Proteinreiche Samen Bohnen: Eiweiß-Kraftpakete aus dem eigenen Garten

Phaseolus vulgaris, auch Grüne Bohne, Stangenbohne oder je nach Sorte Buschbohne genannt

Ob als zartes Gemüse, im Eintopf oder als Eiweiß-Lieferant im Winter: Stangen-, Busch- und Borlotti-Bohnen sind ein vielseitiges Gemüse. Die einjährigen Schlingpflanzen können auch von Garten-Einsteigern gut angebaut werden. Statt die Samen voll ausreifen zu lassen, genießen die meisten Gartenbesitzer die zarten, grünen Hülsen. Doch auch reife Trockenbohnen haben ihre Vorzüge.

Rot gefleckte Früchte der Stangenbohne 'Borlotto lingua di fuoco'.
Bei Borlotti-Bohnen kommen in der Küche vor allem die ausgereiften Samen zum Einsatz. Schon an der Pflanze sind die Hülsen echte Hingucker, auch die Samen im Inneren sind rosa-weiß marmoriert. Das Saatgut gibt es im Handel unter dem Namen 'Borlotto lingua di fuoco'. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel

Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris) werden schon seit Jahrtausenden in Mittel- und Südamerika angebaut. Bald nach der Entdeckung des Kontinents durch Seefahrer kamen die Hülsenfrüchte auch nach Europa. Bis dahin waren in Deutschland vor allem Ackerbohnen (Vicia faba) bekannt und weit verbreitet. Sie galten als beliebtes Arme-Leute-Essen, da sie viel Eiweiß enthalten und hohe Erträge bringen. Diese auch Dicke Bohnen genannte Art zählt zu den Wicken - im Gegensatz zu den Gartenbohnen, die der Gattung Phaseolus angehören. In späteren Jahrhunderten wurde dann die Gartenbohne in Mitteleuropa immer beliebter. Als zarte Gemüsebeilage, in Suppen und vegetarischen Gerichten ist sie aus unserer Küche heute nicht mehr wegzudenken.

Rohe Bohnen sind giftig

Gartenbohnen wachsen im Garten als einjährige Schlingpflanzen mit weißen Blüten, deren reife Samen viel pflanzliches Eiweiß enthalten. Die Hülsen werden zumeist im grünen, unreifen Zustand gepflückt, gekocht und verarbeitet. Bei reifen Bohnen liegt der Anteil an pflanzlichem Eiweiß allerdings deutlich höher: Sie bestehen zu etwa einem Fünftel aus Proteinen. In früheren Jahrhunderten galten Trockenbohnen daher vor allem in Südeuropa als wichtiges, eiweißreiches Nahrungsmittel für den Winter. Bei den unreifen, grünen Hülsen ist der Wasseranteil höher, dafür haben sie nur gut zwei Prozent Eiweiß.

Roh sollten Bohnen nicht gegessen werden, da sie das giftige Phasin enthalten. Dieser Stoff löst Magen- und Darmbeschwerden sowie Erbrechen aus, zerfällt aber beim Kochen. Damit Bohnen ungefährlich sind, sollten sie mindestens 15 Minuten lang gekocht werden. Nur die voll ausgereiften Samen eignen sich zum Trocknen. Sie können dann im Winter eingeweicht und zubereitet oder als Saatgut für das kommende Jahr aufbewahrt werden.

Bohnen im Garten anbauen

Gartenbohnen sind auch für Einsteiger gut anzubauen, mögen aber keinen Frost. Am besten werden sie daher erst ab Mitte Mai im Freien ausgesät. Möglich ist auch eine Vorkultur in Töpfen ab Ende April.

Auf einer Hand liegen lange Bohnen
Zur Vermehrung werden einfach reife Bohnen-Samen getrocknet und für die Aussaat im nächsten Jahr aufgehoben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stangenbohnen brauchen etwa zwei bis zweieinhalb Meter hohe Stützen, an denen sie in die Höhe wachsen können. Bei der Aussaat im Garten werden sechs bis acht Samen um eine Stange in die Erde gelegt. Der Boden sollte locker und tiefgründig sein, damit sich die Bohnenpflanzen wohl fühlen und einen hohen Ertrag liefern. Ein Platz in der vollen Sonne ist empfehlenswert.

Bei der Pflege gilt: Der Boden sollte feucht gehalten und vor allem bei großer Sommerhitze regelmäßig gegossen werden. Die anspruchslosen Hülsenfrüchte brauchen nur wenig bis gar keinen zusätzlichen Dünger. Lediglich etwas zurückhaltend dosierten, organischen Dünger mögen die Schwachzehrer. Gartenbohnen können, wie andere Hülsenfrüchtler auch, den Boden mit Stickstoff anreichern. Dazu arbeiten sie in ihren Wurzelknöllchen mit Bakterien im Erdreich zusammen. Nicht alle Pflanzen sind geeignete Beet-Nachbarn: Neben Sellerie und Zwiebelgewächsen zum Beispiel sollten Bohnen nicht angebaut werden.

Bohnen-Verwandte

Aus der Stangenbohne (Phaseolus vulgaris var. vulgaris) haben Pflanzenzüchter die niedrige, eher als Strauch wachsende Buschbohne (Phaseolus vulgaris var. nanus) gewonnen. Sie wird ab Mitte Mai in Reihen mit einem Abstand von etwa vier bis fünf Zentimetern zwischen den einzelnen Samen ausgesät. Ausgewachsen erreichen Buschbohnen eine Höhe von 25 bis 30 Zentimetern. Auch die Borlotti-Bohne ist eine Varietät der Gartenbohne. Zur Pflanzengattung der Bohnen zählen außerdem die mehrjährige Feuerbohne (Phaseolus coccineus) und die in tropischen Ländern heimische Limabohne (Phaseolus lunatus). Eine weitere, entfernte Verwandte ist die Acker- oder Dicke Bohne (Vicia faba), in Erfurt auch Puffbohne genannt. Die aus Ostafrika stammende Helmbohne (Lablab purpureus) mit ihren hübschen rosa Blüten bildet ebenfalls eiweißreiche Samen. Sie benötigt zum Wachsen viel Wärme, Feuchtigkeit und gute Böden.

Auf einen Blick
Herkunft Mittel- und Südamerika
Pflanzenfamilie Schmetterlingsblütler (Fabaceae)
Wuchs Schlingpflanze, bis zu vier Meter hoch
Blüte weiße Blüten; andere Bohnen-Arten können auch rosa oder rot blühen
Standort sonnig, windgeschützt, warm
Boden tiefgründiger, durchlässiger, humoser Boden
Anbau Aussaat im Freiland ab Mitte Mai, wenn kein Frost mehr droht
Pflege Boden feucht halten, zurückhaltend organisch düngen; Stangenbohnen an Stützen wachsen lassen
Winterhart nein
Pflegehinweise Schwachzehrer; Boden feucht halten, eventuell reifen Kompost geben
Lebensdauer Gartenbohne (Phaseolus vulgaris): einjährig

Feuerbohne (Phaseolus coccineus): mehrjährig
Besonderheiten Die Samen sind roh giftig. Erst durch längeres Kochen werden die Giftstoffe in Bohnen unschädlich gemacht. Geerntet werden sowohl die unreifen, grünen Hülsen, als auch die voll ausgereiften Samen. Reife Bohnen können getrocknet und zur Aussaat im kommenden Jahr oder als Nahrungsmittel genutzt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 18. August 2019 | 08:30 Uhr