UNESCO-Weltkulturerbe Wartburg, Bauhaus, Weimarer Klassik: Das sind Thüringens Weltkulturerbe-Stätten

In Thüringen finden sich Zeugnisse einzigartiger Kultur – vom Mittelalter bis zur Moderne. Kein Wunder also, dass nicht nur die 900 Jahre alte Wartburg in Eisenach, sondern auch Bauwerke der Weimarer Klassik sowie das Bauhaus auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes stehen. Ein Überblick.

Besucher besichtigen den Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Als Teil der Weimarer Klassik ist die Herzogin Anna Amalia Bibliothek Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Bildrechte: dpa

Die Wartburg in Eisenach

Sie gilt als wichtigste Burg Deutschlands, eine Zeugin deutscher Geschichte: die Wartburg. Der Sage nach soll Ludwig der Springer, ein Thüringer Graf im 11. Jahrhundert, die Gründung der Wartburg mit folgenden Worten verkündet haben:

Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!

Ludwig der Springer
Zwischen sattgrünen Bäumen steht am 16.05.2003 die mehr als 900 Jahre alte Wartburg bei Eisenach
Wartburg in Eisenach Bildrechte: dpa

Schon von weitem sichtbar thront das 900-jährige Bauwerk über der Stadt Eisenach. Hier lebte und wirkte die heilige Elisabeth, und Martin Luther übersetzte hier das Neue Testament. Richard Wagner inspirierte die Burg zu seiner Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg". Und der ehemalige Weimarer Hofkapellmeister Franz Liszt ist für die Akustik im Festsaal verantwortlich. Seit 1999 gehört die Wartburg zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Klassisches Weimar

Besucher besichtigen den Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Blick in die Herzogin Anna Amalia Bibliothek Bildrechte: dpa

Das "Klassische Weimar" gehört seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Jahrhundertelang war die Stadt das Zentrum des intellektuellen Lebens in Deutschland, besonders im 18. und 19. Jahrhundert. Dichter und Gelehrte wie Goethe, Schiller und Herder lebten hier und hinterließen ihre Spuren. Auch Frauen wie die Herzogin Anna Amalia und Großherzogin Maria Pawlowna prägten von Weimar aus die klassische Epoche.

Heute verzeichnet das Klassische Weimar 16 Orte, die auf der UNESCO-Liste stehen:

  • Goethe-Nationalmuseum mit Wohnhaus
  • Goethes Gartenhaus
  • Schillers Wohnhaus
  • Wittumspalais
  • Herzogin Anna Amalia Bibliothek
  • Römisches Haus
  • Weimarer Stadtschloss
  • Schloss Belvedere sowie Schlosspark und Orangerie Belvedere
  • Schloss Tiefurt und Schlosspark Tiefurt
  • Schloss Ettersburg
  • Park an der Ilm
  • Stadtkirche St. Peter und Paul
  • Historischer Friedhof mit Fürstengruft


Bauhaus Weimar

Thüringen gilt als Wiege des Bauhauses: Im Jahr 1919 startete die damals wichtigste Kunstschule des frühen 20. Jahrhunderts ihren Betrieb. 1996 veranlassten die revolutionären Ideen der Baugestaltung und Stadtplanung der Bauhäusler sowie die Prägung der Architektur durch Gropius, Moholy-Nagy und Kandinsky die UNESCO, die Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau auf die Welterbe-Liste zu setzen.

Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! (…) Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers.

Auszug aus dem Bauhaus-Manifest von Walter Gropius, Flugblatt 1918
Haus am Horn, Entwurf von Georg Muche als Versuchshaus, 2011
Haus am Horn Bildrechte: IMAGO

In Weimar sind heute drei Objekte Zeugnisse der Bauhaus-Zeit. Das Haus am Horn ist das weltweit erste gebaute Haus in Bauhaus-Architektur und wurde zur großen Bauhaus-Ausstellung 1923 fertiggestellt. Das Hauptgebäude der Bauhaus-Universität, der Henry-van-de-Velde-Bau ist einer der bedeutendsten der Kunstschulbauten der Jahrhundertwende und war 1919 Gründungsort des Bauhauses. Und die ehemalige Kunstgewerbeschule, das heutige Lehrgebäude der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität, wurde von1904 bis 1906 nach den Plänen des belgischen Designers und Architekten Henry van de Velde als Werkstatt und Ateliergebäude errichtet.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juni 2020 | 13:15 Uhr