Nach der Ernte So schneiden Sie Himbeeren richtig

Ob vom Strauch direkt in den Mund, auf dem Kuchen, im Sirup oder im Likör – wer Himbeeren erntet, kann sich vor Möglichkeiten der Zubereitung kaum retten. Damit die Natursüßigkeit aber auch im nächsten Jahr prächtig gedeiht, gilt es das Rosengewächs nach der Ernte richtig zurückzuschneiden. Dabei müssen Sie zwischen Sommer- und Herbsthimbeeren unterscheiden.

Gärtnerin Brigitte Goss lichtet Himbeerstrauch aus
Himbeere ist nicht gleich Himbeere: Insbesondere beim Schnitt von Sommerhimbeeren müssen Sie die Triebe sorgsam unterscheiden, denn davon hängt die nächste Ernte ab. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Um den richtigen Schnitt anzusetzen, ist es zunächst wichtig, zu bestimmen, ob es sich bei Ihrer Pflanze um eine sommer- oder herbsttragende Sorte handelt. Falls Sie den Namen Ihrer Himbeersorte kennen, können Sie direkt hier nachschauen. Andernfalls gibt es zwei grobe Unterscheidungskriterien, mit denen Sie ihre Pflanze einordnen können: Wuchshöhe und Erntezeit.

Merkmale der Sommer- und Herbsthimbeere

Grundsätzlich gilt, dass die Sommerhimbeere schon im Juli reif ist und abgeerntet werden kann. Die Herbsthimbeere trägt zwischen August und Oktober:  zunächst im August und - da sie häufig die "Kraft für zwei Ernten" besitzt - noch einmal im Oktober. Ein zweites wesentliches Merkmal ist die Wuchshöhe. Die Sommerhimbeere kann einem am Spalier über den Kopf wachsen und erreicht eine Höhe von bis zu 2,50 Meter. Die am bodennahen Gitter wachsende Herbsthimbeere wird mit maximal 1,50 Metern meist nur hüft- oder brusthoch.

Rückschnitt der Sommerhimbeere

Die Wuchshöhe hat indirekt auch mit der Tragezeit der Himbeere zu tun. Eine Sommerhimbeere trägt nämlich nur am zweijährigen Trieb. Während die Triebe das komplette erste Jahr also als Wachstumsphase brauchen, blühen sie im folgenden Frühling und tragen im zweiten Sommer ihre Früchte. Demnach schneiden Sie bei einer Sommerhimbeere keine Jungtriebe (außer sie sind besonders dünn und schwach), sondern nur die älteren Triebe, die auch Früchte getragen haben. Der Rückschnitt erfolgt knapp über dem Boden. Lassen Sie zwischen einzelnen Ruten rund 10 Zentimeter Abstand und lassen Sie auch keine lange "Gakeln" stehen. "Himbeerruten sollten insgesamt nicht länger als zwei Meter werden", sagt Gartenfachberaterin Brigitte Goss.

Ein Ast mit grünen Blättern. Am Blattansatz ist eine grüne Spitze zu erkennen.
Die Jungtriebe einer Sommerhimbeere sollten Sie fast immer stehen lassen, denn Sie tragen im nächsten Jahr ihre Ernte. Eine Ausnahme gibt es bei spätem Frost im Frühling! Bildrechte: MDR/Estha Taddigs

Schnitt von jungen Sommerhimbeeren Als Faustregel gilt: Im Jahr nach der Pflanzung sollten nicht mehr als drei Ruten je Pflanze stehen bleiben. Ab dem dritten Jahr lässt man etwa sieben Ruten stehen. Etwa zehn Ruten pro Meter sollten in der Reihe stehen.

Achtung, später Frost im Frühling!

Im April oder Mai treiben sowohl Sommer- als auch Herbsthimbeere ihre ersten Triebe aus. Tückisch wird es für die Sommerhimbeere aber, wenn es späten Frost gibt. Die jungen Ruten lassen sich die Minustemperaturen nämlich erstmal gar nicht anmerken, sterben im Winter dann aber mit großer Zuverlässigkeit ab, wodurch auch die Ernte im Folgejahr entfällt. Damit Ihre Sommerhimbeere also keine Kraft an Triebe vergeudet, die ohnehin absterben, können Sie nach späten Frostnächten alle frischen Jungtriebe abschneiden.

Schneiden der Herbsthimbeere

Während Sie beim Schnitt der Sommerhimbeere also aufmerksam sein sollten, um die Triebe auseinanderzuhalten, kommt der Schnitt der Herbsthimbeere einem Kahlschlag gleich. Schneiden Sie den kompletten Strauch einfach in Bodennähe ab, im nächsten Frühling treibt er dann neu aus und bildet schon im ersten Jahr wieder Früchte aus. Wichtig beim Rückschnitt ist nur, dass Sie noch vor dem ersten Frost die Gartenschere ansetzen.

Quelle: Gärtnerin und Gartenfachberaterin Brigitte Goss

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 18. Oktober 2020 | 08:30 Uhr

Anbau und Pflege von Himbeeren