Vor- und Nachteile torffreier Substrate Torffreie Erde: Mehr düngen, mehr gießen, aber gut fürs Klima

Der Abbau von Torf für Pflanzenerden ist ein Eingriff in die Natur. Es wird Kohlendioxid freigesetzt und so das Klima geschädigt. Inzwischen gibt es Alternativen: torffreie Substrate, die vor allem für Kübelpflanzen gut geeignet sind. Diese torffreien Erden haben aber ganz andere Eigenschaften als Torferde: Sie speichern Nährstoffe und Wasser weniger konstant. Deshalb muss die Pflege der Pflanzen, die in torffreier Erde wachsen, angepasst werden.

Hände halten Torferde und torffreie Erde die gröber ist und verschiedene Zusatzstoffe enthält.
Links: Herkömmliche Erde mit Torf (Zitruserde) hat eine kompakte Struktur, die den Pflanzen Halt gibt.
Rechts: Torffreie Erde ist aus verschiedenen Materialien gemischt, das Substrat fühlt sich locker an und ist bröseliger.
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Wer im Einklang mit der Natur gärtnern möchte, sollte - wenn möglich - torffreie Erden verwenden. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von torffreien oder torfreduzierten Pflanzsubstraten. Sie können im Garten für ganz unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden: als Aussaaterde, für Kübelpflanzen oder zur Befüllung der Hochbeete. In torffreien Erden können Pflanzen gut gedeihen. Das zeigen auch Testbepflanzungen im Egapark Erfurt. Dort wurden Kübel mit herkömmlicher Gartenerde (Zitrussubstrat) bepflanzt, andere Kübelpflanzen wachsen in torffreien Substraten. "Grundsätzlich gedeihen die Pflanzen auch in den torffreien Erden gut, sie wachsen zu kräftigen Pflanzen heran und blühen üppig", sagt Gärtnermeister Jürgen Meister, der die Kübelpflanzen betreut. Dennoch ist der Pflegeaufwand bei torffreier Erde höher. Das sehr lockere Substrat kann Wasser und Nährstoffe nicht so gut speichern. Die Substrate trocknen schneller aus und müssen häufiger gegossen und gedüngt werden.

Gärtner Jürgen Meister steht vor einem üppig blühenden riesigen Blumenkübel.
Gärtner Jürgen Meister beobachtet die Pflanzenkübel, die mit unterschiedlichen Substraten gefüllt sind. Die Kübel mit torffreier Erde trocknen schneller aus. Wird die Pflege angepasst, blühen die Pflanzen aber genauso üppig wie die, die in Erde mit Torf wachsen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Tipps für den Kauf: "torfreduziert" ist nicht "torffrei" Wer gute torffreie Substrate einsetzen möchte, sollte auf das RAL-Gütesiegel und die Bezeichnung "torffrei" achten. In "torfreduzierter" oder "torfarmer" Erde ist immer noch eine gewisse Menge Torf enthalten. Ein genauer Blick ist auch bei Bio-Erde geboten, denn diese muss nicht zu 100 Prozent torffrei sein. Bioerden sind nicht automatisch "torffrei".

Eigenschaften torffreier Erden: Speichereigenschaften und Nährstoffgehalt

  • Torffreie Erden können, je nach Zusammensetzung, sehr unterschiedliche Eigenschaften haben: Der Nährstoffgehalt, der pH-Wert und auch die Speicherfähigkeit hängen davon ab, aus welchen Bestandteilen das Substrat besteht.

  • Torffreie Erden haben durch verschiedene Inhaltsstoffe wie Holzfasern, Kokosmark und Blähschiefer eine lockere, luftige Struktur, der Boden wird gut durchlüftet. Der Nachteil: Wasser und Nährstoffe laufen schneller hindurch und werden nicht gut gespeichert. Die Substrate können schneller austrocknen. Die Eigenschaften der Substrate kann sehr unterschiedlich sein. Ist der Anteil speichernder Materialien wie Holzfasern und Ziegelsplit hoch, speichert das Substrat Wasser und Nährstoffe besser. Inzwischen werden torffreie Erde angeboten, die ganz gezielt auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Pflanzenarten abgestimmt sind. Greifen Sie also lieber zu diesen Spezialerden.

  • Torf ist über Jahrhunderte in Mooren entstanden. Der Grundstoff für viele Erden ist sozusagen fertig und verändert sich nicht mehr durch Zersetzung. Bei torffreien Substraten ist das anders - sie wandeln sich. Kohlenstoffreiche Holzfasern werden zersetzt und entziehen dem Substrat Stickstoff. Deshalb muss das Nährstoffdepot regelmäßig aufgefüllt werden, vor allem mit stickstoffhaltigen Düngern.

  • Torffreie Erden sind anfälliger für Schädlinge: Deshalb sollten die Substrate frisch verwendet und nicht lange gelagert werden.

