Fakt ist! aus Erfurt Das Publikum wird zugeschaltet

Wenn am Montag, dem 30. März, die aktuelle Ausgabe von Fakt ist! aus Erfurt kommt, müssen die Moderatoren Andreas Menzel und Lars Sänger selbst Hand anlegen. Geschminkt wird nämlich nicht mehr. Obwohl das Pflicht ist in Zeiten der hochauflösenden Fernsehtechnik, bei der man jede Pore sieht. Doch in der Corona-Krise ist es unabdingbar, direkte Kontakte zu vermeiden. Daher stehen die Profis von der Maske beim MDR alle nur noch mit mindestens zwei Metern Sicherheitsabstand beratend dabei.

Bild des leeren Fakt-ist-Studios, dazu Schriftzug: Medien im Krisenmodus #FaktIst
Bildrechte: MDR/MEDIEN360G

Doch das selbstgemalte Make-up ist wohl das kleinste Problem, vor dem eine Publikumssendung wie Fakt ist! in diesen Tagen steht. Sonst sitzen bei den Sendungen 60 bis 70 Gäste im Foyerstudio des Erfurter MDR-Funkhauses, die live mitdiskutieren können. Doch schon wie in der Vorwoche, als Fakt ist! vom MDR-Landesfunkhaus Sachsen Anhalt in Magdeburg kam, muss es in Erfurt ohne Publikum gehen.

Gäste und Moderatoren müssen sich selbst verkabeln

Thema ist natürlich auch am Montag wieder Corona: Unter der Überschrift „Kontrolle, Konkurse, Kollateralschäden“ fragt Fakt ist!: „Wie lange hat uns Corona im Griff?“. Als Expertinnen und Experten werden FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg, Thüringens Staatskanzleichef Benjamin Immanuel Hoff (Die Linke) und der Direktor des Universitätsklinikums in Jena, Professor Dr. Michael Bauer, erwartet. Auch für sie gilt übrigens: Maske bitte selber machen, also gleich geschminkt kommen. Dass die Gäste überhaupt noch selbst ins Studio kommen, ist nach MDR-Angaben vertretbar, da die vorgeschriebenen Mindestabstände eingehalten werden können. Auch sonst wird direkter Kontakt weitestgehend vermieden.

„Unsere Gäste werden sich auch selber verkabeln, also sich selbst die Mikrofone anstecken“, sagt „Fakt ist!“-Redaktionsleiterin Judith Saitz im Gespräch mit MDR MEDIEN360G. „Aber natürlich gibt unser Tonassistent aus zwei Metern Entfernung Hilfestellung.“ Auch die Moderatoren stecken sich selbst ihre Mikrofone an und stöpseln sich kleine Lautsprecher ins Ohr, mit denen sie während der Sendung Hinweise aus der Regie hören können.

Mundschutz und Handschuhe in der Regie

„Die Kolleginnen und Kollegen, die räumlich vom Studio entfernt in der Regie sitzen, tragen Mundschutz, weil man da nun mal recht nah beieinander sitzen muss. Einmalhandschuhe werden ebenfalls bereit gestellt“, so Saitz. Denn an den engen Schaltpulten lassen sich die bei Corona empfohlenen Mindestabstände schlicht nicht einhalten. Das gilt auch für die Technikerinnen und Techniker am Lichtpult, die während der Sendung die Scheinwerfer steuern.

Die größte Herausforderung ist laut Judith Saitz aber, eine Publikumssendung ohne Publikum zu planen:

Das macht einen Höllenunterschied und ist für uns besonders schade. Denn gerade beim Thüringer Fakt ist! haben wir in den vergangenen anderthalb Jahren die Sendung so umstrukturiert, dass der Dialog mit dem Publikum im Mittelpunkt steht. Jetzt müssen wir leider wieder einen Schritt zurück gehen.

 Zuschauergäste per Video- Call-In dabei

Denn am Montag werden die Zuschauergäste nur per Zuschaltung dabei sein können. Hierfür wurde in den letzten Tagen technisch nachgerüstet. In der Sendung werden sieben Bürgerinnen und Bürger aus ihrem Wohnzimmer per Video-Call vom Smartphone live dabei sein. „Wir haben die Video-Software schon mit allen getestet“, sagt Carsten Kayser vom „Fakt ist!“-Team, der auch für MDR MEDIEN360G arbeitet. „Wir können unserem Anspruch, eine Sendung für und mit den Bürgerinnen und Bürgern zu sein, so hoffentlich gerecht werden.“ Jetzt sind alle gespannt, wie es funktioniert. „Wenn alles gut läuft, hilft uns diese neue Technik nämlich nicht nur in dieser Ausnahmesituation“, so Carsten Kayser: „Sondern sie bietet uns auch in Zukunft die Möglichkeit, Gäste oder Expertinnen und Experten mit wenig Aufwand dazu zu schalten“. Abstriche wird es in Erfurt dennoch geben. „Natürlich ist uns klar, dass unsere Zuschauergäste dieses Mal eher Fragen stellen können, als ganz aktiv mitdiskutieren“, sagt Judith Saitz.

Auch in Corona-Zeiten können sich Interessierte nach Veröffentlichung des Sendungsthemas auf der MDR-Homepage um einen Platz im Publikum bewerben. Zusätzlich gibt es Aufrufe im MDR-Hörfunkprogramm und bei Facebook. Dabei besteht die Auswahl zwischen dem bloßen Zuschauen oder live mitdiskutieren, um seine Meinung zum Thema zu äußern.

Ganze Sendung virtuell geplant

Das Studio wurde auch so umgestaltet, dass die Moderatoren und ihre Studiogäste genügend Abstand zueinander haben. „Wir wussten ja schon vor drei Wochen bei der letzten ‚Fakt ist!‘-Ausgabe aus Erfurt, dass wir vermutlich zum letzten Mal nach dem alten Muster mit Publikum senden würden“, sagt Saitz: „Deshalb wurde jetzt ein neues Studiodesign entwickelt, damit das auch ohne Publikum nicht zu nackt aussieht, sondern gleichzeitig schön und fernsehtauglich ist“.

Auch mit diesen Absprachen und überhaupt der ganzen Planung der Sendung betraten Judith Saitz und ihre Kolleginnen und Kollegen im Erfurter Landesfunkhaus Neuland. Denn die Redaktionssitzungen fanden dezentral und virtuell im Netz statt.

In den letzten Wochen haben wir im Team jede Menge Erfahrungen gemacht, welche neuen technischen Möglichkeiten es hier gibt

, so Saitz. Auch wenn die Corona-Krise auf absehbare Zeit neue Spielregeln erfordert, ist für das Thüringer „Fakt ist!“-Team klar: Sobald es verantwortbar und möglich ist, wird natürlich wieder mit und vor Publikum gesendet.

Fakt ist! aus Erfurt läuft am 30. März 2020 ab 22:10 Uhr im MDR Fernsehen und bereits ab 20:15 Uhr im MDR-Livestream.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! aus Erfurt | 30. März 2020 | 22:10 Uhr