BKA-Auswertung Gewalt in der Partnerschaft: Zahlen gehen leicht zurück

Die Zahl der Gewalttaten unter Partnern oder Ex-Partnern ist 2021 leicht zurückgegangen, ebenso die der Opfer. Politik und Bundeskriminalamt betonen allerdings, dass viele Fälle von Gewalt nicht angezeigt werden. Sie gehen von einer hohen Dunkelziffer der Fälle aus.

Gestelltes Foto zum Thema häusliche Gewalt. Eine junge Frau sitzt auf dem Boden und hält sich schuetzend die Hände vor ihr Gesicht. Ein Mann droht sie anzugreifen.
Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass es deutlich mehr Fälle von Gewalt unter Partnern oder Ex-Partnern gibt, als angezeigt werden. Bildrechte: IMAGO / photothek

Die Zahl der angezeigten Gewalttaten unter Paaren und Ex-Partnern ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Das geht aus Daten hervor, die das Bundeskriminalamt veröffentlicht hat. Danach registrierten die Behörden für das Jahr 2021 bundesweit 143.016 Fälle, in denen ein aktueller oder ehemaliger Partner Gewalt ausübte oder dies versuchte. Im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020 war das ein Rückgang um 2,5 Prozent. In die angezeigten Fälle waren 143.604 Opfer involviert, drei Prozent weniger als 2020. Mehr als 80 Prozent der Opfer waren weiblich, knapp 20 Prozent männlich.

Dem BKA-Bericht zufolge geht die Gewalt nach wie vor zum überwiegenden Teil von Männern aus (78,8 Prozent). Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger ist in den vergangenen Jahren jedoch leicht gestiegen. Er lag 2021 bei 21,2 Prozent (2020: 20,6 Prozent).

In den meisten Fällen von Gewalt in der Partnerschaft handelte es sich dem Bericht zufolge um vorsätzliche einfache Körperverletzung (59,6 Prozent). In 24,2 Prozent der Fälle ging es um Stalking, Nötigung und Bedrohung. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde in 12,2 Prozent der Fälle ermittelt. Auch Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in der Partnerschaft wurden angezeigt. Zudem wurden 2021 insgesamt 369 Personen als Opfer von versuchtem und vollendeten Mord und Totschlag erfasst (0,3 Prozent). Dem BKA zufolge starben 113 Frauen und 14 Männer durch Gewalt in der Partnerschaft.

Faeser und Paus: Viele Opfer gehen nicht zur Polizei

Lisa Paus (l, Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Nancy Faeser (SPD), Bundesministerin für Inneres und Heimat, stellen während der Pressekonferenz zur polizeilichen Kriminalstatistik 2021 die Studie zu Gewalt in der Partnerschaft vor.
Bundesfamilienministerin Lisa Paus und Bundesinnenministerin Nancy Faeser stellen den Bericht zur Gewalt in der Partnerschaft vor. Bildrechte: dpa

Bundesinnenministerin Nancy Faeser wies darauf hin, dass die Zahl der Opfer in den Jahren vor 2021 stetig gewachsen sei. So waren 2017 bundesweit 138.893 Opfer registriert worden. Zugleich betonte sie, die in der Statistik erfassten Zahlen würden lediglich das sogenannte Hellfeld abbilden, also die Zahl der angezeigten Fälle. Das Dunkelfeld sei weitaus größer.

Ähnlich äußerte sich auch Bundesfamilienministerin Lisa Paus. Die Grünen-Politikerin erklärte, es sei davon auszugehen, dass derzeit zwei Drittel der weiblichen Opfer nicht zur Polizei gingen. Paus betonte, sie setze sich dafür ein, die Lücken im Netz der Frauenhäuser und Beratungsstellen zu schließen. Hilfeeinrichtungen sollten zudem verlässlich finanziell abgesichert werden.

Jede Stunde erleiden durchschnittlich 13 Frauen Gewalt in der Partnerschaft. Beinahe jeden Tag versucht ein Partner oder Ex-Partner eine Frau zu töten. Fast jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch ihren derzeitigen oder vorherigen Partner. Das ist die Realität. Realität ist auch, dass viele Gewaltopfer Angst haben, sich Hilfe zu holen. Deshalb brauchen wir ein flächendeckendes, niedrigschwelliges Unterstützungsangebot, in der Stadt genauso wie auf dem Land.

Lisa Paus Bundesfamilienministerin

BKA-Präsident will Dunkelfeld "ausleuchten"

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, bezeichnete es als Kernaufgabe seiner Behörde, das sogenannte Dunkelfeld bei Gewalt in der Partnerschaft "weiter auszuleuchten". Jede Anzeige eines solchen Delikts "trägt dazu bei, den Täter zur Verantwortung zu ziehen". Deshalb sollten Betroffene selbst, aber auch Zeuginnen und Zeugen die Polizei informieren oder sich an Beratungsstellen wenden.

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" bietet Frauen unter der Nummer 08000 116 016 rund um die Uhr kostenlose und anonyme Beratung in 18 Sprachen an.

dpa (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. November 2022 | 12:15 Uhr

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