Gießen und düngen: Pflege bei torffreier Erde anpassen

Gießen

  • Lieber öfter, aber in kleinen Mengen gießen.
  • Kübel und Balkonkästen mit Wasserspeichern und Wasserstandanzeige sind sinnvoll. Die Pflanzen können so auf die aufgefangenen Reserven zurückgreifen und der Gärtner sieht, wenn Wasser gebraucht wird.

Düngen

  • Torffreie Substrate müssen schneller wieder gedüngt werden. Vor allem wenn viele Holzanteile vorhanden sind, wird Stickstoff verbraucht, der wieder aufgefüllt werden muss. Hier helfen organischen Stickstoffdüngern wie Hornspänen. Auch die regelmäßige Gabe von Flüssigdüngern ist ratsam, da dieser den Pflanzen sofort zu Verfügung steht.

Was ist Torf? In sauerstoffarmen, durchwässerten Mooren entsteht aus abgestorbenem Moos und anderen Pflanzen nährstoffarmer, saurer Torf. Bis sich eine ein Meter dicke Torfschicht gebildet ist, dauert es laut NABU 1.000 Jahre. Um Torf abstechen zu können, müssen die Moore in aller Regel trockengelegt werden - die Torfmoose stellen dann ihr Wachstum ein. Beim Abbau wird Kohlendioxid freigesetzt. Naturschützer kritisieren deshalb die Gewinnung von Torf als Umweltzerstörung.

In Deutschland wird Torf vor allem in Norddeutschland abgebaut. Verwendet wird er für Brennmaterial und nur ein kleiner Teil davon (vier Prozent) wird zu Pflanzenerden verarbeitet. Der Großteil des Torfs wird laut NABU im Baltikum abgebaut und importiert. Hier nimmt der Torfabbau - entgegen dem Trend - sogar zu, mit gravierenden Auswirkungen auf den Klimawandel.

Was ist der Unterschied zwischen Torferde und torffreier Erde?

Torferde: Torf ist über Jahrhunderte lang gereift und hat - wenn es abgebaut wird - konstante Eigenschaften, die sich kaum verändern: Er ist nährstoffarm und hat einen sauren pH-Wert. Als Grundbaustein für Gartenerden sind die Inhaltsstoffe also genau definiert und deshalb ein idealer Ausgangsstoff für Blumenerden. Angereichert mit Lehm, Dünger und anderen Zusatzstoffen, wird Torf zu Torferde. Sie lässt sich präzise für die unterschiedlichen Ansprüche verschiedener Pflanzenarten anpassen. Außerdem sind die Erden strukturstabil und geben den Pflanzenwurzeln über lange Zeit sicheren Halt. 

In Deutschland wird Torf vor allem in Norddeutschland abgebaut. Verwendet wird er für Brennmaterial und nur ein kleiner Teil davon (vier Prozent) wird zu Pflanzenerden verarbeitet. Der Großteil des Torfs wird laut NABU im Baltikum abgebaut und importiert. Hier nimmt der Torfabbau - entgegen dem Trend - sogar zu, mit gravierenden Auswirkungen auf den Klimawandel.

Torfabbau
Um Torf zu gewinnen, müssen die Moore trockengelegt werden. Beim Abbau wird Kohlendioxid freigesetzt. Bildrechte: Panthermedia

Bei torffreien Erden ist das anders, sie wandelt sich im Laufe einer Saison. Torffreie Erden werden aus ganz verschiedene organische Materialien zusammengemischt, wie Grünschnittkompost, Holz oder Kokosfasern. Diese Zutaten verändern sich im Laufe des Gartenjahres. Die Mikroorganismen arbeiten und zersetzen das Material. (Beim Torf ist dieser Prozess abgeschlossen.) Bakterien verbrauchen beim Mineralisieren von Kompost und Holz Stickstoff. Da die Inhaltsstoffe des Ausgangsmaterial aber nicht genau bekannt sind, bleibt es immer wage, welche Inhaltsstoffe die torffreien Erden im Laufe der Saison noch enthalten. Damit ist also nicht klar, was die Pflanzen brauchen. Inzwischen gibt es gute Substrate, die herkömmlichen Blumenerden in ihren positiven Eigenschaften nahezu ebenbürtig sind. Es wird geforscht und daran gearbeitet, torffreie Erden zu entwickeln, die auch für Erwerbsgärtner, die auf einen hohen zuverlässigen Ertrag angewiesen sind, gut nutzbar sind. Im Hobbybereich gibt es für Kübelpflanzen inzwischen viele Substrate, die eine gute Alternative sind. Die Pflege der Pflanzen muss aber angepasst werden.

Hochmoor in der Dübener Heide
Einzigartige Natur: Ein Hochmoor in der Dübener Heide. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 29. August 2021 | 08:30 Uhr

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