Polizei bittet um Hinweise Kulturpalast in Unterwellenborn: Bühnentechnik im Wert von 60.000 Euro gestohlen

Ob Deckenlampen, Notbeleuchtungsschilder, Wanduhren oder Teile der Notstromanlage: Nichts im vom Verfall bedrohten Kulturpalast im thüringischen Unterwellenborn scheint vor den Einbrechern sicher. Der einstige Prachtbau hat in den vergangenen zwei Jahren mehr als zehn Mal Straftäter angelockt. Zuletzt wurde im Januar 2021 ein Großteil der Bühnentechnik gestohlen.

Kulturpalast Unterwellenborn
Der Kulturpalast wurde einst 1955 eröffnet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fahndung in "Kripo live"

Der Kulturpalast in Unterwellenborn steht seit Jahren leer, am Prachtbau nagt der Zahn der Zeit. Doch der Leerstand lockt immer wieder Einbrecher an, die sich an der Einrichtung "bedienen". Entwendet wurden so auch drei baugleiche Kronleuchter wie aus dem Palast der Republik, Wanduhren und gar Notbeleuchtungsschilder. Zuletzt montierten Unbekannte in der Nacht vom 28. zum 29. Januar 2021 das Bühnenbeleuchtungssystem ab. Sie stahlen Scheinwerfer aus acht Metern Höhe, sowie Elektrogeräte und Reflektoren im Gesamtwert von 60.000 Euro.

Bereits zwischen dem 14. und 24. Januar waren Unbekannte in den Keller des Objektes eingedrungen und haben dort die Notstromanlage abgebaut und mitgenommen. Der Sachschaden betrug hier etwa 10.000 Euro. Die Notstromanlage war ein älteres Modell, das aus vielen Glaskörper und darin integrierter Batteriesäure bestand. Diese wurde offenbar in den Abfluss des Kellers geleitet. Deswegen wird hier auch wegen eines möglichen Umweltdelikts ermittelt. Die Polizei bittet in "Kripo live" um Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Ermittlung der TäterInnen führen.

Polizei bittet um Hinweise Wenn Ihnen im Umfeld des Kulturpalastes in Unterwellenborn am 14.; 28. oder 29. Januar verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sind, oder wenn Sie etwas über das Diebesgut wissen, informieren Sie bitte die Polizei Saalfeld unter der Telefonnummer 03671-560.

Kulturpalast Unterwellenborn Bühnensaal
Der Bühnensaal bietet Platz für 800 Zuschauer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Glanzvolle Zeiten zu DDR-Zeiten

Das 1955 eröffnete neoklassizistische Bauwerk war eines der ersten errichteten Kulturhäuser in der DDR und trug einst den Namen "Johannes R. Becher". Errichtet wurde es für die 7.000 Arbeiter des Stahl- und Walzwerks "Maxhütte": Das Angebot des Kulturpalastes sollte den Beschäftigten des VEB Maxhütte und deren Familien einen Freizeitausgleich für die harte Arbeit im Stahlwerk bieten. Bis 1990 fand dort eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen statt: von Tanz-, Musik- und Zeichenzirkeln bis hin zu Faschingsfeiern, Jugendweihen und Unterhaltungsshows. Ein Theatersaal bot Platz für rund 800 Zuschauer. "Alles was Kultur, Musik, Tanz, Literatur, alles, was eigentlich Rang und Namen hatte, hat sich bei uns im Kulturpalast abgespielt", sagt Andrea Wende, heute Bürgermeisterin von Unterwellenborn.

Kulturpalast Unterwellenborn
Der Zahn der Zeit nagt deutlich an der Substanz. Bildrechte: MDR/Kripo Live

Kulturpalast heute dem Verfall ausgesetzt

Ein Unternehmer aus Bayern kaufte das denkmalgeschützte Gebäude Mitte der 1990er-Jahre und begann mit Umbauten und Sanierungsarbeiten, um das Kulturhaus in ein Tagungshotel zu verwandeln. Bis ein folgenschwerer Wasserrohrbruch im Jahr 1998 dem Ausbau ein jähes Ende setzte. Seit 2013 engagiert sich der Verein "Kulturpalast Unterwellenborn e.V." für den Erhalt des Gebäudes und dessen Wiederbelebung als Kultur- und Begegnungsstätte.

Das Land Thüringen unterstützt das Kulturhaus und den Verein mit Fördermitteln. So konnte unter anderem das Dach des Südflügels saniert werden. Doch seit 2019 haben die Vereinsmitglieder Hausverbot, die Arbeiten ruhen. Torsten Ströher, Vorsitzender des "Kulturpalast Unterwellenborn e.V." wünscht sich eine Einigung mit dem Eigentümer: "Das Haus hat es einfach verdient, erhalten zu bleiben und warum sollte das nicht zu schaffen sein – damit die Bevölkerung, die hinter dem Verein steht, auch wieder freien Zutritt hat."

Nach jüngsten Diebstählen nicht mehr bespielbar

Die Zukunft sieht erstmal düster aus: Ohne Notstromanlage und Bühnentechnik ist der Kulturpalast erstmals seit 76 Jahren nicht mehr bespielbar. Nach allen herben Rückschlägen der letzten Jahre gab es zuvor aber auch einen kleinen Lichtblick: Kürzlich erhielt der Kulturpalast Unterwellenborn die Plakette "Kulturdenkmal des Jahres 2021".

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo Live | 07. März 2021 | 19:50 Uhr

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