Energiequelle und Maskottchen Puffbohnen: Unterschätzter Eiweißlieferant aus dem Garten

(Vicia faba)

Die Puffbohne, auch Dicke Bohne, Pferde,- Sau- oder Ackerbohne genannt, ist eine alte Kulturpflanze. Früher haben die Bauern immer einige Kerne der Puffbohnen in der Jackentasche versteckt - als Notreserve - wenn der kleine Hunger kommt. Das kleine Energie- und Eiweißpaket kann - im Gegensatz zu anderen Bohnen - auch roh gegessen werden. Der Anbau ist einfach, die Ernte und Zubereitung aufwendig. Trotzdem finden wir, die Puffbohne ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten.

Puffbohnen (Vicia faba) anbauen und säen

Die Puffbohne wird schon früh im Jahr, am besten im Februar, gelegt. Die Bohne wächst schnell zu einer kräftigen Pflanze und bildet im Juni hübsche Schmetterlingsblüten. Knapp einen Monat später hängen prall gefüllte Hülsen mit zahlreichen Puffbohnen an den Bohnenstängeln. Zwei bis drei Wochen lang ist Erntezeit. Werden die Bohnen erst im Juli reif ist Vorsicht geboten, denn dann macht sich die Bohnenlaus über die Früchte her. Deswegen gilt - lieber früher als später aussäen.

Grafik der Buffbohne und der Pflanze.
Ausgrabungen belegen: Dicke Bohnen gab es im Mittelmeerraum schon 3.000 Jahre vor Christus. Bildrechte: MDR

Puffbohnen ernten

Geerntet werden Puffbohnen milchreif, wenn die Kerne in der Hülse also noch saftig und grün sind. Die Bohnenkerne liegen in einer samtigen Hülle gebettet. Bis zum Genuss sind allerdings einige Handgriffe nötig. Die Zubereitung der Bohnen ist aufwendig. Eine ganze Mahlzeit auszupulen macht viel Arbeit. Die Schalen der einzelnen Bohnen schmecken manchmal bitter, sie können relativ leicht entfernt werden, was aber nochmal ein zusätzlicher Aufwand ist. Vielleicht ist die mühevolle Arbeit ein Grund, dass Puffbohnen heutzutage nur noch selten auf dem Speiseplan stehen. Vom Geschmack her erinnern sie an frische Erbsen.

Hellgrüne Bohnen liegen in einer pelzigen Schote.
Erntereif - so liegen die Puffbohnen in der Schote. Bildrechte: MDR

In anderen Ländern werden übrigens auch die reifen, getrockneten Samen gegessen, jedoch sind diese sehr hart. Damit aus den Samen ein Gericht wird, müssen sie mindestens einen Tag in Wasser eingeweicht und einen weiteren halben Tag gekocht werden.

Rohe Puffbohnen und geschälte Puffbohnen liegen auf einem Tisch.
Mühsame Vorbereitung: weil die Schale der Bohnen manchmal bitter ist, muss sie abgepellt werden. Bildrechte: MDR

Puffbohne Maskottchen der Erfurter

Auf den fruchtbaren Äckern rund um die Stadt Erfurt wuchsen früher viele der Puffbohnen. Sie waren eiweißreiche Nahrung für Mensch und Nutztier. Die Lieblingsspeise der Erfurter waren "Puffbohnen mit Speck".  Als Fleisch immer billiger wurde, verschwand die gesunde vegane Alternative und wurde gar als "Arme-Leute-Speise" verpöhnt. Inzwischen sind die Anbauflächen für Puffbohnen klein. Die meisten Erfurter kennen die Puffbohne nur noch als Maskottchen der Stadt. Geblieben ist auch der Spitzname für die Einwohner: Wer hier geboren ist, wird eine "echte Erfurter Puffbohne" genannt und bekommt schon zur Geburt eine lustig dreinschauende Stoff-Puffbohne mit auf den Weg.

Puffbohne als Kuscheltier mit Hut.
Das Maskottchen der Erfurter im Sommerlook. Bildrechte: MDR

Quelle: MDR Garten

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 04. Juli 2021 | 08:30 Uhr