Buga-Außenstandorte Schlosspark Altenstein: Ein Teppich aus Pflanzen

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Hier wirken Masse und Farbe: Bei einem Teppichbeet geht es um die Gesamtwirkung als Ornament im grünen Rasen. Ein Stück historische Gartenkunst, die im Altensteiner Schlosspark bei Bad Liebenstein seit einigen Jahren wieder auflebt. Die Pflanzen sind nicht einfach zu bekommen, die Pflege ist aufwendig. Im Buga-Jahr hat sich die Chef-Gärtnerin etwas Besonderes einfallen lassen.

Teppichbeet
Diesen Teppich kann man sich leider nicht ins Wohnzimmer legen - dabei sind Farben und Muster so schön. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein

Normalerweise sind Blütenpflanzen die Stars der Gärten. Nicht so im Teppichbeet, da gehören sie eigentlich gar nicht hin. Für den Teppicheindruck mit farbigen Ornamenten im grünen Rasen sorgen die dicht nebeneinander gesetzten Pflanzen allein durch ihre Blätter. Allein wirken typische Teppichbeet-Pflanzen wie Iresine oder Alternathera eher unscheinbar. Die Masse macht's. Im Schlosspark Altenstein haben die Gärtnerinnen und Gärtner Anfang Juni das große Schmuckbeet am Schloss mit 7.000 Sommerpflanzen bestückt. Sie sind nicht winterhart. Deshalb wurden die Eisheiligen und das nasse Wetter nach Pfingsten abgewartet, bevor die Stiefmütterchen ausgetauscht wurden.

Blätter in vielen Farbtönen

Margret Most
Chefgärtnerin Margret Most entwirft jedes Jahr ein neues Teppichbeet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Pflanzen gibt es jedoch nicht im Gartenmarkt, sagt die verantwortliche Gärtnerin Margret Most. Eine Gärtnerei in Bad Liebenstein zieht sie eigens für den Schlosspark heran. Alternathera beispielsweise gibt es in vielen Blattfarben, in Rot- und Violetttönen, in hellgrün, bronze- oder goldfarben. Stets in großer Zahl zu finden sind Echeveria, helle, rund wachsende Sukkulenten, die sich gut eignen, um die Konturen der Ornamente hervorzuheben. Sie werden in einem Gewächshaus überwintert und vermehrt, damit sie im nächsten Jahr wiederverwendet werden können. Die fleischigen, blaugrauen Blätter einer weiteren Sukkulente, Kleinia repens, wirken wie kleine Klauen.

In der Mitte eine Palme

In diesem Jahr hat Margret Most auch blühende Pflanzen eingeplant: Zierklee mit bronzefarbenen Blättern und zwei Sorten Pelargonien, die ebenfalls durch ihre auffälligen Blattfarben hervorstechen. Das Teppichbeet hat eine fünfeckige Grundform. Das symmetrische Mittelbeet wird von einer Bordüre eingerahmt. Im Zentrum, etwas erhöht, steht eine Chinesische Hanfpalme. Für weitere Akzente in der Höhe sorgen einige wenige agavenähnliche Echeverien, Echeveria agavoides. Ansonsten werden die Pflanzen eher niedrig gehalten, damit sie flächig erscheinen.

Mode aus dem 19. Jahrhundert

Die Hochzeit der Teppichbeete liegt mehr als 100 Jahre zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen sie in Mode, zunächst in Frankreich, dann in ganz Europa, erzählt Margret Most. Sie dienten vor allem der Repräsentation, lagen meist dicht an einem wichtigen Gebäude, ob Schloss oder Rathaus. Auch Privatleute ließen sich solche aufwendigen Schmuckbeete anlegen, wenn sie über das notwendige Geld verfügten. Wegen der Vielzahl der benötigten Pflanzen und des großen Pflegeaufwands waren und sind Teppichbeete teure Vergnügen.

Buga 2021 Schlosspark Altenstein: Wie ein Teppichbeet entsteht

Ein Teppichbeet ist ein Beet, welches mit Blattpflanzen so dicht bepflanzt wird, dass es wie ein Teppich wirkt. Im Schlosspark Altenstein sieht man, welche Mühe die Anlage und Pflege eines solchen Beetes kostet.

