Er ist das Sinnbild der – möchte man es negativ formulieren – 'Datenflut‹' oder des – neutraler gesagt – 'Streams‹', der nie endet und zugleich das wichtigste und sinnvollste Werkzeug, um damit umzugehen."

+++ Seit drei Monaten erscheint in der Schweiz nun bereits die Republik (siehe Altpapier). In einer selbstkritischen Zwischenbilanz ist unter anderem folgende "Herausforderung" formuliert: "In der Redaktion sind wir zwar zufrieden mit dem Ausstoss von langen Reportagen, Analysen, Essays – aber die Balance gefällt uns noch nicht: Wir haben zu wenig Kurzes, zu wenig Warmes, zu wenig Humor, Wildheit und Formen. Wir sind – wahrscheinlich aus Nervosität – ein wenig zu erwachsen auf die Welt gekommen."

+++ The same procedure as …: Der Kölner Sozialarbeiter und Journalist Adil Demircil, der einen deutschen und einen türkischen Pass hat, sitzt seit Freitag in Istanbul in Untersuchungshaft – offenbar, weil er von Beerdigungen berichtet hat. Spiegel Online, Die Welt und die Rheinische Post berichten über diesen neuen skandalösen Fall.

+++ Was macht eigentlich die Sippenhaftung? Bei dem einen oder anderen schrägen Vogel scheint sie jedenfalls noch recht beliebt zu sein. Eigentlich sollte das Bundesverfassungsgericht am 16. und 17. Mai "über vier Verfassungsbeschwerden, welche die Erhebung des Rundfunkbeitrags zum Gegenstand haben, verhandeln". Das Handelsblatt (€) berichtet nun allerdings: "Zwei der privaten Kläger lehnen einen der Richter ab. Ihre Begründung: Der Robenträger ist mit dem Kronzeugen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verwandt. Paul Kirchhof, selbst ehemaliger Bundesverfassungsrichter, gilt quasi als Autor der Gebührenreform. Die Kläger wollen nicht hinnehmen, dass nun ausgerechnet ein Richter mitentscheiden soll, der Paul Kirchhof sehr nahe steht: Sein Bruder." Der heißt Ferdinand Kirchhof, seit 2010 Vorsitzender des Ersten Senates des Bundesverfassungsgerichts.

+++ Um noch mal auf die heute oben bereits erwähnten Lautsprecher aus dem Hause Amazon zurückzukommen: "Die Dienste von Tech-Konzernen spielen bei der Aufklärung von Kriminalfällen eine immer wichtigere Rolle. Die Polizei in Arkansas verlangte in einem Mordfall von Amazon die Herausgabe von Audiodateien seines Netzwerklautsprechers Echo – und wollte Alexa in den Zeugenstand rufen. Der smarte Lautsprecher hört laufend mit und könnte wichtige Angaben zur Klärung des vertrackten Mordfalls beitragen. Was geschah zur Tatzeit? Gab es Schreie des Opfers? Amazon gab die Daten nach langem Hin und Her schließlich heraus." Welche rechtspolitischen Fragen damit verknüpft sind, erörtert Adrian Lobe im SZ-Feuilleton.

+++ Markus Breitenecker, in Österreich Geschäftsführer des zur Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe gehörenden Privatsenders Puls 4, sagt im Interview mit dem Standard: "Ich halte (…) ein Projekt wie Funk von ARD und ZDF an sich für ein legitimes Unterfangen, sie dürften es aber nicht Facebook und Youtube verschenken, sondern auf den eigenen Kanälen oder europäischen Medien verbreiten. Inhalte herzustellen und mit ihnen die neuen US-Medien-Konkurrenten zu füttern ist der größte strategische Fehler, den man als europäisches Medium machen kann".

+++ Ashwin Ramans Dokumentation "Im Kampf gegen den IS. Ist das Kalifat am Ende?" lief im Januar im ZDF-Hauptprogramm um 0.45 Uhr. Fritz Wolf weist in seinem Blog Wolf sieht fern darauf hin, dass es dem Sender gelungen ist, diesen Termin noch einmal zu toppen. In der kommenden Nacht ist der Film um 2.40 Uhr zu sehen.

+++ Oje, oje, die Quoten für "Late Night Berlin" befinden sich im "Sinkflug", berichtet der Tagesspiegel. "Es muss jetzt was passieren, und an dieser Stelle werden die Daumen gedrückt, dass das Richtige passiert. Dieser Autor hat keine Lust auf den x-ten Late-Night-Nachruf", schreibt Joachim Huber in also auch quasi eigener Sache.

+++ Spiegel Online hat mal beim fürs Netzwerkdurchsetzungsgesetz zuständigen Bundesamt für Justiz vorbeigeschaut. Das Amt werde "nicht gerade überflutet mit Fällen: In den ersten 100 Tagen gingen 253 Beschwerden ein – Heiko Maas hatte mit bis zu 25.000 im Jahr gerechnet".

+++ Nazis raus? Zumindest einer bei Facebook. Das Netzwerk hat das Profil des einst "Heil Trump! Heil unserem Volk! Sieg Heil!" rufenden Richard Spencer (siehe zuletzt dieses Altpapier) gelöscht, zudem zwei Seiten, die der Kamerad verwaltete. Das berichtet Niklas Franzen fürs Neue Deutschland.

+++ Das Social-Media-Team eines hochrangigen ÖVP-Politikers hat ein bei Facebook verbreitetes Foto manipuliert. Die SZ berichtet auf ihrer Panorama-Seite.

+++ Wer in diesem Jahr für den Hörspielpreis der Kriegsblinden, den wichtigsten Hörspiel-Preis hier zu Lande, nominiert ist, steht auf der Seite der Film- und Medienstiftung NRW.

+++ Bert Dahlmann, Jahrgang 1963, Gründer des sehr bedeutsamen Comic-Magazins Panel, ist Anfang April in Bremen gestorben. comickritik.de ruft ihm nach.

Neues Altpapier gibt es wieder am Donnerstag.

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