Pläne für ein Teppichbeet
Alles genau geplant: Per Hand hat Gärtnerin Margret Most gezeichnet, wie das Teppichbeet angelegt werden soll. Als Vorlage für Form und Ornamente diente ihr eine historische Postkarte. Dann wurde ausgerechnet, wie viele Pflanzen von welcher Art benötigt werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Pläne für ein Teppichbeet
Alles genau geplant: Per Hand hat Gärtnerin Margret Most gezeichnet, wie das Teppichbeet angelegt werden soll. Als Vorlage für Form und Ornamente diente ihr eine historische Postkarte. Dann wurde ausgerechnet, wie viele Pflanzen von welcher Art benötigt werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Echeverien
Die Echeverien (Echeveria pumila glauca) werden jedes Jahr wieder neu verwendet für das Teppichbeet. Mit ihrer silbrigen Farbe sorgen die Sukkulenten für einen starken Farbkontrast. Sie werden in einem Gewächshaus überwintert und vermehrt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gärtner pflanzen
Insgesamt rund 7.000 Pflanzen werden benötigt, um das Schmuckbeet zu füllen. Sie wirken in der Fläche vor allem durch ihre Blattfarbe und Struktur. Die meisten gibt es nicht im normalen Handel. In Bad Liebenstein zieht sie eine Gärtnerei eigens für den Schlosspark. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ornament von oben
Detail eines Ornaments: Die hellen runden Echeverien rahmen mit ihrer klaren Kontur die übrigen Farbflächen ein. In der Mitte setzt eine höhere Echeveria agavoides (agavenartige) einen Akzent, umgeben von zwei verschieden farbigen Alternathera bettzicklana - und zwar 'Aurea' (innen) und 'Bronce' (außen). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
einer Gärtnerin über die Schulter gesehen
Beim Teppichbeet helfen alle mit: Rund zehn Gärtnerinnen und Gärtner sowie Saisonkräfte waren fast eine Woche beschäftigt. Auch die Pflege kostet viel Zeit. Damit das Muster erhalten bleibt, müssen die Pflanzen alle drei Wochen beschnitten werden. Das regt auch die Verzweigung an, die Pflanzen werden dichter. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Pelargonien
In diesem Jahr sind auch blühende Pelargonien dabei: Wegen ihrer besonderen Blattfärbung wurde die Sorte Pelargonium zonale 'Madame Sallerey' (links) ausgewählt. Dazu die dunkelrote Alternathera dentata (vorne) und die etwas kräftiger rote Iresine lindenii (hinten) sowie die agavenartige Echeveria agavoides (rechts). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Margret Most
Um die Pflege der Pflanzen und die Anlage der Beete kümmert sich Gärtnerin Margret Most. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Gesamtansicht eines Teppichbeets
Für das Buga-Jahr hat das mittlere Ornament des Teppichbeets eine neue Form bekommen: Aus einem Kreis wurde eine Art geschwungener Stern. Dafür mussten für die Auswölbungen halbrunde Grassoden ausgestochen und an die Einkerbungen nach innen versetzt werden. Bleche sorgen dafür, dass der Rasen nicht ins Beet wandert. In der Mitte als Blickfang eine chinesische Hanfpalme (Trachycarpus Fortunei). Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Teppichbeet
Von oben gesehen, wirken Teppichbeete mit ihren regelmäßigen Strukturen tatsächlich wie ein Teppich. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein
Teppichbeet
Dahinter steckt viel Arbeit. Die Beete müssen nicht nur angelegt werden. Alle drei Wochen kriechen die Gärtner mit einer speziellen Leiter über die Beete und schneiden die Pflanzen. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein
Teppichbeet
Die Beete sind ein wunderschöner Anblick, den es nicht oft zu sehen gibt. Die pflegeintensiven Beete waren vor allem im 19. Jahrhundert beliebt. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 05. Juni 2021 | 11:40 Uhr

Pflege ist aufwendig

Das Altensteiner Beet muss Margret Most in der Saison alle drei Wochen pflegen. Dazu nutzt sie die eigens angefertigte Pflegeleiter: eine Art Arbeitsbrücke. Das Beet steigt in der Mitte an. Dort ist um die Palme herum ein Kranz aus Steinen versteckt, auf den eine Seite der Leiter aufgelegt wird, die andere liegt auf dem Rasen. Dann kniet sich Most auf die schmale Arbeitsfläche und kann - ohne einen Fuß in das Beet mit einem Durchmesser von etwa zehn Metern zu setzen - die Pflanzen beschneiden. Sie müssen kurzgehalten werden, damit das Muster erkennbar bleibt. Außerdem verzweigen sich die Pflanzen dann schneller und werden dichter. Am schönsten, sagt Most, wirkt das Teppichbeet im August.

Teppichbeet
Das Teppichbeet wird mit Hilfe einer Leiter gepflegt. Nur so lässt sich jede Pflanze erreichen, ohne im Beet herumzutrampeln. Bildrechte: Presseabteilung der Stadt Liebenstein

Alte Postkarten als Vorlage

Jedes Jahr entwirft die Gärtnerin ein neues Muster. Als Vorlage dienen ihr historische Postkarten. Danach zeichnet sie einen Plan, ganz exakt mit der Hand, ordnet jedem Ornament eine Pflanzensorte zu und rechnet die benötigte Anzahl aus. Das klappt nicht immer, sagt sie. Mal sind die angelieferten Pflanzen kleiner als gedacht, dann müssen die Reihen gestreckt werden. Oder es sind am Ende noch einige übrig, die dann in Lücken gepflanzt werden.

Sternform zum Buga-Jahr

Um den Besuchern des Buga-Außenstandortes in diesem Jahr eine besondere Attraktion zu bieten, hatte sich Margret Most entschlossen, die Form des großen Mittelbeets zu ändern. Aus der kreisrunden Form entstand eine Art geschwungener achtstrahliger Stern. Für die halbrunden Auswölbungen mussten Rasensoden ausgehoben und in die Einbuchtungen eingebaut werden. Mit Blechen wurde die Kontur vom Rasen abgegrenzt, damit der nicht ins Beet wandert. Fast eine Woche lang hat Margret Most mit ihrem zehnköpfigen Team an dem Schmuckstück gearbeitet. Am Ende sind alle zufrieden - mit ihrem Beitrag zum Buga-Außenstandort.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 05. Juni 2021 | 11:40 Uhr